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Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Volker L.

Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Beitragvon Volker L. » 12. Oktober 2001, 19:32

Bei meiner Spanienrundreise bin ich auch mal in die
Spielwarenabteilung von "El Corte Ingles" (sowas wie die
spanische Version von Karstadt) gegangen, um zu sehen, was
die da so alles haben.
Die Auswahl an Spielen im Sinne dieses Forums hier war sehr
bescheiden, allerdings habe ich festgestellt, dass es
auch eine spanische Version der Siedler gibt (war auch als
"neu - endlich auf spanisch" beworben).
Nennt sich "Los Descubridores de Catan" (was uebersetzt "die
Entdecker von Catan" heisst) und sieht bis auf die Sprache
auf dem Karton genau wie unser deutsches Catan aus; allerdings
ist der Preis doppelt so hoch: 7750 Peseten oder 46,58 Euro! :-O

Woran kann das liegen? War es so teuer, die Regeln zu uebersetzen?
Muss eine erwartete geringere Verkaufszahl durch einen
hoeheren pro-Stueck-Preis ausgeglichen werden?
Und kauft das jemand zu dem Preis?

Gruss, Volker (haette glatt komplette Tauben verschluckt, wenn
in dem Moment welche im Kaufhaus rumgeflogen waeren :-O )

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Roland Winner

Re: Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Beitragvon Roland Winner » 12. Oktober 2001, 20:18

Hallo Volker,

ich war gerade in Portugal. Dort gab es auch eine protugiesische
Version von den Siedlern. Preis umgerechnet ca. 40 Euro.
Das sind doch regelrechte Abwehrpreise in einem Land mit ohnehin
nicht so hohem Lebensstandard.

Gruß, Roland

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Arno C. Hofer
Kennerspieler
Beiträge: 421

Re: Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Beitragvon Arno C. Hofer » 12. Oktober 2001, 21:45

...und dann wundere sich noch einer über die "nicht europäische Spielkultur"? Vor ein paar Jahren waren auch bei uns in Österreich die Preise so hoch - irgendwie wars zum Davonlaufen. Doch mit dem EU-Beitritt war das Gespenst dann (fast) weg. Doch Spanien und Portugal sind doch beide in der EU - vielleicht sollten wir ein "EU-Projekt" starten: Faire Preise für Bildung, Kommunkation, Kreativität und gegen Rassismus - genau das bietet Spielen nämlich. Was
Arno

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Ulrich Roth

Re: Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Beitragvon Ulrich Roth » 13. Oktober 2001, 02:27

Volker L. schrieb:

> Die Auswahl an Spielen im Sinne dieses Forums hier war sehr
> bescheiden

Leider wahr. Die Spanier spielen mehrheitlich allenfalls die Klassiker und Bestseller wie Monopoly, Trivial, Pictionary u.ä.

> allerdings habe ich festgestellt, dass es
> auch eine spanische Version der Siedler gibt (war auch als
> "neu - endlich auf spanisch" beworben).

Wundert mich, denn das Original-Siedlerspiel war hier bereits vor ca. 5 Jahren im Handel (auch im Corte Inglés), verschwand aber schon bald aus den Regalen...

> Nennt sich "Los Descubridores de Catan" (was uebersetzt "die
> Entdecker von Catan" heisst) und sieht bis auf die Sprache
> auf dem Karton genau wie unser deutsches Catan aus; allerdings
> ist der Preis doppelt so hoch: 7750 Peseten oder 46,58 Euro!
> :-O

Wahrscheinlich rechnet sich das sogar. Die kleine Minderheit, die hier in Spanien diese Art von Spielen kauft, bezahlt solche Preise ohne Murren, während ein niedrigerer Preis den Verkaufserfolg wohl kaum erhöhen würde.

Tja, wer preiswert gute Spiele kaufen will, braucht heutzutage wirklich nicht in die Ferne zu schweifen. Deutschland steht da konkurrenzlos da...

Grüße aus Barcelona
Ulrich

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Stefanie

Re: Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Beitragvon Stefanie » 13. Oktober 2001, 08:51

Aehnliches gilt fuer Australien ... in den normalen
Kaufhaeusern gibt es i.w. die Klassiker (grosse Ausnahme:
Hasbros Lord of the Rings). Auch die sind nicht billig,
aber "bessere" Spiele kosten 2-3 mal soviel wie
in Deutschland, wenn es die Rio Grande-Versionen
sind. Spiele, die offenbar direkt importiert werden,
kosten eher noch mehr. Ausnahme: Spiele
von Ravensburger, die kosten oft "nur" ca. 20 % mehr als in Deutschland (geradezu billig ;-)).

