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Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Kritiken und Rezensionen: Wie ist Spiel XY?
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SpieLama
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Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon SpieLama » 9. September 2016, 07:19

Normalerweise veröffentlichen wir zu SpieLama-Rezensionen keine Forums-Beiträge. Heute möchte ich davon eine Ausnahme machen, da mich eure Meinung zu Cards interessiert. Der Verlag (Huch! & friends) schreibt über das Spiel.

Huch! & friends hat geschrieben:Cards ist ein ungewöhnliches Kartenspiel, bei dem verrückte Aufgaben und knifflige Rätsel gemeistert werden müssen. Man spielt es alleine und kann sich Wochen, Monate oder auch Jahre dafür Zeit nehmen. Jede Karte bietet eine neue Herausforderung, die in das Leben des Spielers eingreift. Erst wenn die Bedingung einer Karte erfüllt ist, darf die nächste Karte umgedreht werden.

cards.jpg
Foto: Huch! & friends
cards.jpg (191.34 KiB) 4494 mal betrachtet

Alex sagt in seiner Rezension:

Alex hat geschrieben:[...] Was haben sich die Autoren dabei gedacht? Ist das [Cards] irgendein soziales Experiment? [...] Ein Spiel, das dazu anstiftet, Pietät über den Haufen zu werfen, kann ich nicht verstehen, kann ich nicht unterstützen. [...] Für mich ist Cards damit tatsächlich das schlechteste Spiel, wenn man es denn überhaupt Spiel nennen möchte, das ich je erlebt habe. Da spiele ich noch tausend Mal lieber Mensch ärgere Dich nicht, da spiele ich noch tausend Mal lieber hundert Runden Monopoly als das ich mir sowas nochmals angucke. [...] Ich bin wirklich maßlos enttäuscht und schockiert davon, dass so etwas auf den Markt geschmissen wird.

Die komplette Rezension findet ihr unter http://www.spielama.de/cards, mehr Infos gibt es außerdem unter http://gesellschaftsspiele.spielen.de/a ... ele/cards/.

Was haltet ihr von Cards? Ist es für euch ein Spiel? Ist es tatsächlich pietätlos? Oder ist Cards ein großartiges Beispiel dafür, wie Spiele zum Nachdenken anregen können und uns dazu bringen, unser eigenes Handeln zu hinterfragen? Und falls hier die Autoren mitlesen würde mich von euch interessieren, was eure Motivation bei der Spieleentwicklung war.

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AndreasB78
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon AndreasB78 » 9. September 2016, 09:58

Meine subjektive Meinung zu dem Spiel:
Ich frage mich bei dem "Spiel" auch, wie man sich trauen kann, so einen Mist auf den Markt zu werfen. Das beste an dem Spiel dürfte wohl der Brennwert sein. Eine Checkliste, die man bis zu einem gewissen Grad abarbeiten muss mit einem Punkt, ob man schon getötet hat? In die Hose gemacht hat? Fremd gegangen ist? Sorry, aber das muss man nicht weiter kommentieren, so ein Dreck steht für sich allein,...
Was ist da blos in "Huch & Friends" gefahren, dass zu veröffentlichen? Haben die sich das Spiel nicht angesehen? Was hat die Autoren blos geritten, sich so einen Kram auszudenken? Das macht mich sprachlos.

Viele Grüße,
Andreas.

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Winston
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Winston » 9. September 2016, 10:10

Also da muss ich widersprechen ...
Zur Checklistenkarte aus dem Video. Sagen wirs mal so ... Diese Karte hab ich in 10 Sekunden abgehakt gehabt und ich konnte guten Gewissens alles angekreuzen. gut wenn man die Karte genau liest ;) Spoiler hin oder her ... da steht auch ... ich habe gelogen. Man sollte nicht alles so ernst nehmen :)

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openMfly
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon openMfly » 9. September 2016, 10:17

Winston hat geschrieben: ... da steht auch ... ich habe gelogen. Man sollte nicht alles so ernst nehmen :)


