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Hermagor: Spielmechanik und Thema

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Ralf Rechmann

Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Ralf Rechmann » 26. November 2006, 02:01

Hallo Zusammen,

hab mich vorgestern Abend als Bettlektüre durch die Anleitung von Hermagor gelesen. Soweit so gut - mit den Hinweisen hier im Forum auch gut verständlich, weil kompliziert ist der Spielablauf ja nicht.

Allerdings hab ich ein wenig Probleme, mir die Umsetzung der Spielmechanik abgebildet in den thematischen Rahmen vorzustellen. Irgendwie komme ich da mit meinen Gedankenspielen nicht weiter und das ist eigentlich sonst für mich immer ein schöner Weg, sich thematisch eingebetete Spielmechanismen bildlich vorzustellen. Also...

Die Einkäufer kaufen auf dem Markt ein und müssen für gute Positionen an den Marktständen mehr Geld bezahlen, als an anderen Stellen. Dann aber bekommen sie auf einmal Geld von der Bank, wenn sie sich viele der eigenen Einkäufer in der gleichen Marktgasse befinden. Warum?

Ein einziger Verkäufer reist munter von Dorf zu Dorf und hat dort das Recht, bestimmte Warensorten zu verkaufen. Diese Rechte haben die Einkäufer im Markt von Hermagor erworben. Wie stehen jetzt aber Einkäufer und Verkäufer in Verbindung, wenn die einen in Hermagor sind, der andere aber in der Weltgeschichte und nicht immer von Hermagor starten muss?

Irgendwie wirkt das arg aufgesetzt und mit den Hintergrunderklärungen in der Spielregel komm ich auch nicht weiter, weil die wollen mir genauso wenig wie meine eigenen Erklärungen da oben passen. Kann aber auch sein, dass fast jedes Brettspiel diese Abstraktion hat und es mir eben jetzt bei Hermagor nur besonders aufgefallen ist. Hoffe mal, dass es den Spielspass beim eigentlichen Spiel nicht negativ beeinflusst.

Wie seht Ihr das: Gehört zu einem guten Spiel auch eine logische Verknüpfung zwischen Spielmechanismen und Thema? Oder erleichtert es nur den Spieleinstieg, weil am Ende des Tages sind es die nackten Spielmechanismen, die Spielvergnügen bereiten. Und wo bleibt dabei die Spielatmosphäre, mit einem Brettspiel in eine andere Welt einzutauchen?

Cu/Ralf

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Dietrich

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Dietrich » 26. November 2006, 09:20

...hast wohl gestern zu lange J. Pilawa (Frag doch mal die Maus) gesehen, weil Du hast das auch drauf mit den 'weil'-Nebensätzen! :-/
Wenn Du statt 'weil' das Wort 'denn' einsetzt, stimmt's wieder.

Mit freundlichem Gruß
Dietrich

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Attila
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Beiträge: 4715

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Attila » 26. November 2006, 09:54

Hiho,

So gesehen sind so ziemlich alle Spiele (mit Thema) arg aufgesetzt.

Atti

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Michael Andersch

RE: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Michael Andersch » 26. November 2006, 10:45

Hallo Ralf,

> Die Einkäufer kaufen auf dem Markt ein und müssen für gute
> Positionen an den Marktständen mehr Geld bezahlen, als an
> anderen Stellen. Dann aber bekommen sie auf einmal Geld von
> der Bank, wenn sie sich viele der eigenen Einkäufer in der
> gleichen Marktgasse befinden. Warum?

Abstraktionen in Brettspielen oder aufgesetzte Themen sind wir ja alle gwohnt. Und auch das Thema von Hermagor finde ich da nicht unbedingt aufgesetzter als bei anderen Spielen.
Aber beim letzten von Dir erwähnten Punkt (Geld für Einkäufer in gleichen Reihen), da habe ich auch gestutzt.
Allerdings nur während des Regellesens. Während des Spiels war mir das völlig schnuppe, denn der Mechanismus ist spieltechnisch sinnvoll (bringt zusätzliche Zwänge) und das Spiel insgesamt finde ich wirklich klasse.

