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Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

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SpieLama
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Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon SpieLama » 5. November 2018, 23:41

Es folgt eine Pressemitteilung von Amigo.

Amigo hat geschrieben:Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter
Dietzenbach, 05. November 2018. Seit einigen Tagen ist auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Kampagne für das Kartenspiel Crypto Cartel zu finden. Auch wenn der Autor und Kampagnen-Verantwortliche mittlerweile eingeräumt hat, dass er sich von Bohnanza hat „inspirieren“ lassen, zeigt das dort beschriebene Spiel nicht nur eine Verwandtschaft oder Inspiration, sondern 1:1 den Spielmechanismus von Bohnanza.

Wann kann man bei einem Spiel von einer reinen Inspiration und wann von einem Plagiat sprechen? Einen bestehenden Mechanismus aufgreifen, neu interpretieren, abwandeln und weiterentwickeln, das findet man in der Spielebranche immer wieder. Und sofern sich ausreichende Unterschiede zwischen Original und Adaption finden lassen, ist dies kein Grund für einen Autor oder Verlag aktiv zu werden. Wenn jedoch wie im Fall von Crypto Cartel der komplette Spielablauf, inklusive Regeln für Handkarten, Kartenablage und Punkteberechnung (um nur einige zu nennen) ohne signifikante Änderungen übernommen werden, müssen wir als Verlag, der Bohnanza 1997 herausgebracht hat und seitdem vertreibt, unsere Stimme erheben:

Für das Gedankengut von Autoren wie Uwe Rosenberg, der wie viele andere seiner Zunft seit über 20 Jahren Spiele entwickelt. Für alle kreativen Köpfe, die davon und dafür leben, mit außergewöhnlichen Ideen neue Spielewelten zu erschaffen und die auch bereits existierende Spielmechanismen in ein komplett neues Spiel verwandeln können.

All das ist bei Crypto Cartel nicht zu finden. Es ist keine Abwandlung, kein Neuerschaffen, sondern die komplette Übernahme eines bereits etablierten und erfolgreichen Spiels, das lediglich durch Aktionskarten erweitert wurde. Das ist für uns keine Inspiration, sondern ein Plagiat.

Daher appelliert Amigo an alle Kampagnen-Unterstützer und Spielefans da draußen, sich einmal selbst zu fragen, ob sie solche dreisten Aneignungen von Ideen anderer wirklich unterstützen oder auch nur dulden wollen. Wir sind der Meinung, dass am Ende Spieleautoren wie Uwe Rosenberg, die jahrelang an ihren Spielen arbeiten und von ihren Ideen leben, den Schaden davon tragen.

Abgesehen davon finden wir es einem Autor und seinem Werk gegenüber im höchsten Grade respektlos, sich ohne vorherige Kontaktaufnahme und Einverständnis, sogar ohne einen öffentlichen Hinweis auf den Ursprungsautor, seiner Ideen zu bedienen.

Gegenueberstellung_Bohnanza_CryptoCartel_1.JPG
Foto: Amigo
Gegenueberstellung_Bohnanza_CryptoCartel_1.JPG (155.73 KiB) 948 mal betrachtet

Gegenueberstellung_Bohnanza_CryptoCartel_2.JPG
Foto: Amigo
Gegenueberstellung_Bohnanza_CryptoCartel_2.JPG (162 KiB) 948 mal betrachtet

Die Kickstarter-Kampagne findet ihr unter https://www.kickstarter.com/projects/an ... tpo-cartel. Andy Mažeika schreibt dort.

Andy Mažeika hat geschrieben:I thought of a lot of the games that I loved, and I noticed that I enjoyed economy games and Deck Building Games. I focused on making a card game because of how much I enjoyed the trading aspect of games like "Bohnanza," but I also wanted to incorporate some fun elements from other Deck Building Games that I loved, including DC Deck Building. And this is how I ended up with "Crypto Cartel."

Andy Mažeika schreibt außerdem in den Kommentaren.
Andy Mažeika hat geschrieben:I engaged the market on this throughout the development of my game - so this is the result of a year long process that included inputs from so many people, including countless strangers and conversations on BoardGameGeek.com.

Last I checked, there were no AI/Non-Player Character components in Bohnanza just like there were no “Take-That” mechanics either.

Plus I created the Silk Road deck to completely play into the theme of the Black Market.

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SpieLama
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon SpieLama » 6. November 2018, 23:39

Auch auf BGG wird das Thema diskutiert. Andy Mažeika schreibt dort unter https://www.boardgamegeek.com/thread/20 ... nza/page/2.

