Beitragvon Günter Cornett » 15. April 2003, 12:06
ZwergAuge schrieb:
>
> Matthias Staber schrieb:
>
> > Aber auf die Idee, in diese Richtung
> > zu recherchieren, muss man erst mal kommen. Und dann auch
> > noch Leute finden, die einem die entsprechenden Thesen in den
> > Notizblock quatschen. Dafür: Respekt.
>
> Das professionelle am Journalismus ist nicht, die Ideen zu
> haben, sondern zu erkennen, wann eine Idee Schwachsinn ist.
Wag games beziehen sich häufig auf reale Kriege. Dieser Artikel nutzt einen realen Krieg als Aufhänger, um sich mit War games zu beschäftigen.
Die Spieler belehren den Journalisten, weshalb der Irak-krieg für sie kein Thema ist.
Aber was ist daran inhaltlich falsch ?
>
> Verkürzt lautet die Aussage: Der Irak-Krieg stimuliert NICHT
> das Tabletop-Geschäft, denn die Spieler spielen sowieso NICHT
> mit modernen Waffensystemen.
Dass der Irak-Krieg das Geschäft nicht ankurbelt, wird da nirgendwo beklagt. Allenfalls lese ich daraus, dass diejenigen, die sich mit entsprechenden Rechten versorgt haben, am Bedarf der (hier zitierten) Wargamer vorbei produzieren. Denen geht es offensichtlich nicht darum, den Irakkrieg schnell auf dem Brett nachzuspielen, sondern haben vor allem aus folgenden Gründen Spass an Wargames:
- die Herausforderung gleichstarker Kräfte ist wichtig (fehlt beim Thema Irak-Krieg)
- ein Zufallsfaktor ist wichtig (fehlt beim Thema Irak-Krieg)
- Beschäftigung mit der Geschichte:
"There are so few kids in school now who has any sense of history," he said. "I'm willing to bet not many know who Hannibal was."
"Hovander, a junior at St. Thomas Academy, is in Junior ROTC there. He said the game scenarios are more sophisticated than anything he studies in the classroom at school."
Es gibt klare Distanzierungen vom realen Krieg:
"I'm an ex-Marine," said Brynildson, who served in Europe and was not in combat. "Wars are great for playing games, but they're not much fun for real.
"I don't wish that on anyone."
Es wird darauf verwiesen, dass es auch Leute gibt, die nicht-historische Kriege spielen:
Jett wants action, not necessarily history, in his battles.
"I watch [war] news, and it's interesting, but I don't make a connection with it," he said. "I think the fantasy and sci-fi games are intellectually challenging, like chess.
Was ist daran falsch ?
Gefält es euch nicht, wenn ihr mal nicht als kriegslüsterne Deppen dargestellt wird ? ;-) Oder könnt ihr euch nicht mit dem Bild des wargamers identifizieren, der sich ein wenig Gedanken über das macht, was er spielt ?
> Wieso melden deutsche Zeitungen eigentlich nicht, dass der
> Irak-Krieg nicht das Geschäft von Kosmos in den USA
> angekurbelt hat, da deren Spiele nicht vom Irak-Krieg handeln
> würden?
Niemand beklagt sich darüber, dass der Irak-Krieg einen Einfluss oder keinen Einfluss auf das Geschäft hat. Es ist zwar schon etwas makaber, dass er als spielerisch uninteressant bezeichnet wird. Aber im folgenden führt das doch dazu, dass Leute ihr Hobby darstellen können, was sie dabei interessiert. Ich fand den Artikel aufschlussreicher als das was das ewige Gejammere der unverstandenen Helden in diesem Forum hier. ;-) .Er gibt auch ein positiveres Bild wieder, als es euch hier im Forum gelungen ist (so ich 'Euch' mal in einen Topf werfen darf).
Wenn man mal davon ausgeht, dass ein Journalist von der Materie, insbesondere eines Randthemas wenig Ahnung hat, so war er hier sehr wohlwollen und hat er hier die Leute selbst recht ausführlich zu Wort kommenlassen.
@Kai:
Dass das Thema Irak-Krieg auf wargames bezogen geschäftlich uninteressant ist, hat bei einemuninformierten sicherlich nicht als Ausgangsthese festgestanden. Ich könnte mir eher vorstellen, dass er - so er unbedarft an das Thema ranging - davon ausging, dass der Irak-Krieg auch das Geschäft mit entsprechenden Kriegsspielen ankurbelt. Für den PC-Bereich mag das stimmen (oder auch nicht), für den Cosim-Bereich hat er sich offensichtlich eines besseren belehren lassen.
@alle sich unverstanden fühlende Forumshelden:
Man kann über Jorunalisten meckern. Aber was ist daran falsch oder negativ, wenn jemand den Irak-Krieg als Anlass nimmt, mal über das Thema Krieg im Spiel nachzufragen ?
Allenfalls könnte man kritisieren, dass die wargamers sich durch die Antwort 'spielerisch uninteressant' ein wenig um Fragen, wie 'darf man den Irak-Krieg spielen oder ist das moralisch verwerflich ?' herumdrücken. In generalisierter Form wird diese Frage allerdings durchaus beantwortet (siehe Zitate oben).
Ebenso kann man natürlich fragen, ob der Vietnam-Krieg deshalb nicht vermarktet wurde, weil die Amis da ausgesprochen inhuman gekämpft und dennoch verloren haben oder nur weil er sich schwer in Regeln umsetzen lässt (Letzteres glaube ich weniger):
*Vietnam has never connected with gamers, both store owners said. It was an unpopular war compounded by the guerrilla tactics of the Viet Cong that make it difficult to draw up rules, Brynildson said.*
Das sind zwei Punkte, wo der Journalist durchaus Möglichkeiten gehabt hätte, etwas kritischer nachzufragen, wenn er denn gewollt hätte. Das er es nicht getan hat, bringt den Artikel in meinen Augen aber nicht auf Bildzeitungs-Niveau.
Gruß, Günter