Beitragvon Marten Holst » 21. Juli 2005, 13:05
Moin,
> Ich argumentiere in solchen Fällen erstmal gar nicht,
> sondern drehe den Spieß einfach um:
> Wenn mir jemand einen der o.g. Sätze vorsetzt, frage ich,
> warum er denn der Meinung ist, dass das so sei. Und dann
> immer schön weiter bohren: was weisst du über Spiele, wie
> funktionieren sie, welche Typen gibt es usw. usf. Damit
> kann man dem Gegenüber erstmal die Luft ablassen weil er
> fast immer sehr schnell merkt, dass sein Horizont auf
> diesem Gebiet ziemlich begrenzt ist.
wobei die Taktik zwar rhetorisch funktioniert - aber nicht wirklich überzeugend ist. In Gebieten, in denen ich mich "nicht wirklich auskenne", kann mir ein nur halbwegs versierter immer das Fell über die Ohren ziehen, selbst wenn er den größten Blödsinn verzapft. So funktioniert 90% der Öffentlichkeitsdarstellung von Esoterik :-)
> Oder - viel interessanter - man
> fragt weiter nach, wie denn nach Meinung des Gegenübers
> eine Freizeitbeschäftigung für Erwachsene auszusehen hat.
> Ist Bowling kein Spiel? Ist Billard kein Spiel? Liegt
> einem Schützenfestbesuch mehr Ernsthaftigkeit inne als
> einer Partie Bohnanza?
Das wiederum gefällt mir. Ich habe ja mit meinen momentanen Haupthobbies allgemein sämtliche Klischeevorurteile glaube ich inzwischen gehört:
Brettspielen - Kindisch, albern, "tut man nicht"
Schach spielen - trocken, mathematisch, der Typ hat keinen Spaß am leben (die beiden auch gerne so vom selben Gegenüber)
Tanzen - schwul, kein "richtiger Mann" (ja, kommt genau so.)
Fußball - Prolet, Dummbratz, kann nicht bis 3 zählen.
Wenn man das jetzt alles zusammn fügt, kommt da wiederum so was interessantes bei raus, dass man es fast gerne wäre :-)
Das Umfeld, bei dem ich am meisten "Probleme" damit habe, ist allerdings der Kollegen- und Freundeskreis einer Exfreundin. Die lehnen eh jegliche "organisierte" Freizeitbeschäftigung ab (organisiert ist alles obige... wieso auch immer) und - jetzt kommen meine aus ihren Beschreibungen gebildeten Klischees - sitzen jeden Abend Cocktail trinkend vor dem DVD-Spieler, der trotz des Namens wirklich nicht mehr viel mit unserem Hobby zu tun hat.
> Problematisch kann es allerdings werden, wenn man selbst
> ausser (Brett-)spielen keine anderen, wesentlichen
> Interessen hat. Es soll ja Leute geben, die außerhalb von
> Regellektüre, Spielkreisen und Turnieren keine weiteren
> sozialen Aktivitäten zeigen. Sowas wirkt auf Außenstehende
> natürlich immer etwas seltsam ("Spieler sind übergewichtig,
> Stubenhocker und müffeln unter den Armen")
Und - auch das sollte man mal sagen - diverse solcher Vorurteile tragen in der Hinsicht einen Keim an Wahrheit in sich, dass es die jeweiligen Typen auch gibt. Meist wohl auch häufiger im Bevölkerungsschnitt. Wenn man Fotos von Spielertreffen (oder in meinem Fall auch gerne Schachturnieren) sieht, findet man doch eine auffällig hohe Zahl an Leuten, die nett, sympathisch und was weiß ich noch alles sein mögen, aber nicht unbedingt Werbung für ihr Hobby laufen.
Tschüß
Marten