Gruß,
Micha

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Jürgen Eberhardt
Kennerspieler
Beiträge: 105

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Jürgen Eberhardt » 26. November 2006, 12:57

Auch ich habe große Probleme mit dem Thema von Hermagor. Inzwischen "verkaufe" ich das Spiel, wenn ich es erkläre, als Reisespiel ("Ihr kennt doch alle Elfenland ..."). Die gesamte Terminologie mit Waren, Marktständen, Einkäufern, Verkäufern, Fabriken, etc. erwähne ich gar nicht.

Ich komme dann immer so:
- Ihr müsst den Spielplan bereisen
- Das Reisen kostet Geld
- An den Reisestationen kann man Häuser bauen. Dafür erhält man Geld.
- Um aber überhaupt bauen zu dürfen, benötigt man Baugenehmigungen, die man ersteigern muss.
- Es gibt noch Bonusmöglichkeiten: Das Umschließen von Gebieten (bringt einmal sofort und einmal am Spielende Geld), die meisten Gebäude an der Hauptstraße, die Gebäude in der schwächsten Region.
- Dann erkläre ich noch die Versteigerung der Baugenehmigungen - fertig.

Insgesamt ein klasse Spiel, das bisher immer sehr gut angekommen ist !

Schöne Grüße,
Jürgen

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Hendrik

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Hendrik » 26. November 2006, 13:08

Früher war mir das Schnuppe.
Ein Spiel macht mir Spass, wenn die Mechanismen gut funktionieren, nicht wahr?
Folgerichtig wären dann Spiele wie Abalone oder Yinsh meine Lieblinge.
Sind sie aber nicht.
Also ist Thema doch wichtig.
Umso augenscheinlicher wird dieser Diskussionspunkt, wenn man sich ein wenig auf BGG bewegt. Für viele Amerikaner scheint das Thema beinahe wichtiger zu sein als die Mechanismen (US-Games/Wargames) im Gegensatz zu German Games (europäische Spieleschule) wo abwechslungsreiche Mechanismen wichtiger scheinen.

Puerto Rico ist ein Spiel mit sehr starkem Bezug zum Thema. Das Thema kann nicht einfach ausgewechselt werden.
Ra ist umgekehrterweise ein einfaches Auktionsspiel, welches nicht zwingend Ägypten als Thema bräuchte. Das Thema wirkt aufgesetzt.

Nicht dass deswegen Ra ein unbeliebtes Spiel wäre, aber erst wenn Thema und Spielemechansimen eine logische Einheit bilden, kann das Spiel sein Potential zum Tophit wirklich ausschöpfen.

Insofern stimme ich Ralf zu, dass in Sachen Abstraktion der Wirklichkeit (Handeln) im Spiel Hermagor logische Stolpersteine vorkommen.
Diese müssen sich deswegen aber auf der Ebene der Spielmechanismen nicht weiter bemerkbar machen.
Dennoch wird es an bspw. Puerto Rico nicht heranreichen, weil eben nicht alles "aus einem Guss" erscheint.

Cheers Hendrik

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Fabian P.

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Fabian P. » 26. November 2006, 22:45

Hallo Ralf,

als mir Hermagor erklärt wurde, habe ich mir dieselbe Frage gestellt: Warum ist eine Reihe in der Markgasse besser?

Ralf Rechmann schrieb:
> Wie seht Ihr das: Gehört zu einem guten Spiel auch eine
> logische Verknüpfung zwischen Spielmechanismen und Thema?
> Oder erleichtert es nur den Spieleinstieg, weil am Ende des
> Tages sind es die nackten Spielmechanismen, die
> Spielvergnügen bereiten.

