Beitragvon ralf rechmann » 21. Oktober 2002, 16:28
> hallo Vielspieler, vielleicht hatte ja der ein oder die
> andere schon Gelegenheit die 400000 Figuren auszustanzen und
> Civilization-The Boardgame tatsächlich zu spielen.
Bei uns waren es in 2-Team-Arbeit gute 4 Stunden. Dafuer sind jetzt auch alle Miniaturen komplett suaber entgratet und sortiert eingetuetet. Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt, ...
> Meine Frage daher - habt ihr ähnliche oder andere Erfahrungen
> gemacht und wie gut kam es letztlich bei euch an?
Wir haben es einmal zu Zweit und dann in Dreierbesetzung gespielt.
Das Zweierspiel war eher mehr ein Probespiel mit Regelstudium, da es doch etliche Fallstricke und Regelunklarheiten gibt. Nach 4 Stunden waren wir in der Mittelalter Epoche angekommen und haben dann das Spiel abgebrochen, weil wir im Vorfeld zu viele Regeln falsch ausgelegt hatten. Genrell funktioniert das Spiel mit nur 2 Spielern, allerding fällt die Handelsphase dann komplett weg, weil warum sollte ich meinem einzigen Gegner einen Vorteil einraeumen wollen?! Auch ist auf dem Spielplan zu viel Platz, auf jeden Fall ausreichend, dass man sich nicht ungewollt in die Quere kommt. Fazit: Es ist spielbar, aber für 2 Spieler gibt es eindeutig bessere Spiele, die mehr auf die Spielerzahl 2 zugeschnitten sind. Zum Kennenlernen der Regeln und antesten von neuen Spielstrategien reicht es aber und nur desshalb würde ich es auch wieder in dieser Besetzung spielen wollen.
Nachdem wir jetzt alle Regeln sortiert hatten starteten wir eine Partie mit 3 Spielern. Die lief weitaus fluessiger und war nach gut 5 Stunden mit dem militärischen Sieg tief in der Mittelalter Epoche beendet. Da haben sich auch die Probleme des Spiels gezeigt: Wer einen schlechten Spielstart erwischt und auch in der Folge nur mässig Glück hat, kann noch so toll taktisch planen, gewinnen kann man aber nicht. Ursache sind die Civi-Marker, die die eigenen Siedler beim Erkunden der Landflächen aufdecken. Rohstoffe bringen auf Dauer und jede Runde Gold, leere Felder oder Wüsten oder Pestfelder sorgen für leere Kassen. Eigentlich sollte sich das Entdecker-Glück im Laufe der Partie ausgleichen, war aber bei uns nicht der Fall. Einer (warum eigentlich immer ich?) hat im ganzen Spiel nur 2 oder 3 Rohstoff-Felder gefunden, während die Anderen von Edelsteinen und Wein (bringt weitere Vorteile, weil die Bevölkerung automatisch glücklich ist!) nur so überschüttet wurden.
Die Reichen werden immer reicher, können sich neue Technologie kaufen, die wiederum Boni für den Käufer bringen, die in einen goldwerten Vorteil umgesetzt werden können. Mit wenig Gold im Rücken kann man weniger neue Siedler kaufen, damit nicht so schnell die Welt erforschen, um neue Rohstoff-Felder zu finden. Dann reicht das Gold für die ärmeren Spieler kaum für die Verteidigung, wobei man eher auf die Gnade der Mitspieler angewiesen ist und sowieso nicht als Bedrohung angesehen wird. Von teuren Technologien kann man nur träumen während andere Spieler die serienweise aufkaufen.
Da hilft nur ein Zweckbündnis der ärmeren Spieler untereinander, was aber in der Partie zu Dritt an den fehlenden Mitspielern gescheitert ist. Die beiden reichen Spieler hatten kein Interesse an irgendwelchen Tauschgeschäften, man hatte ja kaum was anzubieten, was von Interesse gewesen wäre. Da hilft es nur auf das Glück beim Würfelwurf auf den "kritischen Rohstoff" zu hoffen, der mit 15 Gold das Staatsvermögen schon einmal verdoppeln kann. Wer aber hier mehr verschiedene Rohstoffe hat (und das haben die glücklichen & damit reichen Spieler), hat auch grössere Chancen diesen kritischen Rohstoff selbst zu besitzen und damit noch reicher zu werden.
Generell ist das zufällige Entdecken von Landfeldern ja ganz spannend, kann das Spiel aber für Spieler mit unglücklichen Händchen in den ersten Spielrunden völlig wegkippen lassen. Hier sollte man an den Regeln nachbessern. Es gibt ja schon den Vorschlag, alle Startsiedler auf Rohstoff-Felder beginnen zu lassen. Aber auch in der Folge sollte das Glück etwas abgemildert werden.
Abgesehen von dem nicht unerheblichen Einfluss des Zufalls ist das Spiel wirklich gelungen. Man muss den rechten Grad zwischen militärischer Aufrüstung (ein geschlossenes Gebiet mit wenigen Grenzen zu potentiellen Feinden hilft viel!) und Erwerb von neuen Technologien sowie Stadtausbauten finden. Das macht das Spiel spannend und vielschichtig, weil es viele Technologie zu erforschen (=kaufen) gilt, die wieder die unterschiedlichsten Boni geben. Das Kampfsystem ist einfach, schnell und tödlich und kostspielig für beide Seiten.
Je mehr Mitspieler dabei sind, desto mehr gewinnt das Spiel selbst an Facettenreichtum. Die Dominanz eines einzelnen Mitspielers kann man durch Bündnisse und Handelsabsprachen dann besser brechen und das Spiel sollte insgesamt ausgewogener ablaufen. Ich freu mich schon auf meine erste Partie in Maximalbesetzung! :-)
Fazit: Vor dem Spiel muss man sich unbedingt auf Regelauslegungen einigen und gegenfalls an einigen Stellen nachbessern, damit die Spielbalance besser wird. Dann muss man mit einer tagesfüllenden Spielzeit rechnen, wenn man wirklich alle Epochen erleben möchte. Und einen grossen Spieltisch sollte man ebenfalls besitzen bei der Plangrösse von 92 x 120 cm !
Bye
Ralf Rechmann