Anzeige

[Kickstarter] Lunarchitects: Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Verspielte Crowdfunding-Projekte
Benutzeravatar
Lehni
Kennerspieler
Beiträge: 339

[Kickstarter] Lunarchitects: Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon Lehni » 8. Dezember 2015, 23:23

Lunarchitects ist ein Glen More mit anderem Thema und noch ein paar anderen kleinen Änderungen. Aber im wesentlichen gleich. Das Spiel ist funded, um das solls hier auch nicht gehen. Hier der Link zu Kickstarter Kampagne falls es jemand interessiert:
https://www.kickstarter.com/projects/12 ... escription

Interessant ist die Geschichte rundherum, nachzulesen hier:
https://www.boardgamegeek.com/thread/14 ... ect/page/1

Ich mach aber mal die Kurzfassung:
Der Autor von Lunarchitects Cunningham ist Fan von Glen More, will aber Thema und andere Kleinigkeiten ändern und eine Kickstarter Kampage starten. Das Spiel ist in USA angeblich nicht mehr erhältlich. Er fragt dazu den Autor von Glen More Cramer ob das ok sei. Antwort: Von ihm aus ja, aber die Rechte liegen bei Ravensburger. Er wünscht viel Glück und bittet um ein Spiel wenn es fertig ist aber auch um laufende Infos. Cunningham schickt im Juni noch die Anleitung, startet dann die Kickstarterkampagne und 3 Tage vor Schluß, als die Kampagne auf der Kippe steht meldet sich Cramer und sagt, dass er dem Spiel nicht mehr sein OK gibt. Manche ziehen sich aus der Kampagen zurück weil sie glauben, dass das Spiel nun rechtliche Probleme bekommen wird. Dann, 1 Tag später setzt sich der Ärger gegen Cramer durch, weil er seit Juni die Anleitung hat, aber nie was gesagt hat und erst 3 Tage vor Schluß mit seiner Aussage die Kampagen torpediert und dazu noch ein Update zu Glen More ankündigt. Aus dieser Solidarisierung für Cunningham heraus ist das Spiel in 3 Tagen durch die Decke geschossen und von 26k auf 40k gestiegen.

Diese Geschichte hat mehrere interessanten Facetten, eine wäre zum Beispiel: Hier wird ein Spiel zu sagen wir 95% kopiert. Und eigentlich sagen die meisten, dass sei legal - zumindest in USA. Bei uns in D auch? Warum ist das so, dass man Spiele kopieren kann. Kann man doch bei Musik auch nicht?
Zuletzt geändert von Lehni am 9. Dezember 2015, 11:52, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
MatthiasC
Kennerspieler
Beiträge: 357

Re: Lunarchitects (KS): Neue Version von Glen More

Beitragvon MatthiasC » 9. Dezember 2015, 08:20

Das ist nicht ganz richtig. Es geht darum, dass er neben meinem Einverständnis auch das Einverständnis des Verlags gebraucht hätte. Schließlich ist Ravensburger der alleinige Inhaber der Rechte. Dieses Einverständnis liegt nicht vor (ich kenne die komplette Korrespondenz). Mein "okay", das ich nicht zurückgezogen habe, ist damit erst mal irrelevant.

Der Rest dieser "Diskussion" besteht aus wilden Spekulationen von Unbeteiligten. Man könnte jetzt das obligatorische Mario-Barth-Zitat bringen.
Wer keine Lust hat, die 11 Seiten zu lesen, hier eine Zusammenfassung
https://boardgamegeek.com/article/21142133#21142133

Benutzeravatar
Lehni
Kennerspieler
Beiträge: 339

Re: Lunarchitects (KS): Neue Version von Glen More

Beitragvon Lehni » 9. Dezember 2015, 11:39

Juristisch: Da sagen eigentlich alle dort drüben, dass trotz 95% Ähnlichkeit kein juristisches Problem besteht. Insofern müsse man keine Erlaubnis einholen. Ist das nur in USA so oder auch bei uns?

Moralisch: Die Spiele-Community ist gut vernetzt und Lunarchitects ist ein Lieberhaberprojekt: Das Spiel in USA nicht mehr am Markt, Sci-Fi Thema rauf und andere kleine Veränderungen. Aber ein Plagiat würde den Zorn der Community heraufbeschwören. Deshalb wurde Cramer als Autor von Anfang an gefragt und nur wegen seinem OK wurde es umgesetzt.

Die Juristische Seite finde ich schon bedenklich. Warum soll man ein Spiel nicht schützen können? Man liest es überall aber mir will das nicht in den Kopf. Oder wird vielleicht übertrieben und bei 95% Ähnlichkeit könnte man doch juristisch vorgehen?