Bezogen auf Hermagor: Für den Spieleinstieg wäre es sicher schöner, wenn auch der Mechanismus im Markt thematisch besser verankert wäre. Aber während des Spiels bereitet wirklich der pure Mechanismus das Spielvergnügen, man fragt nicht mehr nach dem warum!

Gruß
Fabian

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Christian Brunner
Kennerspieler
Beiträge: 289

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Christian Brunner » 27. November 2006, 08:58

Hallo Ralf,

Hermagor ist in der Tat eigentlich ein sehr abstraktes Spiel. Trotzdem hier mein Versuch, Thema und Mechanismen in Einklang zu bringen:

1. Mehr Einkäufer in einer Gasse
Zum einen könnte man argumentieren, das mehrere eigene Einkäufer in einer Gasse mehr "Macht" darstellen und die Auszahlung als eine Art "Rabatt" betrachten. Zum anderen wird in der Spielregel darauf verwiesen, das sich die Einkäufer gegenseitig mit Informationen versorgen, was natürlich besser klappt, wenn Sie näher beieinander sind. Informationen sind dann als "geldwerter Vorteil" zu sehen, den die Bank auszahlt...

2. Verbindung zwischen Ein- und Verkäufer
Den Verkäufer, der von Dorf zu Dorf reist, kann man sich vielleicht eher als Handelsagenten vorstellen. Dieser verkauft nicht die Ware an sich, sondern ein Lieferversprechen daran. Deswegen muß er nicht immer wieder nach Hermagor zurückkehren und neue Ware holen.
Ja, ja, das hat nichts mit der mittelalterlichen "Realität" zu tun, aber das haben Dracheneier ja auch nicht...

Kaufmännische Grüße,
Christian

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Ferendra

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Ferendra » 27. November 2006, 09:00

Also ich habe für mich erdacht, daß die Händler auf dem Markt eine ganze Weile An- und Verkauf betreiben während sie sich an einem bestimmten Teil (Plazierung) besonders um den Einkauf bestimmter Waren bemühen.
Das Geld das der Spieler erhält spiegelt den Erfolg der einzelnen Händler(figuren) wider durch An- und Verkauf selbiges erwirtschaftet zu haben...

Gruss
Ferendra

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Frank

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Frank » 27. November 2006, 09:46

Wow,
ich bin echt erstaunt über die Antworten.
Insbesondere über den tollen Erklärungsansatz von Christian.

Ich hatte nur einen Gedanken, als ich Deine Fragen gelesen habe:
Hast Du keine anderen Probleme?
Hermagor ist ein tolle Spiel mit absolut stimmigen Mechanismen PUNKT

Gruß
Frank

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peer

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon peer » 27. November 2006, 10:45

Hi,
Frank schrieb:
>
> Wow,
> ich bin echt erstaunt über die Antworten.
> Insbesondere über den tollen Erklärungsansatz von Christian.
>
> Ich hatte nur einen Gedanken, als ich Deine Fragen gelesen
> habe:
> Hast Du keine anderen Probleme?
> Hermagor ist ein tolle Spiel mit absolut stimmigen
> Mechanismen PUNKT

Aber das ist nicht für alle Leute das was zählt. Es gibt eine ganze Menge Leute, denen ist das Thema z.B. wichtiger als der Mechanismus. Da geht es beim Spielen in das Eintauchen in eine andere Welt, der Mechanismus ist nur Mittel zum Zweck.
Also: Auch wenn ich deiner Aussage nicht wiedersprechen möchte, möchte ich doch darauf hinweisen, dass andere Menschen, andere Prioitäten setzen. :-)

ciao
peer

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Frank

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Frank » 27. November 2006, 11:33

Ja, da hast Du sicher recht.
Aber ich frage mich halt, was so ein Thread soll.
Das Eintauchen in eine andere Welt findet doch primär bei Rollenspielen statt.
Ansonsten halte ich es mit Attila, dass nahezu alle Themen aufgesetzt sind!
Wenn der Mechanismus absolut stimmig ist (wie hier der Fall) stellt sich mir Ralfs Frage wirklich nicht.