Sehr gut, da wäre ich nicht drauf gekommen :D
Bei der ganzen AUfregung bekommt man fast Lust das Spiel auszuprobieren... aber noch ist sie nicht groß genug.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon HDScurox » 9. September 2016, 10:23

Winston hat geschrieben:Also da muss ich widersprechen ...
Spoiler hin oder her ... da steht auch ... ich habe gelogen. Man sollte nicht alles so ernst nehmen :)


Man könnte es jetzt auseinandernehmen und sich fragen ob man da nicht einer inkosistenten Regel gegenübersteht. Das "ich habe gelogen" kann man natürlich auf die Checkliste beziehen (die ja bei weitem nicht mein einziger, wenn auch einer der stärksten Kritikpunkte war) oder man bezieht das Lügen eben auf andere Dinge, um die Checkliste wahrheitsgemäßg abzuhaken.

Aber klar, man kann da mit einem zugedrückten Auge durch gehen und gut ist. Die Frage ist: Was bringt es mir und was passiert mit denen, die das nicht tun? Auf was für dumme Ideen bringt dieses "Spiel" einen Teenager? Und da vertrete ich sogar die These, dass der Aufforderungscharakter solche Dinge zu tun bei einem solchen "Spiel" das man begonnen hat, höher ist, als bei sonstigen dummen Ideen die man in TV/Internet aufschnappt. Einfach weil man den Habitus hat, das "Spiel" zu spielen und sich damit ein Stück weit dessen Regeln und Aufforderungen unterwirft.
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Florian-SpieLama » 9. September 2016, 11:29

Kommt nicht bald so ein Film raus? Nerve heißt der glaube ich. Wahrheit oder Pflicht mit Aufgaben aus einer App, die (für die Action) gefährlich statt pietätlos sind, aber trotzdem etwas daran erinnern.
Bzw. erinnern beide (also Film Nerve und Spiel Cards) an Wahrheit oder Pflicht.

Ich würde das ganze nicht als Spiel sehen, sondern eher als esoterisches Experiment, als abstrakte Kunst. Klar viele Autoren bezeichnen ihre Arbeit als Kunst (deswegen Game-Designer). Aber während die meisten Spiele eher Kunst im Sinne von schönen Bildern sind (wie Bob Ross sie nachts malte), ist das hier eher die tote Kuh die mit Böllern gefüllt aus dem Hubschrauber geworfen wird und man fragt sich: Was soll das? (Zumindest ich (womöglich) Kleingeist fragt sich das.)

Als ich zunächst davon gehört hatte, hatte ich erst gedacht es wird etwas, was vielleicht ein lebenlang dauert, weil es Lebensziele beinhaltet. Zwar auch esoterisch, aber auch kitschig-schön. Hier denke ich an Walter Mitty oder so? Auch ein Film. Also ich dachte an Aufgaben wie: Besteige einen Berg. Trink einen Kaffee in Paris. Schlaf auf einer wilden Wiese. Hilf einem Rentner.
Bestimmt nicht alles für jeden machbar. Aber das hätte ich schöner/besser gefunden, als auf eine Karte zu pinkeln.
Zuletzt geändert von Florian-SpieLama am 9. September 2016, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Winston » 9. September 2016, 11:33

Ok ... hab jetzt die ganze Rezension gesehen (Arbeit kam nach meinem Post dazwischen... und das am Freitag) ... Die anderen Punkte kann ich nachvollziehen. Das solche Karten noch kommen hab ich nicht gewusst. Ich hab noch ein gutes Stückchen vor mir...bis jetzt waren die Karten (bis auf die Checkliste) soweit ich mich erinnere, eigentlich harmlos.
Eher lustig und ein paar clevere, eine Anregung ein Buch zu lesen oder ein wenig Mathe...