[...] At no point during this process has any representative from Amigo Games made any attempts to communicate with me to clarify anything about my game and any assumed similarities between "Crypto Cartel" and "Bohnanza."

They have showed no interest in partnering over any issues they have brought up in their statement, but rather to blatantly smear my name, my game, and my brand over the limited information they chose to observe.

I never had any intent to enter the marketplace and disrupt or cause harm to their business, their brand or "Bohnanza" itself; but clearly they have chosen to go after a new game developer who is simply trying to make a living based on limited investigative methods.

While I do share mechanics that do exist in Bohnanza, there are several mechanics and dynamics that are in my game and not in the former's.

I've already offered the liveplay video (see above), which effectively demonstrates the differences between my game (-- actually, gameS <-- Plural (short game versus long game)) and "Bohnanza." [...]

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Günter Cornett
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Günter Cornett » 12. November 2018, 13:36

Ich denke, es ist schwierig, nur anhand der Spielanleitung zu beurteilen, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Für ein sicheres Urteil muss man beide Spiele im Vergleich spielen.

In Frage kommen grundsätzlich:
1.) 1:1 Kopie des Originals
2.) Variante des Originals (= geringfügige Bearbeitung)
3.) Bearbeitung des Originals (das Original wird stark verändert, aber hat noch einen deutlichen Anteil am neuen Spiel)
4.) Entnahme einzelner Mechanismen aus dem Original
5.) Inspiration durch das Original

In den ersten beiden Fällen liegt das Urheberrecht klar beim Urheber des Originals.
In den letzten beiden Fällen wurde ein neues Original geschaffen.
Im Falle einer nicht geringfügigen Bearbeitung gibt es ein gemeinsames Urheberrecht, wenn die Bearbeitung durch den Urheber des Originals autorisiert war.

Nach Lesen der - auch noch fremdsprachigen - Spielanleitung und Überfliegen des BGG-Threads halte ich eine unautorisierte Bearbeitung des Originals für möglich. Da man - wie schon gesagt - die Spiele gespielt haben muss und zudem die Übergänge zwischen obigen Möglichkeiten fließend sind, kann man natürlich auch bei seriöser Betrachtung zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Es gibt eine Grauzone, die man - so finde ich - als Autor meiden sollte.
Siehe hierzu auch meine Abstufungen unter:
https://www.reich-der-spiele.de/special ... iedsstelle )
_______________________________________________________________

EDIT:
Damit ich nicht falsch verstanden werde:

Mir geht es hierbei nicht darum, die Amigo-Aktion zu kritisieren.
Im Gegenteil, ich finde sie gut, auch die Anleitungen so gegenüberzustellen.
Ich weiß, dass Amigo in Urheberrechtssachen sehr gewissenhaft ist.
Seinerzeit, als Hey!That's myfish!(Packeis am Pol) plagiiert wurde,
habe ich u.a. von Amigo effektive Hilfe bekommen.

Ich denke auch keinesfalls, dass Amigo den Vorwurf leichtfertig erhebt.
Nur um ihn mir in Bezug auf dieses Derivat zu eigen zu machen, muss ich es selbst gespielt haben.
Zuletzt geändert von Günter Cornett am 13. November 2018, 18:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Christian Hildenbrand
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Christian Hildenbrand » 12. November 2018, 14:30

Hallo,

ergänzend zu den Spielregeln, die in der Kickstarter-Kampagne aufgeführt sind, hier zwei Links zu den Videos, in denen das Spiel vorgestellt wird:

https://www.youtube.com/watch?v=Rn5wTWE2QtQ&t=7s

https://www.youtube.com/watch?v=fag6rTiC7Mk&t=49s

Hier kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, wie viele Elemente/Details von "Bohnanza" in "Crypto Cartel" offensichtlich wiederzufinden sind.

Spielerische Grüße
Christian

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SpieLama
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon SpieLama » 13. November 2018, 09:27

Money Buns ist ein weiteres Kickstarter-Projekt, das von Bohnanza inspiriert wurde, https://www.kickstarter.com/projects/ch ... ee-for-all.

Money Buns is carb-themed card game for 3-7 players that takes under 10 minutes to learn and plays in about 30 to 45 rowdy minutes. It’s a gluten free-for-all!

As the carb-loving owner of a small bakery, you yearn to make it big selling piles of pastries. But while you collect carbs in front of you, the real action in Money Buns happens above the table between the players. Trade zealously or you might get stuck taking your buns out of the oven before they are ready!

[...] Money Buns has all the millennial appeal of Sushi Go! + the new-cards-every-turn and zealous trading of Catan + the under celebrated card mechanics pioneered by Uwe Rosenberg (Bohnanza).

