Hallöchen,
nun ist auch bei uns die Erweiterung "Aristokraten und Piraten" zu diesem schönen Spiel angekommen.
Immer wieder ist hier die fehlende Interaktion an diesem Spiel bemängelt worden. Warum eigentlich? Dürfte man in diesem Spiel handeln, würde man Klaus Teuber vorwerfen, es sei ein Siedlerklon ohne Hexfelder. Und würde irgendetwas versteigert, würden alle sagen: "Oh nee, schon wieder ein Versteigerungsspiel, das mögen wir nicht." Letztens sagte jemand hier im Forum, Versteigerungsspiele hätten den Vorteil, dass man sie nicht so gut austarieren müsse, das würde sich über das Versteigern von selbst regeln.
Genau das ist Anno 1503 aber. Daran erkennt man den erfahrenen Spieleautor, dass dieses Spiel sehr fein ausbalanciert ist. Und genau das ist der Trick dabei, dass man eben nicht handeln kann. Wenn die fünfte "zwei" hintereinander gewürfelt wurde, muss ich mir eben überlegen, was ich mit meinen fünf Steinen mache. Dafür gibt es die Gebäude, dass ich teurer an meine Einwohner verkaufen kann, um für das Gold anschließend die fehlenden Rohstoffe zu verkaufen. Es gilt eben, die vorliegenden Möglichkeiten optimal zu nutzen, um dem Würfel ein Schnippchen zu schlagen und letztendlich genau das zu bekommen, was ich brauche. Ich finde das ist hier perfekt gelöst.
Die Erweiterung ergänzt alle diese Möglichkeiten elegant, indem ich mein Gold in Verbindung mit den Aktionskarten nutzen kann, um preiswert ein Schiff zu bauen oder einen Einwohner aufzuwerten. Oder die Luxuswaren teuer verkaufen und die fehlenden Rohstoffe mit Handelsverträgen preiswerter einkaufen.
All diese Mechanismen greifen sehr gut ineinander und wenn man eine Handelphase einführen würde, würden man die fein ausbalancierten Mechanismen durcheinanderbringen.
Für mich ist Anno 1503 ein super schönes Spiel. Vom Anspruch nicht zu vergleichen mit Goa oder Fifth Avenue, aber ein funktionierendes Familienspiel mit einer angemessenen Spieldauer.
In diesem starken Spielejahrgang ist es eines der Highlights, das leider immer wieder sehr stark kritisiert wurde. Und was man nicht vergessen darf: Es funktioniert zu zweit ebenso gut wie zu viert. Das kann man nicht von allen Spielen sagen, auf den eine Spieleranzahl von 2-x angegeben wird.
Ich kann alles dieses Spiel nur wärmstens empfehlen. Verhandlungs- und Versteigerungsspiele gibt es viele und da der Grübelfaktor meines Erachtens gering ist, läßt sich Anno 1503 zügig spielen. Gegenüber dem hochgelobten Zug um Zug, bei dem man eben ein Problem hat, wenn die benötigten Karten vom rechten Nachbarn ebenso gesammelt werden, weil man dann seine Aufträge nicht erfüllen kann, für die es in der Abschlußrechnung viele Minuspunkte bekommt, ist es deutlich besser ausbalanciert und spielenswerter
behauptet
Ina Broß