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Mitspieler » 9. September 2016, 11:47

Winston hat geschrieben:Ok ... hab jetzt die ganze Rezension gesehen (Arbeit kam nach meinem Post dazwischen... und das am Freitag) ... Die anderen Punkte kann ich nachvollziehen. Das solche Karten noch kommen hab ich nicht gewusst. Ich hab noch ein gutes Stückchen vor mir...bis jetzt waren die Karten (bis auf die Checkliste) soweit ich mich erinnere, eigentlich harmlos.
Eher lustig und ein paar clevere, eine Anregung ein Buch zu lesen oder ein wenig Mathe...

Ja, sehr schade, dass es bei den Karten, die Du im letzten Satz beschreibst, nicht geblieben ist. Bzw sie nicht in dieser "nützlichen" Weise intensiver werden! Da wär doch auch genug wirklich Hilfreiches, Lustiges, Kniffliges und Spannendes, Abenteuerliches herauszuholen gewesen. Muss es immer ethischer Mist sein, damit etwas Auferksamkeit bekommt?


openMfly hat geschrieben:Bei der ganzen AUfregung bekommt man fast Lust das Spiel auszuprobieren... aber noch ist sie nicht groß genug.


Warum sagst Du sowas? Übertriebene Aufgeregtheit und anstachelndes sich-und-andere-Hochpushen ist natürlich meist falsch, aber auf konstruktive Weise sich für oder gegen etwas einsetzen, kann manchmal gut sein. Wir Menschen haben (in gewissem Maß) die Möglichkeit bekommen, uns unguten Entwicklungen entgegenzustellen (egal, ob hinsichtlich der Umwelt, Gesellschaft, oder eigenen Gesundheit).


Zum Spiel:
Ich finde Alex' mutige und emotionale Rezension super. Und dass er das Spiel abolut scheiße findet. Denn es gibt in der Gesellschaft leider genug Menschen, die menschenverachtende Spiele, aber auch menschenverachtenden Umgang miteinander amüsant finden.
Zumal bei diesem Spiel der Übergang zwischen Spiel und "Realität" ja fließend zu sein scheint (vor allem im Unterbewußtsein und bei den Opfern)!

Ich fand schon die ganzen Spiele wie das "Massenmörder-Quartett" (gibt es dann auch bald ein "Vergewaltiger-Quartett"?! :@ ) bescheuert - wie gefühllos muss man sein, um sowas "lustig" zu fnden?? Aber dieses neue "Cards" geht ja sogar den entscheidenden Schritt weiter: Es geht da ja nicht nur um Verbrechen Anderer, sondern um (wie auch immer gemeinte) Anstachelung zu eigenen fragwürdigen Taten!

Vielleicht ist ja dies der Sinn des Spiels, dem Spieler vor Augen zu führen, wie mies wir innerlich doch oft sind (indem sich der Spieler hinterfragt: Hasse ich vielleicht jemanden so, dass ich ihm in Gedanken den Tod wünsche? Habe ich Lust aufs Fremdgehen?). Und dnn versucht, seine innere Einstellung zu überdenken. Aber nicht jeder Spieler macht sich diese Gedanken. Genau da liegt eines der Probleme dieses Spiels. Und manche der Karten, bei denen man andere schädigen soll, würden unbedachte Spieler (nicht nur Jugendliche) auch kichernd ausführen, ohne die tieferliegenden Folgen beim Opfer zu bedenken. Bzw es wäre ihnen egal. Wir bekommen doch ständig mit (aus den Medien, aber auch selber im Alltag), wie gefühlsmäßig und moralisch abgestumpft und wie rücksichslos viele Menschen geworden sind.. und dann sagen wir immer bestürzt "wie kann das nur sein"???
Daher ist dies Spiel auch als soziales Experiment höchst fragwürdig.

Und wenn das Spiel gar nicht als Mahnung gedacht ist, sondern wirklich der Belustigung dienen soll, ist es wirklich unterste Schublade. Weil es das Schädigen von Menschen in Kauf nimmt und die ohnehin immer rücksichtsloser werdende Gesellschaft weiter darin bestärkt, sich dem Mitmenschen gegenüber (nicht nur in der Anonymität des Internets) immer skrupelloser, entwürdigender und ignoranter zu verhalten. Und das gar noch amüsant zu finden, weil die Seele abgestumpft ist und sich dem Mitgefühl verschließt.