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d33s3l
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon d33s3l » 13. November 2018, 11:16

Immerhin deutet der Name der "Autorin" auf alles hin: SCAMporrino.
Für mich sind diese Entwicklungen auf KS Grund gewesen, mein Konto dort zu löschen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Fertige, gute Spiele.

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Günter Cornett
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Günter Cornett » 13. November 2018, 13:16

Ich denke, ein Grund mag das gegenwärtige US-copyright sein, dass wohl - ich bin mir in Bezug auf die aktuelle Rechtslage nicht hundertpro sicher - thematische Umgestaltungen erlaubt, so dass bei manchen schlicht ein Unrechtsbewusstsein fehlt*. Allerdings ein weltweiter Vertrieb ist in solchen Fällen nicht erlaubt. Hier sollten Amigo sich trauen, als letztes Mittel rechtliche Schritte einzuleiten; aber - gerade im Umgang mit US-Plagiatoren (nach kontinentaleuropäischen Rechtsverständnis) - sehr breit auf diese unterschiedliche Rechtsproblematik hinweisen. Gegenüber diesen, wie auch gegenüber dem Handel und den Spielern. Hier sind auch spieleverlage eV und SAZ, letztlich wir alle gefragt, die das Plagiieren von Spielregelwerken ablehnen.

Ich weiß auch nicht, wie Kickstarter als Plattform mit dieser grenzüberschreitenden Problematik umgeht.
Einerseits berufen die sich auf US-recht: https://www.kickstarter.com/help/copyri ... opyrighted
Andererseits beziehen sie sich aufs Urheberrecht bzw. bringen copyright und urheberrecht durcheinander:
https://help.kickstarter.com/hc/de/arti ... verwenden- Meiner Meinung nach dürften sie sowas nicht unterstützen bzw. müssten das im Falle einer begründeten Beschwerde entfernen.

* Wobei d33s3l mit seinemihrem Hinweis zum Namen deutlich macht, dass nicht jede Urheberechtsverletzung auf unbedarftheit beruht
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Thygra
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Thygra » 13. November 2018, 14:17

Günter Cornett hat geschrieben:Andererseits beziehen sie sich aufs Urheberrecht bzw. bringen copyright und urheberrecht durcheinander:
https://help.kickstarter.com/hc/de/arti ... verwenden-

Ist das nicht auch ein Sprachproblem? Wenn ein deutscher(!) Verlag auf ein Spiel "© 2018 (...)" schreibt, dann bedeutet das nicht, dass der Verlag das Urheberrecht besitzt, sondern dass er das Nutzungsrecht besitzt, das ihm der Urheber übertragen hat. Zumindest nach meinem Wissensstand. (Man darf mich gerne korrigieren, wenn es jemand genauer weiß bzw. besser formulieren kann.)

Das © steht üblicherweise für "copyright". Nun ist aber "copyright" die englische Übersetzung von "Urheberrecht", nicht von "Nutzungsrecht". Deshalb frage ich mich, ob hier nicht auch ein Sprachproblem bzw. Übersetzungsproblem vorliegt!?
André Bronswijk
Thygra Spiele
(u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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Günter Cornett
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Günter Cornett » 13. November 2018, 14:36

Thygra hat geschrieben:Ist das nicht auch ein Sprachproblem? Wenn ein deutscher(!) Verlag auf ein Spiel "© 2018 (...)" schreibt, dann bedeutet das nicht, dass der Verlag das Urheberrecht besitzt, sondern dass er das Nutzungsrecht besitzt, das ihm der Urheber übertragen hat. Zumindest nach meinem Wissensstand. (Man darf mich gerne korrigieren, wenn es jemand genauer weiß bzw. besser formulieren kann.)


Ja, sehe ich auch so. Es ist auch ein Sprachproblem. Ich übersetze Urheberrecht deswegen lieber mit creators rights.

Darüberhinaus ist es ein Rechtsproblem. Um überhaupt einen Urheberrechtsverstoß für den deutschen Rechtsraum melden zu können, muss man als deutscher Urheber US-Recht anerkennen:
"Eine Erklärung Ihrerseits, in der Sie anerkennen, unter 17 U.S.C § 512(f) der US-Gesetzgebung für jedweden Schaden, einschließlich Kosten und Anwaltskosten, der durch wissentliche und grundlegende Falschdarstellung eines Verstoßes gegen das Urheberrecht entsteht, zu haften;"
Inhaltlich ist das wohl nicht zu beanstanden, aber eben nach dem Recht des Landes, in dem Urheberrecht beansprucht wird.

Welche Organisation, Behörde ... mag für solche Bedingungen zuständig sein?