Nur amerikanische Import-Spiele kleinerer Verlage, a la Fluxx, Chrononauts,
Chez Geek, etc. liegen preislich etwa so wie in Deutschland
bzw. sind auch mal ein bisschen billiger als dort.

Ich denke, auch hier in Australien lohnt sich eine Preissenkung vermutlich nicht -
aus aehnlichen Gruenden wir Ulrich sie fuer Spanien beschrieben hat. Dazu kommt hier noch der teure Transport.

Uebrigens sind in Europa z.B. in Frankreich Spiele generell auch teurer - und werden dort wohl auch weniger als "Gebrauchs-" denn als "kleine
Luxusgegenstaende" gesehen.

Cheers,
Stefanie

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Volker Tietze

Re: Warum so teuer

Beitragvon Volker Tietze » 13. Oktober 2001, 16:07

Auch wenn ich mich dadurch unbeliebt mache: Spiele sind nicht woanders teuer, sondern bei uns billig. Seit den ersten (3M-) Erwachsenenspielen der 60er-Jahre sind die Preise um keine Mark gestiegen.

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Bettina

Re: Warum so teuer

Beitragvon Bettina » 13. Oktober 2001, 17:04

Zugegeben - beliebt machst Du Dich dadurch bei mir nicht ;-)

Ich hoffe nur, dass die Verlage Deine Meinung nicht verinnerlichen, denn ich möchte nicht aus Luxus spielen, sondern zum entspannen und so...

Spielerische Grüsse
Bettina (die sparen muss :-( )

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Arno C. Hofer
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Beiträge: 421

Re: Kuerzlich in Spanien... (NICHT OT)

Beitragvon Arno C. Hofer » 13. Oktober 2001, 17:21

Danke Ulrich, danke Stefanie,

für Eure Aufklärung, wie es in Spanien und in Australien ums Spiel steht. Das"neue Spielen", wie wir es in den deutschsprachigen Ländern kennen, setzt, glaube, ich eine ziemlich "breite Elite" voraus (die glaube ich hierzulanden ihren Stellenwert noch gar nicht wirklich erkannt hat!).
Überall dort, wo noch immer die "Klassiker" die Vormachtsstellung haben, dürfte das Band der "oberen Zehntausend", die sich den Luxus des Spielens zeitlich und preislich leisten können (oder ihn sich aus Standesbewußtsein erlauben müssen) weit schmäler sein als in den deutschsprachigen Ländern. Ich wage auch zu behaupten: dort gibt es weniger demokratische Diskussionskultur, dort ist die Demokratie auf "Abstimmungsmessung" beschränkt. Vielleicht haben wir durch den Verlust des zweiten Weltkriegs (Gott sei Dank!) doch etwas dazugelernt, die vierte Dimension der Kommunikation: "des etwas miteinander Tuns", symbolisiert im "neuen Spielen" von "german games" ... Bildung statt Macht! Das macht Hoffnung ...

Außerdem: vielleicht geht es uns Mitteleuropäern wirklich zunehmend so gut, dass wir nicht jede Minute dem "Zeit ist Geld-Monster" opfern müssen oder, dass wir durch das viele Spielen erkannt haben, wie man in seinem Leben strategisch und taktisch das günstiger erwirtschaftet, wofür andere wirklich noch schuften ...

Diesen günstigen "kleinen Luxus" wollen wir uns natürlich erhalten ... hoffe ich ... Arno

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Erhard Portner

Grüße aus Barcelona... [JETZT OT]

Beitragvon Erhard Portner » 13. Oktober 2001, 19:45

Hi Ulrich,

da ich Deine Beiträge immer sehr schätze und ich den Eindruck habe, dass Du auch eine Menge Hintergrundwissen über Spiele hast, gestattest Du mir sicherlich mal eine private Frage. Wohnst Du schon lange in Barcelona und wie schafft man es, von dort aus so gut über die deutsche Spiele-Szene informiert zu sein? Ich hoffe, ich bin jetzt nicht zu neugierig; aber die Frage hat mich doch schon eine ganze Weile beschäftigt.