Benutzeravatar
widow_s_cruse
Kennerspieler
Beiträge: 935
Wohnort: Bad Aibling
Kontakt:

Re: Lunarchitects (KS): Neue Version von Glen More

Beitragvon widow_s_cruse » 9. Dezember 2015, 11:57

Hallo,

ohne das ich mir jetzt die Diskussion angetan hätte. Ich verstehe die Bedürfnisse nicht ganz. Der Autor hat für den amerikanischen Markt die Rechte an dem Spiel an einen Verlag vergeben.

Was soll der dann in dem Fall noch freigeben?

Wenn das Spiel am Markt nicht verfügbar ist, bedeutet es eigentlich nicht, dass die Rechte an dem Spiel für den Verlag verfallen sind. Dafür dürfte wohl im Vertrag des Autors ein Terminus vorliegen. Oder?
Liebe Grüße
Nils
83043 brettspielgruppe aiblinger zockerbande facebook

Benutzeravatar
Lehni
Kennerspieler
Beiträge: 339

Re: Lunarchitects (KS): Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon Lehni » 9. Dezember 2015, 12:15

Juristisch gesehen hat der Autor in diesem Fall nichts zu sagen. Aber juristisch gesehen meinen einige, dass selbst 95% Ähnlichkeit keine Lizenz/Zustimmung bedürfen. Moralisch sieht es anders aus. Cunningham, der Autor von Lunarchitects, will ja kein Geld verdienen und hätte Cramer nicht sein OK gegeben, es hätte das Spiel wohl nicht gegeben.

Benutzeravatar
peer
Kennerspieler
Beiträge: 193

Re: Lunarchitects (KS): Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon peer » 9. Dezember 2015, 17:42

"ber juristisch gesehen meinen einige, dass selbst 95% Ähnlichkeit keine Lizenz/Zustimmung bedürfen. "
Das heißt ja nicht dass das stimmt. Bei dem Spiel handelt es sich um eine Bearbeitung eines Werkes. Und bei einer Bearbeitung bedarf es der Zustimmung des Rechteinhabers. Das gilt im Übrigen auch in den USA.

Beispiel aus einem anderen Bereich: Das Buch mit den Regeln der Ferengi, dass im wesentlichen aus Zitaten der Serie besteht war eine solche Bearbeitung. Auch kann ich nicht z.B. die Ereigniskarten aus Monopoly austauschen und Monopoly mit der Frei-Parken-Hausregel ohne Erlaubnis auf den Markt bringen.

Erst wenn die Bearbeitung so weit geht, dass sie ein neues Werk entsteht (im Obenstehendem Beispiel z.B. eine inhaltliche Kritik zur Serie oder ein komplett anderes Spiel, das denselben Kernmechanismus verwendet), ist die Sache in Ordnung - auch wenn man hier zumindest den Autor um Erlaubnis fragen sollte, der Höflichkeit wegen. Aber wo das eigenständige Werk anfängt ist natürlich nicht immer ganz eindeutig. Aber wenn das Spiel zu 95% dasselbe ist und nur Kleinigkeiten geändert wurden, handelt es sich wohl um eine Variante und damit um eine Bearbeitung. Und diese Bedarf der Zustimmung des Rechteinhabers.

(Erinnert mich an die Isernhagen - Law - Folge mit dem "Eierschalenfarbenen Wal")

Benutzeravatar
peer
Kennerspieler
Beiträge: 193

Re: Lunarchitects (KS): Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon peer » 9. Dezember 2015, 19:30

Noch eine Ergänzung: Auch wenn der Autor mit dem Spiel kein Geld verdienen möchte, ist eine Kickstarter-Kampagne ja nun ganz klar eine nicht-private Nutzung. Und dafür hat er die Rechte nicht.
@Nils: Ja, normalerweise steht im Vertrag klar drin, wann der ausläuft.

Benutzeravatar
Günter Cornett
Kennerspieler
Beiträge: 157

Re: Lunarchitects (KS): Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon Günter Cornett » 9. Dezember 2015, 19:57

Es gibt eine ganze Reihe von Aspekten, sowohl hinsichtlich US-amerikanischem Copyright als auch kontinentaleuropäischem Urheberrecht.

Im US-Recht kenne ich mich nicht aus. Mir wurde mal gesagt, dass es legal sei, einen Roman mit eigenen Worten nachzuerzählen und das zu veröffentlichen, weil grundsätzlich nicht der Inhalt geschützt sei, sondern nur die konkrete Formulierung. Ich weiß nicht, ob das eine Legende ist (wie hierzulande die der 7 Privatkopien, die man machen dürfe), oder ob das stimmt. Möglicherweise kann sich auch jemand nur nicht vorstellen, dass der persönliche Ausdruck eben auch in der Gestaltung der Handlung liegen kann. Generell sieht es aber wohl eher schlecht aus mit Urheberrecht von Spielregelwerken in den USA: http://www.copyright.gov/fls/fl108.html

Dennoch ist auch eine (digitale) Umsetzung von HTMF in ein anderes Thema vom US-Markt genommen worden. Ob dafür juristische Gründe vorlagen oder sich jemand geärgert hatte, dass ihm ein bekanntes Spiel mit anderem Thema untergejubelt wurde, weiß ich nicht.