Gruß
Frank

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JonTheDon

Meuterer

Beitragvon JonTheDon » 27. November 2006, 12:54

... hab ich damals nicht gemocht, weil man auf den Inseln erst verkaufen konnte, nachdem das Schiff wieder weggesegelt war. Diese thematische Ungereimtheit hat mir das ganze Spiel verleidet, obwohl das sonst sicher meine Welt gewesen wäre.

Gruß Jon

P.S. Ich habe Hermagor auch gekauft, aber überlege, es abzugeben, weil das Thema mir zu aufgesetzt scheint.

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Andreas Odendahl

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Andreas Odendahl » 27. November 2006, 13:53

Mich stört an dem Spiel eigentlich nur, dass es so wahnsinnig hässlich ist! Bei mir spielt das Auge immer ein wenig mit... Beim Spielmechanismus wirst du in jedem Spiel fündig, wenn du da Knackpunkte suchst... Mich stört das meist weniger. Ein Beispiel: Bei Bison kann man auf einem Markt Indianer, also Menschen, "kaufen", bzw. ertäuschen. Und zwar gegen tote Tiere (für mich als Vergetarier ein Afront!!!). Also Menschenhandel und Tiermord!!!

:grin:

Und wißt ihr was? Ich liebe dieses Spiel!!!

ode.

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peer

Re: Hermagor: Spielmechanik und Thema

Beitragvon peer » 27. November 2006, 17:38

Hi,
Frank schrieb:
> Ansonsten halte ich es mit Attila, dass nahezu alle Themen
> aufgesetzt sind!

Hm, sicher hat jedes Spiel seine Vereinfachungen, aber es gibt doch schon deutliche Unterschiede zwischen den Spielen:
Z.B: "Funkenschlag" und "Zug um Zug" : Beides Streckenlegespiele, aber das eine eine echte Simulation, die sich thematisch anfühlt, das andere ein Mechanismus mit Thema (ZuZ mag ich übrigens lieber). "Schatten über Camelot" oder "Betrayal at the house on the hill" leben sogar von ihrem Thema: Abstrakt wären sie nur halb so gut...

ciao
peer

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Hendrik

Re: Funkenschlag: Spielmechanik und Thema

Beitragvon Hendrik » 27. November 2006, 17:57

peer schrieb:


> Z.B: "Funkenschlag" und "Zug um Zug" : Beides
> Streckenlegespiele, aber das eine eine echte Simulation, die
> sich thematisch anfühlt, das andere ...

Funkenschlag eine (echte) Simulation? :???:
Nicht, das ich dieses Spiel nicht mögen würde, aber von einer
Simulation über das Agieren von Energiekonzernen ist es noch
weit entfernt.

Cheers Hendrik
(der als Energiemagnat schon immer genau 3 Kraftwerke besitzen
wollte und bei Vieren ein überflüssiges einfach verschrottet)

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peer

Re: Funkenschlag: Spielmechanik und Thema

Beitragvon peer » 27. November 2006, 19:06

Hi,
Hendrik schrieb:
>> Funkenschlag eine (echte) Simulation? :???:
> Nicht, das ich dieses Spiel nicht mögen würde, aber von einer
> Simulation über das Agieren von Energiekonzernen ist es noch
> weit entfernt.

Stimmt, Simulation ist sicherlich etwas hochgegriffen (und natürlich enthält es einige Mechanismen die das SPIEL besser machen, die SIMULATION aber vernachlässigen) aber ich denke dass das Grundgefühl des Aufbauens eines Energienetzes schon gut und auch thematisch umgesetzt wurde. Jedenfalls thematischer als der Streckennetzbau bei ZuZ :D

ciao
peer

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