Hmm..ich schreibe so engagiert, weil ich fast jeden Tag mitbekomme, wie in unserer Gesellschaft nur der eigene Spass zählt (und gegen die Anderen durchgesetzt wird) und das Empathievermögen schwindet ..und ich befürchte, dass da dieses Spiel voll im (schlechten) Trend liegt.
Zuletzt geändert von Mitspieler am 9. September 2016, 15:54, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Thygra » 9. September 2016, 11:59

Das ist doch gar kein Spiel. Dieser Thread gehört deshalb in den Off-Topic-Bereich! ;)
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Kim » 9. September 2016, 13:14

Ich würde schon sagen, dass es ein Spiel ist. Es verfügt über feste Regeln, denen man sich freiwillig unterwirft, und man führt es zum reinen Vergnügen aus. Es verfügt sogar über Material, was es doch ziemlich nahe an sonstige Spiele der heutigen Zeit rückt.

Ich persönlich habe kein Problem damit, dass Punkte wie "getötet" oder "per Anhalter gefahren" auf den Karten stehen. Wer darin eine Gefährdung von Jugendlichen sehen will, der behauptet auch, dass "Killer"-Spiele Amokläufer produzieren. Es gehört sicher zum Ziel des Autoren die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten und da kann ja eventuell sogar ein Mehrwert für den Spieler bestehen, der angesichts dieser Konfrontation eine Anregung erfährt, eben diese Grenzen für sich zu hinterfragen.

Der eigentliche Kritikpunkt, den ich bei dem Spiel habe, ist, dass es in meinen Augen absolut witzlos ist. Ich sehe einfach nicht, worin für mich das Gefühl von Spaß und Spannung bestehen soll, eine Reihe von Karten mit größtenteils stupiden Aufgaben abzuarbeiten, nur um es am Ende wegschmeißen zu können, da es nur einmal spielbar ist. Seine Zeit kann man da meines Erachtens durchaus in andere, weitaus bessere Spiele investieren.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Mitspieler » 9. September 2016, 13:45

@Kim: Deine Ansichten kann ich nicht teilen.
Erstens finde ich Killerspiele ebenfalls schrecklich, und zweitens unterscheidet sich Cards in einem wesentlichen Punkt davon: Es geht nämlich nicht "nur" darum, in einer virtuellen Welt etwas Schlimmes zu tun, sondern in der realen etwas zu tun, das für manche nicht einmal direkt als etwas Falsches erkennbar ist.
Ja, vielleicht soll das "Spiel" dazu anregen, sich Gedanken zu machen, wann ist etwas wirklich einfach rein zur Freude, und wo muss man "stop, nein" sagen, weil es gerechtfertigte ethische Grenzen überschreitet und/oder jemandem schadet.
Aber leider hat nicht jeder die Reife oder die Prägung, für sich selber zu sagen "nein, so etwas tue ich nicht, da mach ich nicht mit". Viel naheliegender ist es für manche, zu denken "oh geil, das wird witzig".
Diese innere und soziale Schwäche kann man ja leider fast täglich sehen.
Daher braucht man nicht in einem "Spiel" dazu auch noch aufzufordern.
Siehe mein Posting weiter oben.
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Greifwin » 9. September 2016, 14:00

Kim hat geschrieben:Ich würde schon sagen, dass es ein Spiel ist. Es verfügt über feste Regeln, denen man sich freiwillig unterwirft, und man führt es zum reinen Vergnügen aus. Es verfügt sogar über Material, was es doch ziemlich nahe an sonstige Spiele der heutigen Zeit rückt.

Ich persönlich habe kein Problem damit, dass Punkte wie "getötet" oder "per Anhalter gefahren" auf den Karten stehen. Wer darin eine Gefährdung von Jugendlichen sehen will, der behauptet auch, dass "Killer"-Spiele Amokläufer produzieren. Es gehört sicher zum Ziel des Autoren die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten und da kann ja eventuell sogar ein Mehrwert für den Spieler bestehen, der angesichts dieser Konfrontation eine Anregung erfährt, eben diese Grenzen für sich zu hinterfragen.

