Beitragvon Heinrich Tegethoff » 20. April 2005, 16:09
Hallo Kathrin,
wir hatten, nach der Pfefferkuchel-Bekanntgabe und noch in Oberhof,
ähnliche Diskussionen über die tatsächliche Bedeutung der Zahlen geführt.
> Eine gewisse Parallele sehe ich zur im Umfang natürlich noch größeren
> Fairplay-Scout-Aktion, und zwar unter dem Aspekt, dass es sich um eine
> Umfrage während eines Events handelt, das in einem definierten und
> begrenzten Zeitraum und an einem festen Ort stattfindet.
Der Vergleich mit der Fairplay-Aktion hinkt an zwei Punkten:
- Die meisten Spiele sind für alle verfügbar und können während der Woche
auch gespielt werden, und zwar viele Male statt nur einmal - bis man ein
Spiel wirklich beurteilen kann.
- Es sind nicht 400 Spiele einer Messe zur Auswahl, sondern real nur 40
oder 50 Neuheiten eines Jahrgangs. Das schafft bereits Konzentration.
Ob ich zB in Essen dem "Louis XIV" eine sehr gute Note gegeben hätte?
Keinen blassen Schimmer. Nach 4 Partien in Oberhof konnte ich dies sehr
wohl für mich beurteilen.
> Ist es nicht so, dass die Neugier auf die Nürnberger
> Neuheiten einen besonderen Einfluss auf den Pfefferkuchel
> ausüben?
Der NEU!=unbekannt-Effekt führt nur dazu, daß mehr Leute ein Spiel
in Oberhof zum ersten Mal spielen. Die Essenneuheiten waren ja auch
vorhanden und meist auch in genügend Stückzahl.
Bei der _Bewertung_ habe ich dann aber sehr wohl auch meine in Oberhof
nicht gespielten Jahrgangs-Spiele berücksichtigt. Ob dies alle taten oder
nur auf die in Oberhof gespielten Spiele blicken, kann ich nicht sagen - die
Aufforderung zu "Jahrgang" war aber klar.
Nur weis ich halt auch von einem Ubongo=3-Wähler, da0 dieser nur einen
Wochenrückblick machte.
> --> Insofern ist es doch umso bedeutsamer, dass Das Zepter
> von Zavandor als Essener Neuheit in den Top 10 auftaucht.
Da steht Niagara aber viel weiter oben. Bemerkenswert ist DZvZ aber
insofern, als daß es kaum vorhanden war und eine enorme Spielzeit
an den Tag legt(e), so daß nur wenige überhaupt mit dem Spiel im
Kontakt waren. Langzeitspiele = tiefer Eindruck = viele Punkte? Vielleicht.
> Wie gross ist der Einfluss der Verfügbarkeit - welche Spiele
> waren in genügender Anzahl vorhanden, von welchen Spielen gab
> es erst wenige Exemplare?
Neben der Verfügbarkeit in Anzahl ist die Spieldauer viel wichtiger: von
Ubongo gab es die meiste Zeit über nur ein Exemplar - die Spieldauer
von 20-30 Minuten machte das Spiel aber für viele dann doch verfügbar.
Als Absacker und Lückenfüller angesehen nahmen es auch viele in die Hand.
> --> Hier kann es zwei Einflüsse geben: Einerseits eine hohe
> Verfügbarkeit, die dazu führt, dass viele Partien dieses
> Spiels absolviert wurden und dementsprechend viele Leute es
> kannten und in die Bewertung aufnahmen.
Eigentlich sagst Du gerade: die Häufigkeit der Partien spiegelt sich
dominant in der Bewertung wieder. Aber die "guten" Spiele wurden
auch schlicht häufiger mehrfach gespielt, andere dann nur einmal.
*** Aber es zählt doch erst einmal nur, ob jemand das Spiel _überhaupt_
spielen konnte! Insofern kann man nur sagen, daß eine geringe
Verfügbarkeit wie zB bei Manila eine bessere Bewertung verhinderte,
aber bei ausreichender Verfügbarkeit konnte jeder sein Urteil bilden und
hat auch entsprechend gewertet.
Insofern widerspreche ich der Formel "viele Partien => viele Leute kennen
es => hohe Wertung". Ich setze "viele Partien => alle kennen es => die
besten kommen durch" dagegen.
