Beitragvon Duchamp » 6. Mai 2009, 08:58
Hallo!
Als Drehbuchautor fallen mir permanent Parallelen zur Filmbranche ein/auf, so auch hier, und zwar zweierlei:
1. "Familientauglich" scheint mir äquivalent zum neu-Deutschen "Family Entertainment" zu sein. Als solches werden Filme bezeichnet, die zwar absolut jugendfrei sind und durchaus Kids als Hauptzielgruppe anpeilen, aber eben keine "reinen Kinderfilme" sind. Soll heißen, an denen auch die Eltern beim Mit-ins-Kino-Gehen oder Vor-der-Glotze-Sitzen ihren Spaß haben. "Die Unglaublichen" ist ein gutes Beispiel. Kinder werden nicht sämtliche Anspielungen auf Superhelden und James Bond erkennen, sondern einfach Spaß haben, Eltern finden die Ehegeschichte der Parrs oder die durch den kakao gezogenen Stereotype witzig ("Keine Capes!") ...
Auf ein "familientaugliches" Spiel übertragen heißt das für mich: Es ist kein "reines Kinderspiel" (das Erwachsene langweilen würde), Regeln und spielerischer Zugang sind aber so einfah, dass Kinder stark angesprochen werden. Dennoch hat das Ganze seinen Reiz auch für Erwachsene, da man das Spiel nicht nur "intuitiv", sondern eben auch strategischer angehen kann. Was nicht bedeutet, dass der Sieger feststeht ...
"Niagara", "Carcassonne", "Tsuro", "Blokus" - alle m.E. "familientauglich" - was bei "Blokus" überrascht, da es komplett abstrakt und glücksfrei ist. Das Ganze hat aber einen so hohen Aufforderungscharakter und die regeln sind derart simpel, dass 5-jährige sofort anfangen, die Teile zu legen. Daher der Erfolg.
Die Trennung nach "Vielspieler" und "Gelegenheitsspieler" würde ich außen vor lassen. Bei "Vielspielern verschiebt sich das Ganze einfach.
2. Altersangaben. "ab 8" heißt nicht: "Alle Kinder ab 8 können dieses Spiel spielen, drunter ist verboten." Man geht nur davon aus, dass ein Kind "normalerweise 8 Jahre alt sein sollte (inkl. der in den Curriculae der Länder bis dahin genossenen Schulbildung mit einem Notendurchschnitt in den Hauptfächern von nicht schlechter als 2,5), damit Nechanismen und Thema voll erfasst und genossen werden können". Die FSK hat ein ähnliches "Problem". Alle möglichen Filme sind "freigegeben ab 6", weil sie ohne heftige Liebes- oder Gewaltszenen auskommen. Das heißt aber nicht automatisch, dass alle Kinder ab 6 diesem Film etwas abgewinnen können. "Das Festmahl im August", lese ich gerade in der Kino-Anzeige, sei eine "vergnügliche Komödie, eine Liebeserklärung an das Alter, das Leben und die Italienische Küche." Natürlich "ab 6". Viel Spaß mit der ersten Grundschulklasse im Kino!
Wobei ich es etwas schade finde, wenn Spielen aufgrund eines "erwachsenen" Themas eine hohe Altersempfehlung erhalten. So ist "Opus Dei" - eine "Guillotine"-Variante mit Philosophen, die in eigene Welten hinein "erschaffen werden", ab 16. Selbst mein 12-jähriger Sohn versteht aber bereits sämtliche Kartentexte (nicht die philosophischen Erklärungen) und spielt das Ganze mit Spaß. "Guillotine" selbst, bei dem Leute hingerichtet werden, ist bereits ab 12. :)
Unterm Strich begrüße ich die auf vielen Spieleschachteln angebrachten Messlatten, so à la "für Glückspilze" 2 von 5 Punkten, "für Strategen" 4 von 5 und "für Schnelldenker" 1 von 5 Punkten. Oder was auch immer. Zusammen mit einer Altersangabe durchaus aussagekräftig. "Vielspieler" oder "Gelegenheitsspieler" sind auf der anderen Seite zu vage begriffe, als dass sie taugen würden. jede Familie, die zweiwöchentlich "siedlert", der Papa Skat drischt und Sohnemann eine beachtliche "Pokémon"-Kartensammlung sein Eigen nennt, betrachtet sich womöglich als "Vielspieler"-Familie.