Der eigentliche Kritikpunkt, den ich bei dem Spiel habe, ist, dass es in meinen Augen absolut witzlos ist. Ich sehe einfach nicht, worin für mich das Gefühl von Spaß und Spannung bestehen soll, eine Reihe von Karten mit größtenteils stupiden Aufgaben abzuarbeiten, nur um es am Ende wegschmeißen zu können, da es nur einmal spielbar ist. Seine Zeit kann man da meines Erachtens durchaus in andere, weitaus bessere Spiele investieren.


Kim trifft es für mich so ziemlich auf den Kopf. Sicherlich will man in gewisser Weise provozieren, "Grenzen ausloten" und nicht zuletzt auch Aufmerksamkeit erregen. Manchen gefällt das, anderen wieder nicht. Zum Glück wird aber auch niemand gezwungen seine Zeit mit diesem, oder vergleichbaren Dingen, zu verbringen.
"Gefährdungspotenzial" oder die Verleitung zu irgendwelchen Dingen seh ich hier auch nicht. Da mache ich mir bei täglichem Hartz-4-Programmkonsum via RTL o. ä. weitaus mehr sorgen...

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Mitspieler » 9. September 2016, 14:15

Tatsächliche Gefährdung hin oder her, es braucht doch nicht immer mehr geistiger Müll unter die Leute gebracht zu werden! Selbst wenn es nur ein Spiel wäre, bei dem sich der Spieler ein Gesichtstattoo machen, ins eigene Essen pinkeln oder nackt durch die Stadt flitzen muss (oder noch "ungefährdender", einfach ne Stunde stupide la-la-la sagen muss, hach was für ein Spaß..) wäre es doch einfach traurig, dass man heute glaubt, nur noch mit immer ausgefalleneren, "würdeloseren" Aktionen die Unterhaltungssucht zu befriedigen (wie dies leider auch im sogenannten HartzIV-TV passiert). Wenn Menschen von dieser "Kultur" geprägt werden, ist es nicht verwunderlich, wenn sie innerlich abstumpfen.
Wie gesagt, Cards gibt ja ein paar interessante Anregungen (kreativ sein, lesen, aktiv sein..), aber es driftet dann ab in primitives "sich am Vulgären, Verrückten und am Schaden Anderer erfreuen" - und das finde ich traurig, weil es dem momentanen unguten Trend folgt.
Es sei denn, es ist ironisch gemeint und soll augenzwinkernd anmahnen und wachrütteln - aber ob das jeder Spieler so versteht und an dem Spiel reift, bezweifle ich.
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Greifwin » 9. September 2016, 15:33

Mit dem Müll unters Volk bringen bin ich grundsätzlich bei Dir. ABER: Auch für solche Dinge gibt es nunmal Abnehmer und somit eine entsprechende Zielgruppe. Das allein ist schon genug Rechtfertigung um etwas in dieser Art auf den Markt zu bringen - ob es Uns/dem "regulären" Brettspieler gefällt oder nicht. Von daher gibt es da für mich nicht viel zu diskutieren.

Wer mit sowas Spaß haben möchte bzw. hat, dem sei es doch gegönnt. Der Rest mag es einfach ignorieren. Ich finde man muß nicht in alles einen tieferen und/oder pädagogischen Sinn reininterpretieren. Und mal ehrlich, in unser aller Alltag gibt es tagtäglich doch genug vergleichbaren "Müll" - und mit unter schlimmeres als diese Art von Spiel.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Mitspieler » 9. September 2016, 16:48

Das stimmt, Greifwin, aber auch dann darf man das, was Müll ist, doch trotzdem kritisieren bzw traurig finden, oder?
Schließlich geht es hier ja um Spiele-"Eindrücke" (->Forenthema) bzw um eine bestimmte Rezension :cool:

