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Spielstrategie

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Twob

Spielstrategie

Beitragvon Twob » 8. Oktober 2002, 17:01

Hi,

kann mir jemand eine allgemeine Einführung zu Spieltaktiken empfehlen?
(gern auch mit mathematischem/statistischen Hintergrund, worauf wird z.B. bei der Ausbalancierung von Regeln und Mechanismen geachtet, wie lernt man logische und effektive Entscheidungen zu treffen)

viele Grüße
Twob

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Kathrin Nos
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RE: Spielstrategie

Beitragvon Kathrin Nos » 8. Oktober 2002, 17:37

Hallo Twob,

"Twob" hat am 08.10.2002 geschrieben:
> kann mir jemand eine allgemeine Einführung zu Spieltaktiken
> empfehlen?
> (gern auch mit mathematischem/statistischen Hintergrund,
> worauf wird z.B. bei der Ausbalancierung von Regeln und
> Mechanismen geachtet, wie lernt man logische und effektive
> Entscheidungen zu treffen)

Geht es Dir hier um die Entwicklung eines Spiels? Oder bist Du mehr allgemein daran interessiert, wie man als Spieler über seine taktischen Züge entscheidet? Im ersteren Fall kann ich persönlich Dir wohl nicht weiterhelfen... Im letzteren Fall fände ich es recht schwierig, eine allgemeine Aussage zu treffen, denn jedes Spiel ist da wohl anders (sonst wäre es ja auch eher langweilig).

Allgemein könnte man vielleicht folgende Aspekte formulieren. Ein wichtiger Punkt ist bei einem Spiel sicher, dass man überhaupt erkennt, welche Komponenten den Spielverlauf mit welchem Gewicht bestimmen, und wie man selbst darauf Einfluss nehmen kann. Welche taktischen Entscheidungen man dann wiederum trifft, kann auch davon abhängen, welche Ziele (z.B.: Spiele ich auf Sieg? Oder auf Plazierung? ...) man verfolgt, und wie die Mitspieler reagieren (weder das eine noch das andere ist zwangsläufig logisch ;-) ). Mit mathematischem/statistischem Ansatz kann man u.a. situationsbezogen reagieren, z.B. um bei Versteigerungsspielen abzuschätzen, wieviel ist das zu versteigernde Objekt eigentlich überhaupt wert, bzw. was bringt es mir. Das ist aber nur ein Beispiel unter sehr vielen...

Vielleicht könntest Du noch etwas detaillierter beschreiben, was genau Dich zum Thema Spielstrategie interessiert?

Alles Gute wünscht
Kathrin.
Spielerin, früher auch Rezensentin

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friedemann
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Re: Spielstrategie

Beitragvon friedemann » 8. Oktober 2002, 18:19

Ich empfehle Dir von

László Mérö: Spieltheorie und die Psychologie des Handelns

erschienen bei rororo in der Reihe Science Sachbuch; 2000 ca. 10 Euro.

Da findest Du heraus, daß es zwar einen schönen mathematischen Hintergrund gibt, aber die Psychologie eine große Rolle spielt. Das ist ja selbst beim Schach unbestritten.

Wenn Du allerdings herausfinden willst mit welcher Wahrscheinlichkeit welcher Zug am sinnvollsten ist, kannst Du auch gleich aufhören zu spielen und Deine Entscheidungen auswürfeln.

friedemann

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Twob

RE: Spielstrategie

Beitragvon Twob » 8. Oktober 2002, 18:40

Hallo Kathrin,

danke für Deine Antwort und Du hast Recht, das Posting war unklar. Mich interessiert sowohl die Entwicklung als auch der Ablauf von Spielen, wobei mich vor allem fasziniert, was ein intelligentes und spaßiges Spiel ausmacht, wie man als Spieler den Zugang findet und Strategien ausbildet. Obwohl jedes Spiel ( mehr oder weniger :) unterschiedlich ist, finden erfahrene Spieler schneller einen Zugang zu Neuheiten als Gelegenheitsspieler, man lernt also mit der Zeit gewisse Mechanismen. Deswegen suche ich nach den Zusammenhängen, die einen "guten" Spieler ausmachen, und inwiefern sich dies überhaupt verallgemeinern läßt. Gibt es Spielertypen? Ich finde diese Thematik faszinierend und wüßte daher gerne, ob es Erfahrungsberichte gibt, wie man "spielen lernt".

viele Grüße,
Fabian

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Jürgen Simon

RE: Spielstrategie

Beitragvon Jürgen Simon » 9. Oktober 2002, 10:01

Also zum Thema Spiel erfinden kann ich nur folgendes sagen:

Derjenige der einen neuen Spielmechanismus erfindet, der gut greift und Spass macht, steht auf der Erfolgsseite:-)

Wenn ich das mal so knapp formulieren darf...

Gruss
Jürgen.

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Stephan Zimmermann

Re: Spielstrategie

Beitragvon Stephan Zimmermann » 9. Oktober 2002, 10:28

friedemann schrieb:

> Wenn Du allerdings herausfinden willst mit welcher
> Wahrscheinlichkeit welcher Zug am sinnvollsten ist, kannst Du
> auch gleich aufhören zu spielen und Deine Entscheidungen
> auswürfeln.

???

Aber nur dann weil es dir als Mitspieler dann zu dumm wird beim Warten oder? :-D
Ansonsten ist Auswürfeln und den Sinnvollsten Zug zu ermitteln
sicher das Gegensätzlichste das man tun kann.

