Beitragvon Christian Hildenbrand » 17. September 2007, 10:01
Hach schön ... mal wieder das gleiche Thema wie schon so oft. Die bösen Fernostler, die guten Deutschen ... "Made in Germany" über alles.
Ich antworte mal aus Sicht von jemandem, der versucht, hier und da ein Spiel produzieren zu lassen (zum Glück nicht hundertprozentig meine Abteilung im Verlag, aber ich bin doch recht involviert).
China (eigentlich gesamt Fernost, aber ich mach das jetzt einfach mal an China auf) bringt einige Probleme mit sich. Da wäre die schlechtere Kontrollmöglichkeit wegen der Entfernung, der fehlende Einblick in die aktuelle Situation in den Fabriken (wenn man vor Ort besichtigt, ist es immer in Ordnung), die Dauer, bis das Zeug dann mal hier in Deutschland ist.
China bietet aber auch jede Menge Vorteile. Preislich und von der Machbarkeit her sind sie nun mal (noch) fast unschlagbar. Da ist dann selbst eine gewisse Menge Ausschuß und die Dauer zu verkraften. Würde alles nur in Deutschland gemacht werden (oder wie bei manchen Verlagen zum Teil auch in Polen, Tschechien oder Österreich), wären die Spiele gleich noch mal teurer ... und dann würden hier die anderen Stimmen laut werden, die der Meinung sind, dass ein Spiel nicht mehr kosten darf, als sie denken, dass es das wert ist.
Ein Spieleverlag ist kein Caritas-Unternehmen, sondern ein von der Wirtschaftichkeit getriebenes. Ein Kleinstverlag mit nur 1 Person zum Durchfüttern kann hier und da noch anders kalkulieren, ein Verlag, der 10 oder mehr MItarbeiter hat, schon nicht mehr.
Immer wird auf Fernost geschimpft ... und ich behaupte mal, dass hier in diesem Forum von den Schimpfern 80-90% keinen Plan hat von dem, auf was sie da schimpfen. :-/
Ich seh auch eine gewisse Teilschuld in den Verlagen, denen es manchmal nicht schnell genug gehen kann. Da soll die Ware halt so schnell wie möglich da sein ... und dann muss halt Zeit eingespart werden beim Austrocknen von Lacken, Spielplänen, Stanzbögen oder Schachtelbezügen. Doch das ist etwas, was nicht nur Fernost betrifft, sondern genauso Deutschland. Auch hier kann es einfach mal vorkommen, dass ein Spielplan nicht die Qualität hat, die man gerne hätte, weil es nicht ganz trocken war vorm Konfektionieren. Und würde man sich die Zeit nehmen, einen Tag länger zu warten, dann sieht das vielleicht ganz anders aus.
Wir geben offen und ehrlich zu, dass wir manche Sachen in China machen lassen. Einfach, weil es anders praktisch nicht möglich ist, einen dem Kunden erträglichen Preis für ein Spiel zu gestalten. Hierbei greifen wir auch auf Möglichkeiten bei deutschen Spieleproduzenten zurück, die in China ein Außenbüro haben und auch dort teilfertigen lassen, wenn es notendig ist.
Doch versuchen wir natürlich auch aufgrund der Vorteile, die eine Produktion vor Ort hat, diese eben vor die Haustür zu verlagern ... so gut es nun mal möglich ist. Leider ist das nicht immer der Fall ... und ich behaupte mal, dass es in 75% der Fälle auch gar nicht auffällt, wenn ein Teil aus Fernost kommt. ;-)
Zwiegespaltene Grüße,
Christian (war noch nie selbst in China)