Beitragvon Ralf Rechmann » 30. Dezember 2005, 14:29
Ich hab es bisher nur in einer 2er-Erwachsenenrunde gespielt:
Der "wir spielen im Dunkeln" Faktor macht den eigentlichen Reiz des Spiels aus. Dadurch unterscheidet es sich wohltuhend von den ganzen anderen Spielen, die sonst so auf den Tisch kommen. Die leuchtenden Spielelemente, ohne die anderen Hindernisse oder gar Aktionen oder Reaktionen der Spieler direkt sehen zu können, sind schon irgendwie faszinierend. Damit ist schon mal eine besondere, weil eher ungewohnte, Atmosphäre erzeugt... den Rest muss der Spielablauf leisten!
Da minimiert sich das Spiel leider auf das Wegschieben von Hindernissen, die man nicht sieht oder nur im fahlen Lichtschein der Leuchtelemente ahnt oder deren Position man durch das "klack" beim Runterfallen meint, einordnen zu können - man sieht ja, wohin der aktive Spieler die Leuchtsteine verschoben hat und kann daraus die Schieberichtung schliessen. Klingt nach wenig, ist auch ein bisschen wenig für ein abendfüllendes Spielerlebnis.
Bei uns hat eine Zweierpartie kaum 5 Minuten gedauert und eigentlich nur relativ wenige Züge, bis man einen seiner leuchtenden Feuerkelche in den Flammenring geschoben hatte. Gerade zu Zweit zeigte sich dann auch, dass man die Aktionen des Gegenspielers kaum vereiteln kann - entweder sorge ich dafür, dass einer meiner Feuerkelche näher in die Mitte geschoben wird oder ich schiebe mit meiner Aktion eher einen gegnerischen Feuerkelch von der Mitte wieder weg. Beides in einer Aktion klappt kaum. Und danach ist ja wieder direkt der Gegenspieler am Zug, um meine destruktive Aktion zu negieren, und sich selbst den Sieg zu sichern...
Deshalb verschenkt Nacht der Magier in einer Zweierrunde auch viel vom eigentlichen Spiel, da ich eindeutig zu viel Einfluss auf die zu verschiebenden Spielelemente habe. Wenn allerdings drei Spieler zwischen meinen eigenen Aktionen drankommen, dann würde eine Partie auch etwas länger dauern und auch von mehr Seiten (da vier Spieler unterschiedliche Schiebstrategien verfolgen, denn bei zwei Spielern hat sich nach wenigen Zügen die Hauptschiebrichtung zum Spielsieg offenbart) sich ein Hin- und Hergeschiebe ergeben.
So oder so bleibt Nacht der Magier für mich aber kein abendfüllendes Spielerlebnis und ich glaube, das will und kann es auch überhaupt nicht sein. Für eine halbe Stunde (bei mehreren Partien) Auflockerung zwischen zwei Brainburner-Spielen sorgt es aber allemal. Und die Regeln sind schnell erklärt, auch Nichtspieler werden durch das "Besondere, weil im Dunkeln" ins Spiel gezogen. Ein Spiel für mich vergleichbar mit Bamboleo, das man ab und zu mal immer wieder gerne spielt, weil es eben mal kein Rohstoffe sammeln, Machtpositionen ausbauen oder Mehrheiten erzeugen Brettspiel-Einheitsbrei ist.
Mein Fazit: Für 30 Euro bekommt man einen guten Gegenwert in Sachen Faszination Spielspass - und das Spielmaterial aus Holz und die leuchtenden Zauberhutfiguren überzeugen sowieso!
Cu/Ralf