Beitragvon RedPiranha » 25. November 2004, 15:36
Matthias Staber schrieb:
>
> Ich finde Candamir ziemlichen Mist:
>
> - Das Aufwerten des eigenen Charakters ist völlig
> überflüssig. Wer die meisten Tiere einfängt, hat gewonnen.
Das kann ich absolut nicht bestätigen, zwar kann man mit Tieren einige Siegpunkte direkt machen aber es gibt auch genügend andere Wege.
>
> - Alles an diesem Spiel ist dermaßen hysterisch auf
> Niedlichkeit und Familientauglichkeit getrimmt, dass es weh
> tut. Eine Mitspielerin drohte fast, das Spiel abzubrechen,
> wenn noch einmal jemand die Flavour-Texte der Abenteuer
> vorliest: "Ich schlage vor, wir sparen uns das und würfeln
> einfach." Ab da haben wir nicht mehr Honig gesammelt oder der
> verstoßenen Magd geholfen, ächz, sondern nur noch "auf die 6"
> gewürfelt, und "jetzt auf die 8".
>
ich habe es jetzt mehrmals gespielt, hab mir die Texte aber nie durchgelesen. Das kann natürlich daran gelegen haben, dass ich es das erste mal mit 3 Spielern gespielt habe, die es schon kannten und wohl deshalb die Texte nicht mehr vorgelesen wurden.
> - Das Wegekartensystem hört sich innovativ an, taugt aber in
> dieser Umsetzung nicht viel. Klaus Teuber hatte ja in einem
> Preview-Interview davon gesprochen, welche riesigen Vorteile
> dieses System gegenüber dem Verteilen von Plättchen auf dem
> Spielbrett hat (wie es z.B. Rückkehr der Helden verwendet).
> Ich sehe diese Vorteile nicht: Latsche ohne Hindernisse,
> sammel Krempel, schlag Wolf tot, schlag Bären tot, schlage
> Holz. Das wars. Und zwar völlig unabhängig davon, wo du dich
> befindest: Die Wölfe fühlen sich in Gebirge, Wald oder
> Grasland offensichtlich gleichermaßen wohl, genauso gedeihen
> die gleichen Pilze prächtig im Gebirge wie am Flussufer.
>
> Vielleicht ist es dieser Aspekt, der mich an diesem Spiel am
> meisten stört: Mit wie wenig zusätzlichem Regel- und
> Materialaufwand würden unterschiedliche Wegekartenstapel für
> die drei Landschaftsarten für mehr Abwechslung und Atmosphäre
> sorgen! Doch Fehlanzeige: So wie es momentan implementiert
> ist, reicht das lahme Wegekartensystem nicht einmal
> anstatzweise an die wesentlich stimmigeren Mechanismen heran,
> wie sie in Spielen wie Rückkehr der Helden, Prophecy oder
> auch Runebound verwendet werden.
>
Also das halte ich für unnötig und jedes mal zu schauen welche Wegekartenstapel man denn nun benutzen soll führt mE nur dazu, dass es noch länger dauert, Zwist auftritt weil man plötzlich merkt, dass man den falschen Stapel genommen hat und gerade im Grenzland zwisch Wald/Grasland, Grasland/Gebirge geht man ja auch mal vor und zurück, da jedes mal den Wegekartenstapel zu wechseln ist in meinen Augen wenig sinnvoll.
> - womit wir bei der Spielzeit wären: Würde das ganze rund ein
> Stunde dauern, würde mir Candamir trotzdem hin und wieder
> gefallen. Doch mit vier Spielern zieht sich das Spiel über
> drei Stunden hin. In der Zeit kann man auch, mit wesentlich
> mehr Spielspaß, die oben genannten Charakter-Levelup-Spiele
> spielen, bei denen vor allem das Upleveln auch etwas bringt,
> und nicht die Zahl der gefangenen Bergziegen und Rindviecher
> über Sieg oder Niederlage entscheiden (es ist ja das einzige,
> was über die gestelzten und holprigen Flavourtexte der
> Abenteuerkarten hinwegtröstet, und über diesen
> antiatmosphärischen Unsinn, dass ich mich stets zwischen drei
> Abenteuern entscheiden kann ("liebe Magd, ich sagte Ihnen
> vorhin im Wald schon, dass mich Ihre missliche Lage nicht
> interessiert, es bringt also gar nichts, wenn Sie mir ins
> Gebirge nachlaufen, ich überliste lieber den schlafenden
> Räuber, der da neben Ihnen liegt, der mich allerdins fatal an
> den schlafenden Räuber erinnert, der mir vorhin schon im
> Grasland nahe meines Dorfes auffiel"): Wenn ein anderer
> Spieler eh schon einen deutlichen Vorsprung beim Titel "Held
> Catan" hat - die meisten bestandenen Abenteuer - dann ist das
> Bestehen von Abenteuern ohnehin vollkommen überflüssig - es
> sei denn es lockt irgend ein Rohstoff, den ich dringend
> brauche.
Wie schon an anderer Stelle geschrieben habe ich noch nie 3 Stunden gebraucht wenn alle bei der Sache waren. Natürlich darf man dann nicht jedes Abenteuer vorlesen und muss die Zeit für das Erklären der Regeln abziehen. Wenn es nicht 3 Abenteuer zur Auswahl gäbe würde es meines Erachtens auch noch länger dauern, da man dann noch seltener auf Abenteuer trifft, die man bestehen kann.
>
> Fazit: Von mir bekommt "Candamir" nach fünf Partien einen
> beherzten Daumen nach unten. Ich werde es wieder spielen,
> aber nicht unbedingt danach verlangen.
>
> Matthias
Mir hat es bisher jedenfalls immer sehr viel Spaß gemacht.
Dr. Reiner Düren