Beitragvon Stefan Brück-alea » 19. Mai 2009, 19:00
ferion schrieb:
> Seit Jahren genießt Alea in Vielspielerkreisen einen
> hervorragenden Ruf. Der Verlag nimmt für sich in Anspruch,
> Spiele "mit besonders hohem strategischem Anspruch" zu
> entwickeln. Alea hat diesen Anspruch für mich im großen und
> ganzen über die Jahre hinweg erfüllt und ich habe Jahr für
> Jahr der Veröffentlichung des neuen Alea Spiels mit
> gespannter Vorfreude entgegen gesehen. Leider habe ich aber
> mittlerweile den Eindruck gewonnen, daß sich der Verlag in
> der jüngeren Vergangenheit immer mehr von seinem Motto
> entfernt hat, was ich persönlich als sehr schade erachte.
Hallo Ferion,
findest du es nicht 1. ein wenig übertrieben und 2. ziemlich unangebracht, deine zahlreichen, na sagen wir´s mal vorsichtig, fraglichen Thesen an gerade einmal zwei Spielen festmachen zu wollen?
> Wenn ich die letzten Alea Veröffentlichungen betrachte frage ich mich mittlerweile, ob Alea unter einem - nennen wir es einmal - Spiel des Jahres Trauma leidet.
Was für ein Unfug! Sowohl WIE VERHEXT! als auch ALEA IACTA EST sind beides tolle, unterhaltsame, nicht zu einfache, aber auch nicht zu schwierige Spiele, die jedermann nach einer ersten Partie zu 100% versteht, die deswegen aber nicht seicht oder gar für Vielspieler uninteressant/ungeeignet sind. D.h. sie passen bestens zum Anspruch von alea und damit in unser "Portfolio"!
> Die letzten Alea Veröffentlichungen legen zumindest für mich den Schluß nahe, daß sich Alea - obwohl kommerziell
> nachvollziehbar, aber für Vielspieler wie mich dennoch
> bedauernswerter Weise - von seinem strategischen Anspruch verabschiedet hat, um stattdessen dem Spiel des Jahres Phantom hinterher zu jagen.
Unsinn! Die mittlere (resp. die kleine) Serie war von Anfang an auf einfachere Spiele ausgelegt, oder wie würdest du dir sonst ROYAL TURF oder EDEL,STEIN & REICH erklären!? Ein tatsächhlich [i]wesentliches[/i] Kriterium für die Auswahl eines Spiels für die mittlere Serie ist übrigens, dass es keinen (großen) Spielplan beinhalten darf. Und ohne den gibt es nicht so viele wirklich anspruchsvolle Spiele, weswegen wir ja umso glücklicher waren, mit LOUIS XIV oder AUSGBURG 1520 dafür würdige Vertreter gefunden zu haben! Dies gelingt uns aber nicht jedes Jahr!
> Und daher sei es hoffentlich erlaubt, wenn ich an dieser
> Stelle einmal eine - bewußt provokante - Frage stelle: ist es
> wert, den sehr guten Ruf einer Marke zu riskieren, um einem
> Phantom nachzujagen?
Nun, dann will ich auch mal provokant sein: Unfug hatten wir schon, Unsinn auch, wie wär´s zur Abwechslung mal mit Quatsch!
Kämest du je auf die Idee, Hans im Glück Verrat am so genannten Vielspieler vorzuwerfen, weil sie Spiele wie Carcassonne, Hängende Gärten oder jüngst Maori herausgebracht haben? Wohl kaum, warum dann aber bei alea so - übetrieben! - kritisch!?
Und kannst du mir mal erklären, inwiefern wir mit dem Verlegen von NOTRE DAME (2. Platz DSP) oder IM JAHR DES DRACHEN (4. Platz DSP) irgendeinen ominösen "Ruf" riskiert haben? Und angesichts der zahlreichen, durchweg positiven Kritiken zu WIE VERHEXT! (2. Platz Fairplay Kartenspiel/1. Platz Japan Board Award (noch vor Stone Age bzw. Agricola!!!)) bzw. die Reaktionen, die wir bislang auf A.I.E. erfahren haben, riskieren auch diese Spiele keinen Imageverlust für alea, sondern sie fügen sich bestens in unser eigentlich recht simples Hauptauswahlkriterium ein: "Macht das Spiel vor allem Spaß? So vielen wie möglich?" Und genau danach suchen wir diese Spiele dann auch aus den Prototypen aus: Welches Spiel hat den meisten Testpersonen den meisten Spaß gemacht? So einfach (und ganz frei von den von dir unterstellten ominösen "Überlegungen") kann´s Spieleverlegen sein ... ;o)
> Aus meiner Sicht besteht für Alea die große Gefahr, daß ihnen Verlage wie z.B. Eggertspiele, Ystari, und vielleicht auch Lookout Games (wobei insbesondere Eggert es auch noch schafft, seine Spiele grafik- und komponentenmäßig regelmäßig hochwertig auszustatten) im Zielgruppensegment den Rang ablaufen. Will man das riskieren?
Hmm, schon mal CHANGE HORSE oder jüngst BOMBAY gespielt? Inwiefern sind diese Spiele "vielspieleriger" als WV oder A.I.E.?
> Die letztendlich Verantwortlichen für die Richtung, die Alea zukünftig verfolgt, sitzen vermutlich nicht bei Alea, sondern bei Ravensburger.
Ein für allemal, hier und heute, in aller Deutlichkeit: Wenn alle KollegInnen in der Spielebranche so viele Freiheiten bei der Führung einer Marke und der Gestaltung seiner Inhalte hätten wie ich, wäre die Menschheit sicher wieder ein Stückchen glücklicher.
Es gibt nichts, ich wiederhole [i]nichts[/i], was in den letzten 10 Jahren vom RSV an mir vorbei oder über mich hinweg bezüglich der Marke alea und vor allem bezüglich der Auswahl und Gestaltung der alea-Spiele erfolgt wäre. Jedes Spiel im Programm ist von [i]mir[/i] ausgewählt und umgesetzt worden - frei von jeglicher Einmischung seitens des RSV. Wenn ihr also was zu meckern habt, bitte stets an meine Adresse!
Auch der Wechsel zu Heidelberger geht z.B. stark auf meine Intention zurück, da auch ich der Meinung war und bin, dass diese Art Spiele dort besser aufgehoben ist.
> Eine große Bitte daher an die dortigen
> Entscheidungsträger: gebt dem Alea Team die Freiheit und
> finanziellen Mittel, jedes Jahr 2 Spiele herausbringen zu
> dürfen. Eines, um dem Spiel des Jahres Traum weiter verfolgen
Nochmals: [i]Ich[/i] allein habe - in Rücksprache mit Heidelberger - für letzten Herbst entschieden, keine große Box zu veröffentlichen, weil alles uns bis dahin Vorliegende unseren Anspruch an ein gutes, großes (alea)Spiel nicht erfüllt hat. Es war alles entweder noch nicht ausgereift oder schlichtweg nur mittelmäßig. Doch wenn ich nun sehe, wie einige dieser mittelmäßigen Spiele hier nun doch recht stark gelobt werden, frage ich mich, ob diese Übervorsichtigkeit sich überhaupt lohnt ... ;o)
Und angesichts solcher Threads wie diesem hier dann noch umso mehr, wird diese "Sorgfalt" dann doch tatsächlich negativ ausgelegt und vollkommen misinterpretiert!
vG
Stefan