Stephan

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Kathrin Nos
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RE: Spielstrategie

Beitragvon Kathrin Nos » 9. Oktober 2002, 10:37

Hi,

"Jürgen Simon" hat am 09.10.2002 geschrieben:
> Derjenige der einen neuen Spielmechanismus erfindet, der
> gut greift und Spass macht, steht auf der Erfolgsseite:-)

Das ist ja wohl eine Trivial-Aussage!
Ob das Fabian hilft?

"Twob" hat am 08.10.2002 geschrieben:
> Mich interessiert sowohl die Entwicklung als auch
> der Ablauf von Spielen, wobei mich vor allem fasziniert,
> was ein intelligentes und spaßiges Spiel ausmacht, wie man
> als Spieler den Zugang findet und Strategien ausbildet.

Für mich macht ein intelligentes und spassiges Spiel aus, dass es verschiedene Möglichkeiten besitzt, Einfluss zu nehmen und strategische und taktische Entscheidungen zu treffen. Ein sehr gutes Beispiel ist natürlich Puerto Rico (PR) - lies mal (mit etwas Musse, weil es mittlerweile so viele sind ;-) ) die vielfältigen Diskussionen über Siegstrategien - und die meisten funktionieren. Diese Vielschichtigkeit macht einen sehr grossen Reiz von PR aus. Ein schlechtes Spiel ist eines, bei dem man 'gespielt' wird, wo man also so wenige Entscheidungsmöglichkeiten hat, dass man sozusagen den Sieg (oder die Niederlage) nicht oder nicht genügend in der eigenen Hand hat, und die immer nach dem gleichen Schema ablaufen.

> Obwohl jedes Spiel ( mehr oder weniger :) unterschiedlich
> ist, finden erfahrene Spieler schneller einen Zugang zu
> Neuheiten als Gelegenheitsspieler, man lernt also mit der
> Zeit gewisse Mechanismen.

Ich glaube, das ist einfach die Sache, dass Vielspieler viel mehr daran gewöhnt sind, neue Regeln zu lernen, und Strategien zu übertragen. Auch das Regellesen, -erklären, -interpretieren und -verstehen ist eine ziemliche Übungssache, finde ich. Darüber gibt es hier schon relativ viele Threads, daher schlage ich Dir vor, einfach mal ein wenig im Archiv zu schmökern.

> Deswegen suche ich nach den
> Zusammenhängen, die einen "guten" Spieler ausmachen, und
> inwiefern sich dies überhaupt verallgemeinern läßt. Gibt es
> Spielertypen?

Sicher! Ich persönlich würde das ein bisschen daran festmachen, wie ernst und verbissen jemand das Spielen nimmt. Ich persönlich mag halt lieber eine lockere Herangehensweise, die den Spass am Spielen nicht dem unbedingten Sieggedanken unterordnen. Zum Glück teilen dies die allermeisten Mitspieler, die ich kenne :-) .

> Ich finde diese Thematik faszinierend und
> wüßte daher gerne, ob es Erfahrungsberichte gibt, wie man
> "spielen lernt".

Jetzt auch von mir eine Trivialaussage ;-) - Spielen lernt man durch Spielen! Ich spiele ja nicht, weil ich eine gute Spielerin werden will und eine gute Siegquote haben will, sondern weil es mir Spass macht, und es mir gefällt, in die Themen einzutauchen, mir geschickte Taktiken und Strategien auszudenken etc.

Alles Gute wünscht
Kathrin.
Spielerin, früher auch Rezensentin

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Marten Holst

RE: Spielstrategie

Beitragvon Marten Holst » 9. Oktober 2002, 11:26

Moinle Stefan,

>> Wenn Du allerdings herausfinden willst mit welcher
>> Wahrscheinlichkeit welcher Zug am sinnvollsten ist, kannst Du
>> auch gleich aufhören zu spielen und Deine Entscheidungen
>> auswürfeln.
>
> ???
>
> Aber nur dann weil es dir als Mitspieler dann zu dumm wird
> beim Warten oder? :-D
> Ansonsten ist Auswürfeln und den Sinnvollsten Zug zu
> ermitteln
> sicher das Gegensätzlichste das man tun kann.

Klares Jein. Bei Spielen wie Schach (vollständige Information, kein Zufallsfaktor) gibt es sicher (mindestens) einen theoretisch optimalen Zug, den man ohne Würfel nehmen sollte. In dem Moment, in dem Bluffelemente hinzukommen (und das betrifft praktisch alle Spiele mit verdeckter Kartenhand und ähnlichem) ist fast immer eine so genannte "randomisierte" Strategie optimal, damit Dein Gegner nicht aus Deinen Aktionen über Deine Möglichkeiten zu viele Informationen sammelt (stark verkürzte Version). Und randomisieren tut man am besten über einen echten Zufallsgenerator, zum Beispiel über den guten alten W6...

Würfelförmige Grüße
Marten (selten sinnvoll)

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friedemann
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Re: Spielstrategie

Beitragvon friedemann » 9. Oktober 2002, 12:20

Ein Ergebnis der Spieltheorie ist, daß das Rationalste, was man in bestimmten Spielsituationen tun kann, die Entscheidungen mit Wahrscheinlichkeiten zu belegen und dann den Zufall entscheiden zu lassen.

Das mag zwar absurd klingen ist aber mathematisch völlig korrekt und im normalen Leben durchaus sinnvoll.

friedemann


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