+++ +++ +++

Es gibt übrigens noch eine andere - sprachlich recht interessante - Übersetzung:

moral rights [JURA] <> das Urheberpersönlichkeitsrecht

und wenn ich creators rights eingeben, wird mir auf leo.org als erstes folgendes angeboten:

without rights <> rechtlos

:s
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon SpieLama » 1. Dezember 2018, 17:57

Es folgt eine Pressemitteilung der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ).

Spiele-Autoren-Zunft hat geschrieben:Plagiate konsequent verfolgen!
Uwe Rosenbergs „Bohnanza“ – im Programm von Amigo – wurde kürzlich mehrfach plagiiert und unter anderem Design auf Kickstarter angeboten. Amigo wies dies detailliert nach und kritisierte das in einer Pressemitteilung. Von juristischen Schritten wie z.B. einer Abmahnung war nichts zu hören. Auf Rücksprache erklärte Amigo, dass sie zumindest mit Kickstarter ins Gespräch kommen wollen, um in Zukunft Hebel für solche Fälle auszuloten. Der jüngste Plagiatsfall bei Spielen wirft daher einige Fragen auf.

Leider gab es in der Vergangenheit immer wieder Fälle, bei denen Spieleverlage keinerlei juristische Schritte unternommen haben, weil dies – nicht nur im Ausland – „so schwierig und wenig erfolgversprechend“ sei.

Dagegen spricht die Erfahrung, von der auf der kürzlichen Urheberrechts­konferenz in Berlin der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Dr. Tobias Schmid, berichtete: Konsequente Verfolgung – oder zumindest die Einleitung erster Schritte – schreckt ab und spricht sich auch bei anderen potentiellen Urheberrechts-Verletzern rum. Dies führt in der Folge zu einer deutlichen Reduzierung solcher Fälle.

In vielen Verträgen verpflichten sich die Verlage, gegen Rechtsverletzungen von Dritten angemessen vorzugehen. Dann sollten die Autoren auch darauf drängen, dies zu tun. Darüber hinaus empfehlen wir allen Autoren, darauf zu achten, dass eine solche Klausel in ihrem Vertrag enthalten ist.

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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Rei » 3. Dezember 2018, 12:33

Komischer Text der SAZ. Es wird nur auf einen Beitrag eines Dr. Tobias Schmid verwiesen, aber nicht zur rechtlichen Lage in den USA (wohl dort erlaubt = keine Rechtsverletung = Klage wenig erfolgsversprechend).

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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Weltherrscher » 3. Dezember 2018, 13:23

Ganz so simpel ist es zwar wohl nicht, aber die beiden Fälle sind auch grundsätzlich unterschiedlich zu bewerten. Das eine ist eine 1 zu 1 Kopie mit anderem Thema, das andere ist schon etwas variiert.
Die SAZ ist nur konsequent in ihrer wenig reflektierten Linie, Bücher und Spiele sind und bleiben unterschiedliche Dinge. Am Nächsten käme man wohl noch, wenn der Plot eines Buches, mit anderen Worten nacherzählt würde. also quasi die übliche Held rettet Prinzessin Geschichte immer wieder neu.
Die Mechaniken von Spielen sind ähnlich wie Topoi bei Büchern, die hat auch niemand exklusiv.
Werden diese Topoi nun in bestimmter , wiedererkennbarer Weise kombiniert, kann man überlegen ob hier ein Problem vorliegt sollte das jemand anderes wiederholen, man muss aber aus meiner Sicht nicht zwingend eines sehen.

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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Günter Cornett » 4. Dezember 2018, 02:59

Rei hat geschrieben:Komischer Text der SAZ. Es wird nur auf einen Beitrag eines Dr. Tobias Schmid verwiesen, aber nicht zur rechtlichen Lage in den USA (wohl dort erlaubt = keine Rechtsverletung = Klage wenig erfolgsversprechend).


Die SAZ verhält sich in der Tat etwas bedeckt. Nachdem sie 2015 anlässlich einer unklaren Formulierung in einer internen Email eine Unterschriftenkampagne gegen die Fachgruppe Spiel (spieleverlage e.V.) initiert hatte, ist sie bei realen Urheberrechtsstreitfällen doch recht zurückhaltend.

Allerdings stimmt deine Gleichung zur rechtlichen Lage nicht. Auf Kickstarter wird weltweiter Versand angeboten. Derjenige, der es dort anbietet, wo kontinentaleuropäisches Urheberrecht gilt (die Bezeichnung steht für die Herkunft, nicht für die Region) importiert, ist dafür verantwortlich zu machen.