> Niagara erhielt eine
> häufige Bewertung und konnte damit eine gute Platzierung
> landen. Wenn man die Berichte liest, erfährt man aber auch,
> dass einige Teams in Oberhof waren, die im Mai in Herne am
> DM-Finale teilnehmen werden. Niagara wurde also alleine zum
> Training des öfteren gespielt - viele Partien, die einen
> zusätzlichen Anschub gegeben haben?
Viele Partien heißt noch nicht, daß MEHR Spieler von dem Spiel
dann überzeugt waren. Das Spiel spricht vielmehr mehr Spieler an,
hat eine passende Spieldauer und damit ein breiteres Publikum in
Oberhof. Das ist als Faktor für ein gutes Abschneiden nicht falsch.
> Andererseits kann eine hohe Nachfrage herrschen, wenn ein
> Mangel herrscht, was die Neugier auf ein Spiel damit
> angefacht wird.
Glaube ich nicht: ist ein Spiel nicht verfügbar, so wird halt ein anderes
Spiel gespielt. Spiele die man besser kennt steigen meist im Ansehen.
Ergo werden _andere_ Spiele höher bewertet.
Im Gegensatz zu einer Messe wie in Essen greift man halt auch zum Spiel
das gerade da ist, und bricht die Suche ab. Gewartet wird nur selten.
> Wenn ich es richtig verstanden habe, ist
> König Salomons Schatzkammer nur vereinzelt verfügbar gewesen
> - die bisherigen Beschreibungen des Spiels machen auch mich
> neugierig, aber können hier nicht auch die genannten Effekte
> (geringe Verfügbarkeit und eine sicher auch gute Resonanz)
> einen zusätzlichen Schub gegeben haben?
Meinem Empfinden nach wurde das Spiel als "erstes brauchbares
Clementoni-Spiel" gepuscht. Allemal haben Geheimtipps und damit
gute Resonanz Einfluß auf die Wertung. Aber wieder gilt: man konnte
nur drei Spielen seine Punkte geben, und nicht wie als Fairplay-Scout
vielen eine Note. Geringe Verfügbarkeit macht's Spiel nicht besser.
> ... Kann nicht das
> schlechtere Abschneiden von San Juan [i]unter anderem[/i]
> darauf zurückgeführt werden, dass einfach der Fokus auf die
> neueren Spiele gesetzt wurde?
Neuere Spiele haben grössere Aufmerksamkeit. Liest man die gesamte
PK-Liste durch, so stehen die Essen-Neuheiten eher weiter unten.
Komisch, daß die SdJ-Jury letztes Jahr auch nur Nürnbergneuheiten
nominierte... Muß was dran sein, aber immerhin sind beim PK die
Essener Spiele nicht vergessen worden.
> .... Eine gewisse Zurückhaltung bei der
> Interpretation der Ergebnisse jenseits der Top 6 (der Abstand
> von Australia zum Zepter ist schon markant) sollte man also
> schon an den Tag legen.
Es ist halt nicht das DSP, sondern es sind halt nur 134 Stimmen und
dann auch nur 3 statt 5 Spiele. Ob Diamant nun Platz 4 oder, mit einer
3er-Stimme weniger auf Platz 6 liegt, ist halt eng. Und da nur drei Spiele
bepunktet wurden kommen die weiter unten relativ schlechter weg als
beim DSP - sollte man sich vor Augen halten, aber in wie weit sich
dadurch echte Platzierungen verschieben, sofern man eine 4-Punkte-Varianz
mit einbezieht?
> ... Einen größeren
> Einfluss oder eine tiefere Aussage insbesondere auf die
> Preisvergabe des Spiels des Jahres kann man aber mit diesem
> Preis nicht ableiten.
Wahrlich nicht - der PK spiegelte in 2004 hervorragend den DSP wieder,
aber halt nicht die Nominierungsliste. Sprich: Oberhof ist ein Vielspieler-Treffen.
Das Spiel des Jahres ist aber auch dann auf den ersten 4 (oder 6) Rängen zu
finden. Wer sich also die ersten 6 Spiele ansieht, hat mit bester
Wahrscheinlichkeit auch das SdJ dabei. Tja, aber welches?
Servus,
Heinz (der sehnsüchtig auf Fotos von Oberhof wartet)