Herzliche Grüße aus Berlin
Erhard

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Roman Pelek

Zustimmung: Spiele SIND billig

Beitragvon Roman Pelek » 15. Oktober 2001, 02:02

Hi,

Volker spricht mir aus dem Herzen: Spiele sind in Deutschland erfreulich billig, auch wenn wir als verwöhnte Spieler gerne (und auch angesichts der Relationen berechtigt) über manche Preise oder dürftige, fehlerhafte oder reklamationswürdige Ausstattung und Regel mäkeln.

Ein normales "großes" Brettspiel kostet in Deutschland kostet zwischen 40 und 60 Mark. Dafür erhält man meist einiges an Material in Karten-, Stanzbogen sowie Plastik- oder Holzform plus der kreativen Leistung des Autors und Verlags. Der Nutzwert eines durchschnittlich guten Spiels, ich setze mal 6 unterhaltsame Partien a 120 Minuten mit enstprechendem Smalltalk drumrum an, sind 12h. Das sind merklich weniger als 5 Mark pro Stunde. Das ist nicht teuer. Geht man ins Kino, so kostet das meist 12-17DM für 90 Minuten + Werbung. In einer Kneipe versüsst man sich das Leben für 2h meist auch nicht unter 20DM. Essen gehen, oder ein Familienausflug sind meist deutlich teurer. Auch ein gutes Beispiel sind CDs: der reine Materialwert, den man für meist mehr als 30DM erkauft, sind ca. 70Pf., das sind fast ein Zehntel der Materialkosten eines durchschnittlichen Spiels! Hier bezahlt man also quasi "nur" den Künstler, das Studio, Label, Vertrieb + Marketing - und man braucht dazu, nicht zu vergessen, noch kostenintensive Sekundärmittel, um dem Polycarbonatpfannkuchen die notwendigen Töne zu entlocken. Und das ist allgemein akzeptiert, bei Spielen rümpft aber jeder die Nase, wenn das Material für den Preis etwas dürftig erscheint. Nach dem, was Autoren oder Redakteure für ihre Arbeit bekommen, fragt - leider - kaum jemand. Und dass das ganze in Kleinauflage kommt, erschwert die Sache zusätzlich...

Kurzum: Spiele sind billig, und das sollten wir nicht notwendigerweise abändern wollen - aber wir sollten es zu würdigen wissen. Und dass sie so billig sind liegt nicht in letzter Linie daran, dass die meisten Autoren ihre Sache alleinig aus Spass an der Freude machen, mehr als Anerkennung einer kleinen Gemeinschaft plus Unkostenerstattung ist da zu 90% nicht drin - die Hauptberufe sind anderswo angesiedelt.

Kurzum: das gehaltene, niedrige Preisniveau bei Spielen hier in Deutschland ist eher beachtlich, in einigen Punkten sogar kritikwürdig: für etwas mehr Sorgfalt bei der reaktionellen Bearbeitung und Regel sowie etwas üppigeres Material würde ich ab und an auch gerne mehr bezahlen. Kritik an groben Fehlern bei redaktioneller Arbeit, Spielspass oder Material bleiben davon aber unberührt. Für ein schlechtes Spiel, unverständliche Regeln oder defektes Material sind auch 10DM noch zuviel.

Ciao,
Roman

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Ulrich Roth

Re: Grüße aus Barcelona... [OT]

Beitragvon Ulrich Roth » 15. Oktober 2001, 03:19

Hallo Erhard,

> da ich Deine Beiträge immer sehr schätze

Dito! :))

> und ich den Eindruck
> habe, dass Du auch eine Menge Hintergrundwissen über Spiele
> hast, gestattest Du mir sicherlich mal eine private Frage.
> Wohnst Du schon lange in Barcelona

Kann man sagen (16 Jahre)...

> und wie schafft man es,
> von dort aus so gut über die deutsche Spiele-Szene informiert
> zu sein?

Ähem - durch die Spielbox natürlich! :wink: Ich bekomme sie immer mit ein paar Monaten Verzögerung bei meinen regelmäßigen Deutschlandbesuchen, aber dank diesem Forum weiß ich mittlerweile das Wichtigste schon lange vorher (es ist manchmal schon ein wenig traurig, mit welcher - wohl sachzwanghaften - Verspätung die eine oder andere Spielekritik in der Druckausgabe nachzulesen ist).

