Beitragvon achim » 26. August 2007, 22:01
Hallo,
wir haben heute Phoenicia von Tom Lehmann, erschienen bei JKLM/Rio Grande Games, gespielt, oder versucht zu spielen.
Wenn auch Kleinverlag, so finde ich das mit zunehmenden Alter einfach immer ärgerlicher, wenn ich stundenlang an der Spielregel basteln muss, bis endlich mal so etwas wie ein Spiel zustande kommt.
Ich beginne mal mit dem Spielmaterial:
1. Graue Scheiben sind weisse.
2. Dass es fünf zusätzliche 5er-Karten gibt, sucht man in der deutschen Regel vergeblich.
3. 45 Arbeiterfiguren, wobei höchstens 40 zum Einsatz kommen können. Mehr Spielmaterial ist ja gut, sollte aber als Ersatzmaterial gekennzeichnet sein, da man sich sonst fragen muss, ob man was falsch spielt.
4. 40 Produktionskarten entpuppen sich als 60 Karten. Wieviele soll man nun verwenden?
5. Wozu man 40 Lagerhäuser braucht ist zunächst mal unverständlich. Hierzu benötigt man zumindest eine Regelklärung.
6. Die Produktionskarten mit dem Wert 4 sind im Rücken etwas dunkler als die anderen Karten, somit auch bei schlechten Lichtverhältnissen erkennbar.
Die deutsche Regel wirkt so, als hätte Ferdinand das Spiel vor der Regelübersetzung nie gesehen, anders kann ich mir die stellenweise holbrige Übersetzung nicht erklären. Vielleicht wurde seine Version auch im Nachhinein überarbeitet, (verschlimmbessert). Soll ja schon mal vorgekommen sein. Ich will ihm da nichts Böses unterstellen.
Beispiele gefällig:
"Dorfplättchen", "Lagerplättchen" und andere "Plättchen" sind 7x10cm große Kartons, graue Scheiben sind weiss.
Den Begriff "strategische Zonen" würde ich mir patentieren lassen, und dass bei Gleichstand gebrochen wird, war mir auch neu. So leer, wie nach diesem Spiel war mein Magen noch nie.
Ein größeres Problem hatten wir auch mit der Regelauslegung im Hinblick auf die Lagerhäuser.
Wenn ich die Regel richtig verstehe, so habe ich zu Beginn des Spieles zwei Lagerhäuser auf meiner Lagerkarte. Mehr Lagerhäuser dürfen da nicht stehen oder? Wenn ich mittels der Karte Granery die Lagerkarte drehen darf, bekomme ich noch zwei weitere Lagerhäuser dazu. Nach meinem Verständnis ist jetzt die Kapazität der neuen Lagerhalle erreicht. Durch viele andere Karten kann man aber weitere Lagerhäuser erhalten, was passiert mit diesen, und was ist, wenn ich keine Granery-Karte ersteigern kann? Es sind nur 3 Stück davon vorhanden. Das erscheint alles nicht sehr logisch.
Die Kartenübersicht auf der letzten Seite der Spielregel finde ich jetzt (nach dem Spiel) ganz gut, als Newbie konnte ich damit leider nichts anfangen. Eine wörtliche Erklärung der einzelnen Karten hätte hier viel erreicht.
In der englischen Regel sind zudem einige Bildchen mehr als in der deutschen abgedruckt, das muss doch nicht sein, dass man immer blättern muss.
Vielleicht rege ich mich ja etwas zu sehr auf, aber wenn ich sehr lange für ein eigenlich einfaches Spielchen brauche, um mich durch eine, in meinen Augen verquasste Regel zu ackern, dann werde ich grantig. Der Sonntagnachmittag ist rum, und ich habe gerade einmal Phoenicia gespielt.
Das Spiel selber ist nicht schlecht, aber so tolle auch wieder nicht, dass sich das Regelstudium so gelohnt hätte.
Etwas Civi ohne Handel und Interaktion. Aufbau ohne Angst vor Rückfällen, da das, was man hat, sich nicht verschlechtern kann. Anderen Spielern kann man nur in der Auktion schaden, indem man ihnen Karten wegbietet. Das ist in meinen Augen zu wenig für ein 5 Personen-Spiel.
Als Testspieler sind übrigens u.a. Stefan Brück und Bernd Brunnhofer angegeben. Vielleicht hätte man die vor Regelniederschrift mal fragen sollen, wie man so etwas professionell macht.
Und bevor sich jetzt wieder einige aufregen, ob man einen Kleinverlag kritisieren darf, lasst es bleiben. Ich machs einfach. Das Problem, das Kleinverlage in Zukunft haben werden ist, dass größere Verlage häufig zu niedrigeren Preisen in besserer Qualität vergleichweise gleich gute oder bessere Spiele anbieten. Das war früher in diesem Ausmaß so nicht der Fall, da war man froh, wenn man ein Spiel noch selber basteln durfte, solange die Spielidee super war. Die Zeiten sind aber schon lange vorbei.
Gruß
achim