Beitragvon richard sivel » 23. November 2004, 15:29
hallo!
Der friedrich autor meldet sich zu wort ;-) Vielen dank für euer lob, das spiel betreffend...
Mike machte einen hausregel-vorschlag:
"Dazu werden wir 6 Runden statt 5 spielen, danach kommt dann der Haufen mit den restlichen Schicksalskarten inkl. historische Schicksalsschläge, die Partie dauert also 10-18 Runden. "
und bat den autor, also mich, um seine meinung.
Wie in den designer's notes des spiels vermerkt, habe ich lange statistiken über die probepartien geführt (wobei immer an kleinen parametern gedreht wurdem, um die gleiche siegbedingungen für alle 4 spieler herzustellen). So waren vor einer Dekade rnur 3 Karten notwendig um das spiel mite einem Sieg Prueßens zu beenden; und die maximal-dauer waren gar 27 runden (statt 23 wie jetzt).... Früher verlor Preußen die Subsidien auf einen Schlag, statt gestaffelt in zweien wie jetzt....
bevor ich in detail-überlegungen einsteige, möchte ich kurz die statistik heranrufen.
Ich kann da von spielen berichten, da wären Schweden in Runde 6, Rußland in Runde 7 und Frankreich in Runde 8 rausgefallen (waren noch andere Regeln als die derzeitigen). Auf dem papier ein klarer preußischer Sieg!?! -- Denkste. Frankreich gewann in Runde 6.
Ich kann von einer partie Berichten, da verlor Preußen die Subsidien in Runde10 komplett, Schweden schied in Runde 20 aus, Rußland in Runde 26, Frankreich in Runde 27 (ebenfalls noch ältere Regeln, s.o.) Keine Chance für Preußen?? -- Von wegen. Der Sieger hieß Preußen.
Ich kann von einer Partie berichten, da schied Rußland in Runde 5 aus, wodurch das bereits besiegte Preußen nochmal Luft bekam und sich mit Müh und Not über die Ziellinie (Runde 19) retten konnte....
und und und ....
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Kurz mal n bißchen statistik zu mikes angst der "ungleichheit"....
Die chance, daß die ersten 4 Schicksalskarten das Spiel beenden sind: 4/18 * 3/17 * 2/16 * 1/15 = 0,03 %. Also 3 von 10000 Partien sind hiervon betroffen. Das reicht für mich nicht als statistischer Grund aus, die Regeln zu ändern.
Anders sieht es bei Mikes Vorschlag aus: Die chance, daß 4 Karten unter den verbliebenen 12 das Spiel mit einem preußischen Sieg beenden, sind: 4/12 * 3/11 * 2/10 * 1/9 = 0,2%. Hier wird es statistisch langsam signifikant... Zudem sinkt der Mittelwert einer durchschnittlichen Preußen-siegt-Partielänge, von derzeit ca. 19 auf (grob geschätzt) 15....
Die Frage ist, ob diese Zeit den angreifern für einen Sieg reicht?? --- Alle testpartien, die gemacht wurden um die durchschnittliche spieldauer zu verkürzen, sagten: NEIN.
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Mike hat in seinen Betrachtungen übrigens nur die für Preußen positiven Schicksalsschläge aufgenommen. Die Subsidien-kürzungen sind aber auch noch da! -- Sie müssen unbedingt in die Betrachtung mit einbezogen werden!
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Nicht zu unterschätzen ist übrigens folgender Aspekt: Unterziehe ich die Karten einer Vorsortierung (z.b. 6 von 12) so "jagen" sich die relevanten Schicksalskarten (jede zweite ist dann eine). Das wirkt sich negativ auf den Spielspaß und das Fingernägelknabbern aus, weil man eh weiß daß das Schicksal ziemlich sicher zuschlagen wird, wenn z.b. die ersten beiden karten nichts passiert ist.