Saludos,
Ulrich

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Arno C. Hofer
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Beiträge: 421

Re: Wirklich billig

Beitragvon Arno C. Hofer » 15. Oktober 2001, 10:01

Roman Pelek schrieb:
>

... ich setze mal 6
> unterhaltsame Partien a 120 Minuten mit enstprechendem
> Smalltalk drumrum an, sind 12h. Das sind merklich weniger als
> 5 Mark pro Stunde. Das ist nicht teuer. Geht man ins Kino, so
> kostet das meist 12-17DM für 90 Minuten + Werbung. In einer
> Kneipe versüsst man sich das Leben für 2h meist auch nicht
> unter 20DM. Essen gehen, oder ein Familienausflug sind meist
> deutlich teurer.

Wen mir die Leute sagen "Spiele sind teuer" dann frage ich genau nach diesen Relationen - Kino, Essen gehen, Konzert, Sauf-Abend in der Kneipe - und meistens sehen die Leute dann ein, wie sie sich in ihrer Einschätzung, die glaube ich noch immer von der Vorstellung "Spielen ist nichts wert" dominiert wird, vertan haben: Erst, wenn man die Spielenden (nach einem Spiel) dann fragt, was sie in den letzen 2h erlebt, was sie da gesehen, gehört, empfunden haben, kommen sie d'rauf, dass sie persönlich Mittelpunkt eines Gesamtkunstwerks gewesen sind - und aktiv daran beteiligt. An diesem Punkt liegts auch: "warum soll ich so viel Geld dafür ausgeben, wenn ich erst die Spielregeln erarbeiten und dann so viel Zeit - in der ich (wirklich) nichts anderes tun kann - investieren muß, um mir dann eine Welt zu erschließen, die ich eigentlich nicht brauche... ", dann ist's in der Tat eine teure Zeit. Aber so spielt sich's doch in Wirklichkeit nicht ab. Wir bei "Ludovico" haben schon viele "Nichtspieler" zum Spielen verführt und sahen diese dann freudestrahlend heimgehen und bald wiederkehren. Das "Medium Spiel" (also die Kiste, das Material, die Spielanleitung) sind hierzulanden wirklich billig - aber viele scheuen (zu Unrecht) die "Folgekosten" - den Zeitaufwand und die Mühen, sich durch so manche Spielanleitung "zu quälen"...

Irgendwie müßte es uns doch gelingen, dem Spiel "einen echten Wert" zu geben: einen, den viele gern bereit sind, zu akzeptieren:so wie die Ausgaben für das Fitness-Studio, die Sport-Mode, das Tuning fürs Auto, die oder jene CD, den einen oder anderen Kneipenbesuch ...

Denn: wenn die Spielerschar größer wird ist auch mit mehr Nachfrage zu rechnen und die - derzeit, glaube ichs wirklich - unter ihrem tatsächlichen Wert verkauften Spiele (vorallem von Kleinverlagen) würden, dank höherer Auflage, sich auch wieder besser rechnen. (Insofern freue ich mich immer, wenn ein SDJ aus einem Kleinverlag kommt!) ... denn was gerade hier, auf dem Spielemarkt an (jahrelanger) Selbstausbeutung passiert, ist nicht gerade menschenwürdig. Aber: ist das in anderen Kunstrichtungen besser? Ist nicht gerade in der Musik, in der Malerei und der Dichtkunst der "tote Künstler der beste Künstler"? Macht nicht dann erst der Besitzer, die Galerie, der Tantiemenberechtigte großen Gewinn? Steigt der Wert mancher Objekte (wie auch der der Weine) nicht erst lange nach dem Entstehungsdatum? Doch die Anerkennung von Spieleautoren als Künstler (Name auf der Schachtel) ist gerade erst zehn, fünfzehn Jahre alt - aber ich hoffe, sie hat sich (dank des Vorkämpfers Reinhold Wittig und der Gründung der SAZ) jetzt endgültig durchgesetzt ...

Im Übrigen: ich würde es verstehen, wenn Spiele teurer würden - aber das lässt, nach dem vorher Gesagten der Markt nicht zu (für manche Konsumenten: Gott sei Dank!, für manche Autoren, Redakteure, Verlage, Zulieferer: zähneknirsch - denn die Letzten beißen die Hunde [Papierpreis-, Werkzeugkosten-, Logistikkosten-Erhöhungen, etc. - und Erlöseinbrüche]). Wie dieses Spiel heißt? Sparefroh! Aber würdet Ihr dieses Spiel kaufen?

Arno


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