Da ich das Spiel nicht habe und auch sicher nicht spielen werde^^, kann ich nicht sagen, was es noch für Aufgaben gibt und inwieweit die blöden Aufgaben nun jemanden "gefährden" oder nicht.
Aber erstens denke ich, dass es sicher "menschliche Ziele" gibt, die sich als Opfer nicht wohlfühlen werden.
Und zweitens, bezüglich "theoretische Nachfrage rechtfertigt tatsächliches Angebot": Gerade falls das Spiel nicht pädagogisch-anmahnend gemeint ist, sondern tatsächlich einfach nur als Fun-Spiel: Es ist doch traurig genug, dass es um unsere Gesellschaft so bestellt ist, dass viele Leute derart reizübersättigt und gleichzeitig innerlich so leer sind, dass sie immer ausgefalleneren Nervenkitzel (Grenzenlosigkeit inkl. Selbstzerstörung und dem Leid Anderer) suchen. Da sollte man als seriöser Spieleverlag doch nicht diese Nachfrage (nach Fun um jeden Preis) auch noch bedienen wollen! Beziehungsweise, es ist durchaus wichtig, die Bedürfnisse des einzelnen Menschen ernstzunehmen, aber ihnen auf eine gute (und nachhaltige) Weise zu begegnen. Konkret: Man hätte die Bedürfnisse der "suchenden Spieler" doch lieber mit tollen, spannenden, kreativen und mutigen Aufgaben befriedigen können, die nicht ethisch sehr fragwürdig sind!

Naja, das ist wahrscheinlich alles jetzt etwas aufgebauscht und das Spielchen ist viel zu banal, als dass man sich drum drehen und so viel diskutieren muss :rolleyes: , aber das Spiel scheint mir halt irgendwie symptomatisch für unsere ethikfreie, individualistische Gesellschaftsprägung..

LG, Daniel
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Lorion42 » 9. September 2016, 17:56

Kurze Zwischenfrage: Was muss man für ein schlechtes Menschenbild haben, wenn man denkt "per Anhalter fahren" ist etwas gefährliches? Ich hab es schon unter das Video selbst geschrieben: Ich finde es schade, wie wenig Leute heutzutage noch Anhalter mitnehmen oder selbst versuchen als Anhalter mitgenommen zu werden. Dabei macht man tolle Bekanntschaften und kann einfach mal Freundlichkeit erleben. Diese Kritik ist irgendwie symptomatisch für unsere moralbefreite, menschenverachtende, individualistische Gesellschaft

Tipp meinerseits: fahrt einmal per Anhalter. Ich garantiere euch, dass es eine positive Erfahrung wird!

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Jerry » 9. September 2016, 17:59

Zunächst mal:

10/10 Punkten für eine Rezension bei dem der Rezensent mal richtig steil geht und vollen Einsatz und Emotionen zeigt. Was für eine Abwechslung im täglichen Sumpf der Mittelmäßigjeit. Das gibt es viel zu selten und verdient meine Hochachtung, Wirklich!

Dann ein Outing:
1) Ich habe schon etliche Lebewesen selbst getötet und noch sehr viel häufiger indirekt zum Tod von Lebewesen beigetragen
2) Ich bin schon per Anhalter gefahren
3) Ich habe schon mehrere Seitensprünge begangen

Zu (3) könnt ihr jetzt mutmaßen ob dies in Wort, Tat oder Gedanken geschah.

Schließlich :
Die Empörung des Rezensenten entspringt m.E. einer zu wortgetreuen Interpretation der Kartentexte. Ich sage: mit ein wenig Phantasie und Kreativität kann man Cards vermutlich durchspielen, ohne irgendwelche moralischen Standards zu verletzen.

Edit: wird gekauft
Edit2: ist gekauft

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Greifwin » 9. September 2016, 18:15

Absolut, Mitspieler. Und das wird hier auch jeder anders sehen und kundtun, was auch ja auch vollkommen in Ordnung ist. Ich bin einfach nur das Ansicht, daß das Spiel hier viel zu hochtrabend diskutiert wird bzw. viel mehr Aufmerksamkeit abgreift, als es verdient hat. Es bedient einfach einen speziellen Bereich, zu dem sich, so vermute ich mal, ein Großteil der hiesigen Forenmitglieder nicht zählen werden.