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Ich kann natürlich niemanden verbieten oder verhaften lassen ;-) wenn er eine hausregel einführt ... aber ich würde wirklich davon abraten! (im zweifel seid ihr selbst schuld, wenn es eine blöde partie wird...)
Ich stimme aber insofern zu, daß man für preußen sicherlich die meiste erfahrung braucht. Insofern könnte man in der tat einen regelsatz für "neulinge" und "erfahrene" spieler einführen. Aber ich würde da nicht an eine vorsortierung der karten denken, sondern eher an eine umkehrung der subsidien-kürzung (zuerst -1, dann -2), und evtl. die Reduktion der Start-Runden ohne Schicksalsschlag von 5 auf 4. ---- Das sind schon gewaltige Eingriffe in die Spielbalance! "Friedrich" ist so ein komple ausbalanciertes system, ich wäre da sehr sehr vorsichtig mit eingriffen!
(der playtest ergab z.b.: Gebt Frankreich einen General mehr und seine Siegchance verdreifacht sich!)
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Zur Spiellänge an sich:
Spieldauer ist angegeben mit 150+ min.
Soll heißen: Partien unter 2.5 stunden sind extrem selten.
Entscheidend für die dauer des spiels sind vor allem 2 faktoren:
a) wieviele runden dauert eine partie?
b) welches denk-naturell haben die spieler?
zu a) partien unter 10 runden sind sehr selten, über 20 gleichfalls. Also 10 - 20 runden. Setzt man pro runde durchschnittlich 15 minuten an, so heißt das: 150 bis 300 minuten. Bei erfahrenen Spielern werden die ersten 4 runden schneller gehen, da noch nicht so viel über-komplexe situationen entstehen. Gleichfalls schneller werden die letzten runden vergehen, wenn sich der kreis der angreifer ausdünnt.
Bei unerfahrenen Spielern ist die wahrscheinlichkeit eines preußischen frühen zusammenbruchs höher, da elementare strategische Regeln nicht eingehalten werden....
zu b) habt ihr totale schnelldenker und -spieler könnt ihr die geschwindigkeit steigern auf vielleicht 10 min. pro runde. Sind es langdenker, ist nach oben alles offen. Sorry, gegen diesen menschenschlag (zu dem auch ich sehr oft gehöre :-) ) kann man wenig tun, außer schachuhren einführen.
Was kann man tun, um die spielzeit generell zu beschleunigen?
* NUTZE DIE ZEIT EFFEKTIV. Nur weil du nicht dran bist, heißt das noch lange nicht, das dir verboten ist über deinen nächsten zug nachzudenken !
* Leute auffordern, nachzudenken, auch wenn sie nicht am zug sind.
* WENN ES EINE ERFAHRENE RUNDE ist, so kann man zu folgendem Verfahren übergehen:
a) Austeilen der Takt. Karten an Rußland, Schweden und Österreich, wenn Preußen seinen Zug beendet hat, und nachdem Hannover seine Karten erhalten hat.
b) Austeilen der Takt. Karten an Reichsarmee und Frankreich, nachdem Hannover seinen Zug beendet hat.
c) Wichtig: Die laut Regel vorgegebene Reihenfolge ist dabei STETS einzuhalten. Insbesondere gilt zu beachten:
* Rußland darf die schwedische neue Karte erst ansehen, wenn es seinen Zug beendet hat. Gleiches gilt für Österreich und Reichsarmee.
* Österreich darf Rußland keine Zeichen irgendwelcher Art (Jubel, Niedergedrücktsein) über die soeben erhaltenen Karten geben; oder sonstwie Information über die Art und Qualität der neuen Karten rüberwachsen lassen.
* Züge und Kämpfe der einzelnen Länder immer schön nacheinander ausführen.
* DAS AUSTEILEN DER KARTEN SOLL NUR DIE PLAN- UND DENKPHASE BESCHLEUNIGEN!
So, das wars erst mal, hoffe ich habe genug, und halbwegs interessant und verständlich aus der Autorenkiste geplaudert....
richard