Beitragvon Matthias Staber » 19. März 2002, 09:32
Holger schrieb:
>
> Hallo,
> schön, dass erste Eindrücke von den Neuheiten eintrudeln ?
> (Warte noch auf mein Adam-Paket und den Katalog......)
>
> Gibts noch weiter Eindrücke von Goldlan oder Piratenbucht ?
Ich habe Piratenbucht bisher viermal mit vier Mitspielern gezockt und dabei verschiedene Hausregeln bei der Bewegung Blackbeards ausprobiert. Mein Eindruck: Die offiziellen Blackbeard-Regeln gefallen mir nicht, die Hausregeln haben sich bewährt.
Zwei Varianten drängen sich auf:
Hausregel 1: Blackbeards Bewegung wird ausgewürfelt, nachdem alle Spieler ihre Schiffe navigiert haben. In der 12. Runde steht er immer auf der Schatzinsel. Er bewegt sich nach dem Schema:
3, 4, 5, 6 : vorwärts
2: bleibt stehen
1: rückwärts
Das ist die Evo-Wahrscheinlichkeitsverteilung und sie hat sich bewährt.
Hausregel 2: Gleiche Regeln, anderes Schema:
4, 5, 6: vorwärts
3: bleibt stehen
1,2: rückwärts
Diese Variante sorgt für noch mehr Unsicherheit und auch sie hat funktioniert. Welche man wählt, ist Geschmackssache: Mit dem Evo-Schema ist man näher an der Originalregel der Berechenbarkeit dran, mit Regel 2 wirds chaotischer.
(Eine weitere gute Hausregel möchte ich auch wiederholen: Haben zwei Spieler gleich viele Segel, schießen sie gleichzeitig.)
Die Einwände gegen Pratenbucht nun vorneweg: Die Regel ist nicht optimal gestaltet. Zwar ist sie schön ausführlich und mit vielen Illustrationen und Beispielen versehen. Doch gerade weil sie für dieses recht einfache Spiel ziemlich umfangreich geraten ist, verstehe ich nicht, dass sich einige wichtige Punkte nicht in ihr, sondern nur auf dem Übersichtsblatt finden (z.B. dass die "Neue Crew" Schiffsaufrüstungen verbilligt). Manche Dinge sind gar nicht geklärt (auf wen schießt Blackbeard bei Ruhmespunktegleichstand?) und anderes mehr.
Diese Punkte aus dem Weg geräumt, kann ich meinem ersten rundum positiven Eindruck von Piratenbucht freien Lauf lassen. Das Material ist wunderschön und schafft eine klasse Karibik-Atmossphäre. Das Spiel selbst ist ein lustiges Kanonengeballere mit einem recht hohen Glücksanteil, dass wegen der tollen Atmosphäre höllischen Spaß macht. Sicher: Es ist nichts für Grübel-Taktiker, das will es aber auch gar nicht sein: Es ist ein Fun-Spiel, dass man wegen der kurzen Spieldauer locker zweimal hintereinander zocken kann oder als Aufwärmung oder Füller einschieben kann. Und diesen Zweck erfült es ausgezeichnet für Leute, die einfach mal kurz die Kanonen rauchen lassen wollen und nicht schon wieder grübelintensiv und taktikverfeinert Mehrheiten bilden wollen oder irgendwas aufbauen wollen.
Das ist mein Eindruck nach vier Spielen, davon zwei nach den Hausregeln, bei denen ich bleiben werde. Wie's um den Langzeitspielreiz bestellt ist, kann ich natürlich noch nicht sagen, ich könnte mir aber vorstellen, dass ich immer mal wieder gerne eine Partie zwischendurch einschieben werde, zumal von der geringen Komplexität, kurzen Spieldauer und vom stimmigen Ambiente her Piratenbucht das Potenzial hat, Gelegenheitsspieler an den Tisch zu locken.
Mein Fazit also: Kein abendfüllender Strategiehammer, aber spaßiges Karibik-Treiben.
Matthias