Von daher passt für mich dein Argument mit "Man hätte die Bedürfnisse der "suchenden Spieler" doch lieber mit tollen, spannenden, kreativen und mutigen Aufgaben befriedigen können, die nicht ethisch sehr fragwürdig sind!", denn ich glaube nicht das die Zielgruppe aus solchen suchenden Spielern besteht - zumindest nicht vorwiegend. Geschweige denn, daß man dieser Zielgruppe, mit den von dir beschrieben Eigenschaften bei einem Spiel etwas gutes tun kann. ;) Ich würde dabei auch dem Verlag nicht seine Seriösität absprechen. Man wird dort wohl kaum "Ja" gesagt haben, ohne das ein überzeugendes Konzept vorgelegen hat. Geld hat schließlich niemand zu verschenken.

Edit: Und für die Ausnahmen hat Jerry das grade ganz wunderbar ausgeführt. ^^

@Lorion42: Absolut richtiger Einwand. Bin ich selbst auch schon und gibt es zum Glück auch gut organisiert a lá Mitfahrzentralen o. ä.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Winston » 9. September 2016, 18:17

So ... Hab geschummelt und die restlichen Karten durch geschaut ... Ich kann der ganzen Aufregung nicht zustimmen... Beim 'Schwangerschaftstest' steht nichts davon, dass man tatsächlich irgendetwas machen muss um die Karte zu erfüllen (ja, bei so einem Test muss man hier urinieren)und bzgl. der Friedhofkarte. Nirgendwo steht, dass man die Rückseite einer Karte sofort nach dem Umdrehen machen soll.
Die anrüchigste Karte war die, die sagt dass man sie im Rausch Umdrehen soll. Und selbst da....Rausch der Gefühle? Es hängt sehr von einem selbst ab was man aus manchen Karten heraus liest, finde ich.
Zuletzt geändert von Winston am 9. September 2016, 18:33, insgesamt 4-mal geändert.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Jerry » 9. September 2016, 18:26

Greifwin hat geschrieben:Cards. bedient einfach einen speziellen Bereich, zu dem sich, so vermute ich mal, ein Großteil der hiesigen Forenmitglieder nicht zählen werden.

Dieser Teilsatz verdient Beachtung. Magst du ihn prazisieren?

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon HDScurox » 9. September 2016, 18:32

Lorion42 hat geschrieben:Kurze Zwischenfrage: Was muss man für ein schlechtes Menschenbild haben, wenn man denkt "per Anhalter fahren" ist etwas gefährliches? Ich hab es schon unter das Video selbst geschrieben: Ich finde es schade, wie wenig Leute heutzutage noch Anhalter mitnehmen oder selbst versuchen als Anhalter mitgenommen zu werden. Dabei macht man tolle Bekanntschaften und kann einfach mal Freundlichkeit erleben. Diese Kritik ist irgendwie symptomatisch für unsere moralbefreite, menschenverachtende, individualistische Gesellschaft

Tipp meinerseits: fahrt einmal per Anhalter. Ich garantiere euch, dass es eine positive Erfahrung wird!


Ich habe ein insgesamt sehr positives Menschenbild. Allerdings bin ich in einer Großstadt groß geworden. Frankfurt und Offenbach am Main. Wo die Kriminalität sich nicht nur in dunklen Ecken abgespielt hat - zumindest bis vor ein paar Jahren. Von Polizei, Eltern, Schule und Medien war und ist es meiner Meinung nach auch noch einer der obersten Punkte wenn man "Jugendlich" wird: Fahr nicht per Anhalter! Du kannst jederzeit Eltern, Oma, Opa, Freunde anrufen, aber fahr gott verdammt nicht per Anhalter. Und das finde ich vollkommen richtig. Es ist und bleibt gefährlich. Man geht ein Risiko ein, dass man in den aller seltensten Fällen eingehen muss. Mitfahrzentralen etc. sind da meiner Meinung nach etwas anderes. Da fehlt nämlich etwas essentielles, dass ich mit "per Anhalter fahren" verbinde: Die Anonymität. Wenn ich an der Straße stehe und hoffe, dass mich jemand mitnimmt. Dann sind beide Personen vollkommen Anonym. Ich bin dem Fahrer förmlich ausgeliefert. Bei einer Mitfahrzentrale sind Fahrer und Mitfahrende dokumentiert.

