Beitragvon Ina-spielbox » 23. November 2004, 08:56
Hallo Volker, hallo Thomas,
DRG bedeutet Diagnosis related Groups - auf Deutsch: Diagnose bezogene Fallgruppen.
Bis 2002 wurde im Krankenhaus nach Pflegesätzen pro Tag und Patient abgerechnet: Also Arm gebrochen, 5 Tage im Krankenhaus = 5 mal x€. Wobei die Pflegesätze nach Abteilungen unterschiedlich waren, weil in den Abteilungen, in denen operiert wurde, die Operation mitvergütet werden musste, indem sie pauschal in die Pflegesätze eingerechnet wurde.
Für ausgewählte Krankenheiten: Gallenblasenentfernung, Blinddarmentfernung, bestimmte Brüche gab es Fallpauschalen, d. h. einen Festbetrag, der nur dann, wenn der Patient über ein bestimmte Dauer hinaus im Krankenhaus lag, pro Tag länger und einen Betrag x aufgestockt wurde.
Seit 2003 gab es dann für alle Krankheiten "Fallpauschalen" insgesamt 661. Durch eine Diagnose und ggf. Nebenerkrankungen und Operationen, die nach einem bestimmten System (ICD- International Classification oder Diseases) verschlüsselt werden, kommt jeder Patient = Fall in eine bestimmte Fallpauschale, die eine Bewertungsrelation hat.
Da es ja nun "gesündere" und "kränkere" Patienten gibt, gab es so Fallgroupen wie: Blinddarmentfernung ohne Nebenerkrankungen, mit Nebenerkrankungen, mit schweren Nebenerkrankungen, mit Komplikationen, mit schweren Komplikationen usw. Da war das System schon deutlich unüberschaubarer. Außerdem gibt es eine untere Grenzverweildauer, wenn die unterschritten wird, wird von dem Betrag x etwas abgezogen, damit die Patienten nicht zu schnell aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Jürgen Junghänel, Chefarzt für Neurologie in einem Krankenhaus in Meppen, hat aus diesem Abrechnungssystem ein meiner Ansicht nach sehr gelungenes Stichspiel gemacht, das man aber nur dann durchschauen kann, wenn man eine Grundahnung von dieser Finanzierung hat.
Da wird für einen Stich eine Fallgruppe als Grundkarte gelegt. Diese wird ergänzt durch eine "geplante" Liegedauer. Dafür bekommt man eine bestimmte Vergütung. Diesen Stich kann man durch "schwere" Nebendiagnosen ergänzen. Außerdem gibt es dann so Karten wie "Blöder Chef" (hat das Abrechnungssystem nicht verstanden), der den Patienten schon nach 2 Tagen entläßt und damit muß man die o. g. Abschläge hinnehmen.
Wie gesagt, meiner Meinung nach ein sehr gelungenes Spiel, aber wohl nur für "Fachidioten".
Für 2005 haben sich die Abrechnungsmodalitäten schon wieder ziemlich geändert, es gibt jetzt über 850 Fallpauschalen, es gibt Zusatzentgelte und vieles andere mehr, was das System auch für Fachleute schwer durchschaubar macht.
In allen Krankenhäusern werden Fachleute zusätzlich eingestellt, die sich mit nichts anderem mehr beschäftigen, als mit dieser Abrechnung. Es wurden Millionen von Euro investiert in Hardware, Software, Schulung von Ärzten und Personal, damit richtig verschlüsselt und abgerechnet wird. Ob die Abrechnung im Krankenhause damit gerechter geworden ist, vermag niemand zu sagen, zumindest ist sie erheblich aufwändiger geworden.
Prognose: Im Jahr 2010 wird wieder nach Tagessätzen abgerechnet ...
In der Hoffnung, ein bißchen Licht in das Dunkel gebracht zu haben,
Ina