Beitragvon Ingo Althöfer » 18. April 2008, 09:24
Hallo Ferdinand,
> ... wie wär's mal mit einer dezidierten Anleitung
> zu "Fighting the Lord"?
Ich versuchs mal - und fang mit einer Entschuldigung an
(weil ich die Regeln nicht in allen Details verstanden
habe). Vor der Reise musste ich meiner in D gebliebenen Frau dies und das versprechen.
Insbesondere: nicht mit irgendwelchen Einheimischen um
Geld zu spielen. So habe ich nur zugeschaut und versucht,
daraus die Regeln zu eruieren. Englisch konnte von den
Spielern niemand. Sie merkten natürlich, dass ich
(2) stundenlang still zuschaute. Auf ihre chinesischen
Anfragen konnte ich nur die Schultern zucken. Irgendwann
fragte einer in meine Richtung "Italia, Kanada?", worauf
ich nur erwiderte "Germania". Kurze Pause, dann der Frager
mit einer Handbewegung in die Runde "Schina" - und alle
fingen zu lachen an- einschliesslich meiner selbst.
Leider wurde "Fighting the Landlord" klar erkennbar
um Geld gespielt. Während bei Mahjong der Grundeinsatz
1 Yuan war (10 Yuan ca= 1 Euro), ging es beim Landlord
um Vielfache von 10 Yuan (gewann der Einzelspieler,
bekam er von jedem der drei anderen ein entsprechendes
Vielfaches von 10 Yuan; verlor er, musste er den
betreffenden Betrag an jeden Gegner auszahlen).
Ein Spiel dauerte ca 10 Minuten (inclusive
Mischen und Verteilen). Jedes Mal, wenn im Spiel eine Bombe
(= 4 Karten vom gleichen Wert; also 4 Dreien oder 4 Vieren
usw) gelegt wurde, verdoppelte sich der Einsatz.
Im Spieltisch war auf jeder der Seiten eine Klappschublade.
Die Spieler (mit einer Ausnahme) hielten ihr Geld in
diesen Schubladen. Der einzige, der seine Scheine auf dem
Tisch liegen hatte, tat dieses wohl hauptächlich, um
seiner auch zuschauenden Frau zu signalisieren, dass er
bald aufhören würde.
Mischen und Verteilen passierte nach folgendem Muster:
Spieler A mischt. Der links neben ihm sitzende Spieler D
hebt ab. Dann verteilt A reihum auf 5 Haufen je 8 Karten.
Der fünfte Haufen wird dann zur Seite gelegt. Auf die
restlichen 4 Haufen kommen, wieder reihum, je weitere 4
Karten. Dann gibt der Mischer den Restpacken an den rechts
neben ihm sitzenden Spieler B. Dieser verteilt zu Ende,
wieder reihum auf die 4 Haufen. Dann nimmt sich jeder
Spieler einen der 4 Haufen, hat also 25 Karten auf der
Hand. Diese schaut man sich genau an. Dann wird gereizt.
Die Ermittlung des Landlords: Es gibt nur die drei
Bietstufen 1, 2, 3. Spieler C (sitzt gegenüber von A)
darf beginnen (oder passen). Dann geht es gegen
den Uhrzeigersinn (also wie bei den Schweizern) weiter.
Man muss entweder passen oder erhöhen. Der höchste Bieter
wird Alleinspieler. Basiswert des Spiels ist dann
Bietstufe mal 10 Yuan. Bietet niemand, ist Spieler C
Alleinspieler, und als Bietstufe zaehlt die 1.
Der Landlord nimmt sich die 8 Extrakarten und sortiert
sie in sein Blatt ein. Dann fängt er auch mit dem
Ausspielen an. Wer dran ist, legt entweder einen Satz
mehrerer Karten ab, wobei der Wert dieses Satzes
höher sein muss als der des aktuell liegenden Satzes,
oder er passt. (Wer gepasst hat, darf, wenn die Reihe
wieder an ihn kommt, wieder einsteigen. Dieses kann
vor allem für Spieler des 3er-Teams Sinn machen:
zunächst versucht man, dem vermeintlich stärksten
Partner das Ablegen zu erleichtern, und wenn sich dann
herausstellt, dass er nicht kann, "übernimmt" man selbst.)
Sieger ist, wer als Erster alle seine Karten losgeworden
ist. Dabei hat das Bauern-Team gewonnen, sobald einer von
ihnen alles los ist.
Jetzt wird natürlich jeder fragen: "Welcher Kartensatz
hat genau welchen Wert?" Und da kann ich (noch)
keine perfekte Auskunft geben. Das versuche ich aber
in den nächsten Tagen zu eruieren.
Soviel vorab:
Die Typen Kreuz, Pik, Herz, Karo spielen überhaupt
keine Rolle, nur die "Werte" entscheiden.
Die Reihung der Werte ist:
3 -> 4-> ... -> 10 -> B -> D -> K -> As -> 2 -> Joker
(es gibt nur zwei Joker im 54er Blatt: einen in schwarz-weiss und einen bunten).
Der Mechanismus funktioniert wohl (nur) deshalb so gut,
weil der Landlord aus seinen 33 Karten deutlich mehr
gute Kartensatz-Kombinationen bilden kann als die anderen
aus ihren je 25. Für die drei Bauern-Spieler ist es
wichtig, dass sie möglichst früh erkennen, wer von ihnen
die besten Chancen hat, und diesem dann "zuspielen".
(Fortsetzung folgt)
Ingo.