Ungeklärt ist für mich die Frage, wie ähnlich ein Spiel (auch jenseits von Thema, Gestaltung und Regel-Formulierung) sein kann, ohne das Urheberrecht zu verletzen. Im konkreten Fall habe ich mich damit nicht auseinandergesetzt, weil ich der Meinung bin, man muss beide Spiele im Vergleich spielen. Hier wären Workshops und Diskussionsrunden angebracht, um sich an konkreten Beispielen Standpunkte zu erarbeiten. Um eine inhaltliche Diskussion überhaupt führen zu können.

Und dann natürlich, wie man sich dagegen wehren kann, sowohl juristisch als auch außergerichtlich.
Beim Plagiat einer großen russischen Firma von Hey, that's my Fisch/Packeis am Pol hat ganz offensichtlich die Solidarität viele Spieler, Händler, auch Großhändler und nicht zuletzt auch die Vermittlung von Kosmos und Amigo dazu geführt, dass das Plagiat vom russischen Markt verschwunden ist.

Wichtig ist, dass die Bewertung als Plagiat eindeutig ist, damit man entsprechend auftreten kann.

Zudem gibt es auch im amerikanischen Raum immer wieder Diskussionen jenseits der rechtlichen Situation darüber, was in solchen Fällen ethisch akzeptabel ist.

Um hier sinnvoll zu agieren, muss man sich erstmal mit Wissen bewaffnen ...
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Weltherrscher » 4. Dezember 2018, 12:24

Bedeckt halten? Es wird suggeriert der Fall wäre klar, und europäisches oder deutsches Recht wäre einfach auch hier anwendbar. Unter bedeckt halten verstehe ich was anderes.
Man könnte zumindest diesen Tobias Schmid zitieren oder referenzieren, damit man überhaupt mal feststellen kann ob dessen Aussagen überhaupt relevant für den Bereich Brettspiele, und speziell sind.
Mir fehlt da einfach die Expertise, soweit sind wir uns einig. Auch darin, dass das wenn möglich immer außergerichtlich geregelt werden sollte.
Hey thats my fish war ja eine 1 zu 1 Kopie auf Grund ungeklärter oder angeblich ungeklärter Urheberrechtslage. Da war die Frage ja eher, wer hat das Recht das Spiel herauszubringen, und wer muss dann beteiligt werden. Sowas offiziell auf den restlichen Europäischen Markt zu bringen ohne Klärung ist natürlich abzulehnen.

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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Günter Cornett » 4. Dezember 2018, 14:10

Weltherrscher hat geschrieben:Hey thats my fish war ja eine 1 zu 1 Kopie auf Grund ungeklärter oder angeblich ungeklärter Urheberrechtslage. Da war die Frage ja eher, wer hat das Recht das Spiel herauszubringen, und wer muss dann beteiligt werden. Sowas offiziell auf den restlichen Europäischen Markt zu bringen ohne Klärung ist natürlich abzulehnen.


Was soll dabei eine "ungeklärte Urheberrechtslage" gewesen sein?
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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Weltherrscher » 4. Dezember 2018, 14:36

Da ist doch bei BGG dieser zweite Autor aufgeführt, der dann angeblich die Erlaubnis für die Auflage im russischen Raum erteilt hatte. Ob das nun so war, oder nicht, oder wie das ausging, keine Ahnung.

Als Autor kannst Du dazu sicher mehr sagen.

Sehe gerade, es ging da um einen dritten Autoren, der das Spiel bearbeitet hatte, nicht deinen Co Autoren. Und darum das der russische Vertrieb, nicht akzeptieren wollte, dass seine Unterlizenz ungültig wird.

Dann ist es natürlich umso eindeutiger, wobei ich natürlich nicht beurteilen kann, ob Phalanx hier nicht entgegen der eigenen Lizenbeschränkungen eine unbefristete Lizenz erteilt hat, was dann aber nur die Auswirkung gehabt hätte, dass Phalanx Probleme mit dem Lizenznehmer wegen eventueller Schadensersatzansprüche bekommt. Lizenz wäre dann trotzdem weg.

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Re: Bohnanza-Plagiat auf Kickstarter

Beitragvon Günter Cornett » 4. Dezember 2018, 15:42

Dabei hätte der russische Verlag die Hauptlizenz haben können. Die Verhandlungen waren - glücklicherweise - daran gescheitert, dass er sich weigerte, mir als Autor die Verkaufszahlen der bis dahin regulär lizensierten Auflage zu nennen. Dass er die nur Phalanx nennen wollte, nicht aber auch mir direkt, hatte mich dann doch etwas stutzig gemacht ...
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