Beitragvon wolfi1971 » 4. Januar 2008, 12:22
In unserer Spielegruppe sind die Säulen der Erde recht hoch geschätzt und kommen auch immer wieder gern auf den Tisch. Klar, die Geschmäcker sind verschieden, das perfekte Jeder-liebt-es-ohne-Einschränkung-Spiel kann es niemals geben. DSdE gehört sicher nicht zu den Allzeit-Top-10, ist aber unserer Meinung nach dennoch ein sehr gutes Spiel.
Du beklagst, dass jeder so vor sich hinspielt. Gut, das haben aber viele Spiele und würde ich nicht von Haus aus als Mangel sehen. Es gibt eben Spiele mit viel Interaktion und Spiele mit wenig Berührungspunkten. Bei DSdE kommt man sich letztendlich doch recht häufig in die Quere, sei es bei der Verteilung der Arbeiter, den Handwerkern und natürlich den Baumeistern und deren Platzierung. Wie viel mehr Interaktion hättest Du noch gerne? Rohstoffhandel unter den Spielern, Aktionskarten mit denen man dem Gegner Rohstoffe abnehmen, Handwerker abwerben oder Siegpunkte klauen kann? Alles denkbar, fände ich hier aber ehrlich gesagt fehl am Platz. Klar, man könnte auch die Reihenfolge der Baumeister in einer Auktion entscheiden. Die Autoren haben sich gegen "Interaktion um jeden Preis" entschieden und bei uns wird das nicht als Nachteil gesehen. Wir empfinden DSdE in der jetzigen Form (und auch mit der unseres Erachtens sehr gelungenen Erweiterung) als gut ausbalanciert. Interaktion ist nicht zwangsläufig ein Qualitätsmerkmal – außer natürlich man legt darauf extrem viel Wert.
Der Zufallsfaktor bei den Baumeistern war im Grundspiel wirklich recht hoch. Allerdings hat hier die Erweiterung wirklich gut nachgebessert, das Spiel ist dadurch noch besser geworden.
Den Vergleich mit Puerto Rico finde ich nicht so geeignet, das sind doch zwei Spiele von unterschiedlichem Gewicht und Anspruch. Ich persönlich finde Puerto Rico im Gegensatz zu dir übrigens recht schlecht planbar, die hohe Komplexität lässt mich hier regelmäßig die Übersicht verlieren. Ich denke deshalb, dass die Spiele sich an unterschiedliche Zielgruppen wenden. Nicht jeder mag den Schwierigkeitsgrad von Puerto Rico und viele finden sich deshalb bei einem nicht so schwierigen, aber dennoch fesselnden Spiel wie DSdE viel wohler.
Puerto Rico würde ich mit einem Wenigspieler erst gar nicht versuchen, DSdE kann man hingegen auch einem Einsteiger recht gut vermitteln. Einfach eine angenehme und noch überschaubare Komplexität bei niedriger Einstiegshürde. Wer mehr Tiefgang und Anspruch sucht, sollte aber wirklich zu Agricola oder Puerto Rico greifen.
Das Thema schließlich finde ich nicht "aufgesetzt". Ich habe den Roman nicht gelesen, finde aber, dass soweit alles gut harmoniert und zusammenpasst. Die Spieler schicken ihre Arbeiter los um Rohstoffe abzubauen, werben Handwerker an, nutzen Kontakte und Vorteile aus, um schließlich die Rohstoffe in Arbeitsleistung umzuwandeln und so die Kathedrale aufzubauen. Dass die Kathedrale tatsächlich mit Bauklötzchen aufgebaut wird, ist unserer Meinung nach kein Kniefall vor dem Buch, sondern eine konsequente und schöne Umsetzung des Themas. Klar, ganz nüchtern betrachtet nur ein "Rundenzähler", aber eben ein sehr schöner, der das Thema wirklich bildlich und greifbar macht.
Diejenigen aus unserer Gruppe, die den Roman kennen, freuen sich immer über das Auftauchen bekannter Personen und Ereignisse. Die Kenntnis des Romans ist also ein Pluspunkt, aber kein Zwang.
Ich hoffe das liest sich nicht als Versuch, deine Meinung über DSdE zu ändern. Wie schon gesagt, die Geschmäcker sind verschieden (gottlob!) und wenn dir Puerto Rico mehr zusagt, gehörst du offensichtlich nicht zur DSdE-Zielgruppe. Gib dem Spiel noch eine Chance, danach kannst du es immer noch wieder verkaufen! ;-)