Abgesehen davon: Warum wird sich so am "trampen" aufgehängt? Da sind noch weitaus mehr pietätlose Dinge in diesem "Spiel".
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Greifwin » 9. September 2016, 18:32

@Jerry: Da meiner Wahrnehmung nach der überwiegende Teil der aktiven Mitglieder hier eher dem Kenner- und Expertenspielbereich zugetan ist. Und Cards gehört für mein Empfinden schlicht und ergreifend nicht in diesen Bereich. Genau so wenig wie ich es als Absacker o. ä. einsortieren würde. Daher auch mein mehrmaliger Verweis auf falsche Zielgruppe. ;)

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon HDScurox » 9. September 2016, 18:34

Zu dem Punkt, dass man die Karten unterschiedlich auslegen kann: Vollkommen richtig. Ich habe aber gerade bei der Checkliste dargestellt, dass ich absichtlich von einem "Dummbeutel" ausgehe. Sicherlich kann(!) man viele Karten auch anders verstehen und man kann sogar die Regeln vollkommen frei auslegen. Man kann es aber auch als totalen pietätlosen Mist sehen und dieser Meinung bin ich nun Mal :)
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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Jerry » 9. September 2016, 18:44

Greifwin hat geschrieben:@Jerry: Da meiner Wahrnehmung nach der überwiegende Teil der aktiven Mitglieder hier eher dem Kenner- und Expertenspielbereich zugetan ist. Und Cards gehört für mein Empfinden schlicht und ergreifend nicht in diesen Bereich. Genau so wenig wie ich es als Absacker o. ä. einsortieren würde. Daher auch mein mehrmaliger Verweis auf falsche Zielgruppe. ;)


Ich mag Spiele, die mich zum Nachdenken bringen und unterscheide dabei nicht, ob dies auf analytischer, kreativer oder reflexiver Ebene geschieht. Das, was in der Rezi zu Cards dargestellt wurde, hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ein Denkanstoß: Der Rezensent echauffiert sich über den Meilenstein des "Tötens". Frage an den Rezensenten: ist er Veganer? Seit wann? Und falls nein: wie ist seine Haltung zum Töten von Tieren? Zum Töten lassen?

Achtung: Ich will diese Frage hier gar nicht diskutieren, ich will nur klar machen, dass dieses Spiel durchaus Anlass zur Selbstreflektion bietet.

Ganz nebenbei: Das ist kein Partyspiel. Und auch kein schneller Happen für oberflächliche Menschen.


Edit: @HDScurox: Bist du der Rezensent in dem Video? Bin gerade verwirrt wg. Brille / keine Brille.

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Re: Cards: das schlechteste Spiel der Welt?

Beitragvon Harry2017 » 9. September 2016, 18:55

Also ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann mal auf nem Friedhof wo ich liege gelacht und gespielt wird - Von mir aus darf auf meinem Grab auch nachts ne Karte umgedreht werde...Manche Sachen pflichte ich Dir bei, bei manchen Sachen greifst Du aber auch zu tief...ich habe bei der Rezension manchmal zumindest zum Schluß den Eindruck Du inszenierst Dich etwas...

Ich brauche so ein Spiel nun auch nicht wirklich- aber "schädlich" und gefährlich finde ich es nun auch nicht...Es geht mir einfach am A.... vorbei :-) Ist wohl eher etwas für die junge Youtubegeneration (Und damit meine ich eher weniger uns als Brettspiel-Youtuberezensenten/Rezensionsgucker)


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