Beitragvon Roman Pelek » 3. November 2006, 01:16
Hallo Jan, hallo Marten,
Marten Holst schrieb:
> schade, gerade am Beispiel El Grande wollte ich es nämlich
> erzählen. Sicherlich ist es ein Spiel, dass "niemanden"
> überfordert, aber als selbst zu erarbeitendes Spiel einer
> sonst nicht spielerfahrenen Gruppe/Familie ohne helfende Hand
> ist es doch harter Tobak.
>
> Torres und Tikal subjektiv noch mehr (TuT eher weniger, auch
> wenn ich die Regel chaotisch gemacht finde), aber gerade El
> Grande als Preisträger wirkte doch schnapsidealisiert.
Ich entsinne mich selbst noch sehr gut an meine erste Begegnung mit El Grande. Ich befand mich nach einer längeren Brettspielabstinenz aufgrund verstärkten Rollen- und PC-Spielkonsums gerade selbst in einer Resozialisierungsphase und wollte meinen Mitspielern das frisch erworbene El Grande erklären.
Meine Brettspielerklärungskünste waren damals ob oben geschilderten Sachverhalts vermutlich wirklich nicht die besten, aber als nach dem Ende alle anderen Anwesenden mich mit großen Augen ansahen und meinten "Ja, äh, und, was sollen wir jetzt in diesem Spiel denn überhaupt wieso tun?" dachte ich mir "Das lief hier aber für uns alle schonmal deutlich besser, Pelek." Der Rest der Partie war dementsprechend ein desorientertes Hin-und-her-Geeimere, an deren Ende Kommentare fielen wie "Komm' jetzt lieber noch'n Siedler."
Ein paar Jahre später, mittlerweile liebte ich El Grande sowie eine andere Freundin namens Claudia heiß und innig, kamen auf einer Familienfeier zwei entfernte Verwandte auf uns zu und meinten "Ihr spielt doch beide so gerne, wie man hört?" - "Von Zeit zu Zeit halt..." - "Dann erklärt uns doch bitte mal ein älteres Spiel des Jahres, das wir noch im Schrank haben.". Das Spiel hieß El Grande, die Begründung, warum es nie gespielt wurde, lautete "Oh, wir haben mal in die Regel reingesehen und dann lieber unsere Magic-Karten ausgepackt." Die nachfolgende Partie verlief im Übrigen sehr gut. Ich überließ die Erklärung nämlich Claudia. Mal abgesehen von ein paar unwesentlichen Reinredereien meinerseits, die sie damals irgendwann mit "Klappe jetzt endlich, oder Du läufst heute Abend die 100km nach Hause" quittierte.
Meine Begegnung der dritten Art mit El Grande verlief sehr ähnlich zur zweiten. Diesmal allein unterwegs lautete die Frage: "Kannst Du uns mal ein Spiel erklären, das wir schon länger, aber noch nie gespielt haben?" - "Ist es zufällig El Grande?" - "Äh, woher...?" - "Nein, sagt jetzt bitte nichts, lasst mich einfach mal kurz mit meinem Kopf auf der Tischplatte ganz allein verzweifeln." - (Pause) - "Geht's dann jetzt endlich wieder, Roman?" - "Ja, wohlan, ich erklär euch jetzt gerne ein wirklich tolles Spiel, wir werden 'ne Menge Spaß haben." Die "self fulfilling prophecy"-Methode funzte sogar. Obwohl ich mir beim Erklären ständig selbst reinredete. Dadurch lernte ich aber auch endlich verstehen, warum Frauen Männer manchmal gerne (er)schlagen möchten.
Ciao,
Roman (Marten, diesmal warst Du schneller. Klarer Ausgleichstreffer, Holst ;-) )