Kickstarter ist ein weltweites Angebot. Da lässt sich - zumindest solange TTIP noch nicht gilt - vielleicht schon einiges machen, um Urheberrechtsverletzungen nach deutschem Recht zu beenden. Wird Ravensburger da nicht aktiv?

Was das Urheberrecht von Spielregelwerken in Deutschland betrifft, so gibt es hier sehr viel unterschiedliche Aussagen. Verwirrung hat da leider auch die SAZ geschafft, die das Urheberrecht von Spielen nicht ausreichend im Gesetz geschützt sieht: http://de.trictrac.net/news/bmjv-keine- ... lung-notig


Sache ist: Das Urheberrecht schützt ganz generell Werke ausreichender Individualität. Ist das abstrakte Regelwerk ausreichend individuell, gilt der Urheberrechtsschutz. Es kommt - anders als die SAZ behauptet - nicht darauf an, ob es funktioniert oder einen Unterhaltungswert bietet. Ja, der Schutz erstreckt sich auch auf langweilige Spiele mit Design-Fehlern. Es geht um Individualität, um Unterscheidung zu anderen Spielen. Das Thema mag dabei eine Rolle spielen, i.A. kommt es auf das abstrakte Regelwerk an. Darin liegt das eigentliche Werk. Siehe auch: http://www.reich-der-spiele.de/specials ... n-Aussagen

Die Frage, die man stellen muss, ist:
Hat das Spiel eine ausreichende Schöpfungshöhe?
Wenn ein Werk eine gerade noch ausreichende Schöpfungshöhe hat, dann ist nur die konkrete Fassung geschützt. Bearbeitungen durch Dritte sind erlaubt und ergeben ein neues Werk.

Ansonsten hat der Autor das Recht, darüber zu entscheiden, ob Varianten oder Bearbeitungen veröffentlicht werden dürfen.
Als Variante bezeichne ich kleine Änderungen, die kein eigenes Recht des Varianten-Erstellers begründen.
Bearbeitungen hingegen haben eigene urheberrechtliche Bedeutung. Erlaubt der Urheber einem anderen das Recht auf Bearbeitung, so haben diese dann gemeinsam das Recht an dem neu geschaffenen Werk.

Wo die Grenzen sind, lässt sich nur schwer beurteilen, weil es da wenig Fälle gibt:

Keine Schöpfungshöhe - Werk geringer Schöpfungshöhe (kleine Münze) - individuelles Werk
Kopie - Variante - urheberrechtlich relevante Bearbeitung - erlaubte freie Benutzung (Inspiration) - völlig anderes Werk

Ich hab da vor längerer Zeit mal einen Vorschlag gemacht, wie man sich dem nähern könnte:
http://www.reich-der-spiele.de/specials ... iedsstelle

Mein Rat an die Beteiligten: Eine Reihe von Personen ansprechen, denen allseits vertraut wird.
Das geht natürlich nur, wenn sich die andere Seite nicht auf US-Recht beruft; in diesem Fall läge es wohl bei der Ravensburger Rechtsabteilung (und dem Autor) die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, die der Umstand bietet, dass Kickstarter weltweit ist. Hier wäre dann auch Eile geboten.
Im alten spielbox-Forum über mehrere Jahre gesperrt wegen Ankündigung eines Links auf https://boardgamegeek.com/thread/701349 ... rong-cover

Benutzeravatar
Lehni
Kennerspieler
Beiträge: 339

Re: Lunarchitects (KS): Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon Lehni » 10. Dezember 2015, 16:46

Ich bin ja sehr gespannt ob da geklagt wird. Ob Ravensburger aktiv wird? Keine Ahnung. Aber so wie da drüben allerseits geschrieben wird, sei diese 95% Kopie überhaupt kein Problem.

Benutzeravatar
Günter Cornett
Kennerspieler
Beiträge: 157

Re: Lunarchitects (KS): Kopie von Glen More - Die Geschichte dazu

Beitragvon Günter Cornett » 10. Dezember 2015, 17:03

'Drüben' vergisst 'man' mitunter, dass US-Gesetze nicht auf der ganzen Welt gelten. Kickstarter aber ist ein weltweites Projekt.
Im alten spielbox-Forum über mehrere Jahre gesperrt wegen Ankündigung eines Links auf https://boardgamegeek.com/thread/701349 ... rong-cover


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google Feedfetcher und 1 Gast