Beitragvon Arne Hoffmann » 5. Januar 2001, 12:27
Moin Roman!
Wir hatten Ende des letzten Jahres schon die Gelegenheit eine Partie "San Marco" zu spielen. Die folgenden Zeilen hatte ich schon mal privat einem Freund (moin Ingo) gemailt und beruhen auf dieser Partie ("Elektronenrecycling" :o) )
Die Spieler versuchen bei "San Marco"
Einfluss in den Stadtteilen von Venedig zu bekommen um am Ende mit moeglichst vielen Prestigepunkten das Spiel zu gewinnen. Dafuer zeigt der Spielplan einen (uns gut bekannten) Ausschnitt von Venedigs Region um den Canale Grande, aufgeteilt in 6 (uns bekannte) Stadtteile (Castello, Cannaregio, San Marco, Santa Croce usw.). Aussen um den Spielplan herum verlaeuft eine allseits bekannte Kramerleiste. Die Spieler plazieren am Anfang durch Wuerfelwurf in viermal je 2 Abgesandte (oder wie die sich nennen) in einem der Stadtteile und noch eine eigene Bruecke, die dann zwei der Stadtteile miteinander verbindet. Zwischen 2 Stadtteilen duerfen maximal 3 Bruecken stehen. Zu ihrer Bedeutung spaeter.
Das Spiel geht ueber 3 Abschnitte, jeder Abschnitt ist in Runden aufgeteilt. Wie sieht so eine Runde aus, was kann man machen?
In einer Runde gibt es Verteiler und Entscheider. Beim Spiel zu viert je zwei, beim Spiel zu dritt einen Verteiler und zwei Entscheider. Der Startspieler der Runde ist auf jeden Fall der erste Verteiler, die
anderen Positionen werden zufaellig zugeteilt (verdeckt die Steine ziehen und auf einer entsprechenden Tafel plazieren). Die Verteiler bekommen nun 5 Aktionskarten und 3 Limitkarten. Diese acht Karten muss der Verteiler in 2 (oder 3, wenn zu dritt gespielt wird, dann bekommt er aber auch mehr Karten) Stapel nach seinem Belieben aufteilen. Hat der Verteiler die Karten aufgeteilt, zu beachten ist dabei nur, dass in jedem Stapel mindestens eine Karte liegen muss, deckt der er Verteiler sein Angebot auf und der Entscheider darf nun aussuchen, welchen Stapel er nimmt. Von Bedeutung ist hierbei, dass alle genommenen Karten direkt gespielt werden muessen. Der Entscheider nimmt sich also einen Stapel, fuehrt die darin enthaltenen Aktionskarten aus, dann fuehrt der Verteiler die Aktionskarten des nicht gewaehlten Stapels fuer sich aus. Die Limitkarten legt jeder nur offen vor sich ab.
Was gibt es nun fuer Aktionskarten und was haben die Limitkarten fuer eine Bedeutung?
Die Limitkarten zeigen einen Wert zwischen eins und drei. Hat ein Spieler nach einer der Runden 10 oder mehr Limitpunkte vor sich liegen, so neigt sich dieser Durchgang seinem Ende entgegen. Jeder Spieler mit >= 10 Limitpunkten darf nicht mehr an der noch folgenden Runde (es folgt maximal nur noch eine!) teilnehmen.
Aktionskarten:
- Stadtteilkarten: Zeigt eine Karte einen Stadtteil, so kann man dort einen eigenen Abgesandten plazieren. Ist ein anderer Stadtteil durch einen Weg ueber eigene Bruecken mit dem Stadtteil auf der Karte verbunden, darf der Abgesandte stattdessen auch in den anderen Stadtteil gesetzt werden (dafuer die Bruecken).
-Brueckenkarten: Zeigt eine Karte eine Bruecke, so darf man eine Bruecke vom allgemeinen Vorrat als eigene auf dem Plan zwischen zwei Stadtteilen plazieren. Sind keine mehr im Vorrat kann man eine beliebige (auch die eines Gegners) auf dem Plan als eigene umsetzen.
- Ueberlaeufer: Hier darf man in einem beliebigen Stadtteil einen fremden Abgesandten gegen einen eigenen austauschen
- Vertreibung: Hier sucht man sich einen Stadtteil aus, wuerfelt und muss dort soviele Abgesandte entfernen wie Wuerfelaugen.
- Doge: Hiermit loest man eine Wertung aus. Es gibt eine Dogenfigur auf dem Spielplan, die in einem der Stadtteile steht. Man darf den Dogen ueber Bruecken in andere Stadtteile ziehen, benutzt man fremde Bruecken
muss man pro Bruecke einen Prestigepunkt an dessen Besitzer abgeben. Das Gebiet in dem der Doge dann steht (er muss sich aber nicht bewegen) wird gewertet. Jedem Gebiet sind zwei Zahlen zugeordnet. Der Spieler mit den
meisten Abgesandten in dem Gebiet bekommt Prestigepunkte gemaess der hoeheren Zahl, der zweite entsprechend gemaess der niedrigeren Zahl. Nett ist, dass bei Gleichstand alle am Gleichstand beteiligten Spieler soviele Punkte bekommen, wie einem Rang niedriger entsprechen. Teilen sich also mehrere Spieler den zweiten Platz, so bekommen sie alle nichts.
Das ist bis auf ein paar kleinere Sachen der grobe Spielablauf. Am Ende des Spiels werden noch einmal alle Stadtteile gewertet.
"San Marco" spielt sich recht nett, da man beim Aufteilen der Karten doch arg in der Klemme sitzt, wie man die Stapel jetzt am besten aufteilt um dem Gegner zwar einen der Stapel schmackhaft zu machen ihm aber auch nichts zu schenken und moeglichst auch selbst den gewuenschten Stapel bekommen zu koennen (ist das alte Dilemma des "gerechten" Kuchenaufteilens). Kann natuerlich sein, dass das Kartenglueck dabei eine groessere Rolle spielt. Wenn jemad partous keine Dogenkarte bekommt kann er recht schlecht aussehen. Jedoch lagen wir bis zur Endwertung alle vier recht nah beieinander, obwohl die Dogenkarten etwas ungleichmaessig kamen.
Einziger Kritikpunkt bei uns waren wieder etwas laengere Wartezeiten. Waehrend der Verteiler die Stapel bildet sitzt man als Entscheider nur dumm herum. Man kann noch nicht einmal ansatzweise seinen naechsten Zug planen, da man nicht weiss, welche Karten kommen koennen. Das haben wir als Nachteil empfunden, obwohl es auch die Kommunikation anregte. Alles in allem hat
es sehr viel Spass gemacht, allerdings auch gute 120 Minuten gedauert (duerfte in Zukunft schneller gehen, wenn man sich mit den Mechanismen auskennt). Das Spiel kann gefallen, evtl. nimmt man noch ne Sanduhr
dazu, wenn die Wartezeiten zu lang werden. Von der Planungstiefe liegt es ein wenig unter Tadsch Mahal, da man nicht so weit vorausplanen kann - jedoch ist man bei einem gut ausgebauten Brueckennetz sehr wohl in der
Lage vorauszuplanen, da man quasi in jedem Gebiet einen Abgesandten einsetzen kann.
Mir persoenlich hat die Partie Spass gemacht und ich werde San Marco bestimmt noch haeufiger spielen. Mal sehen, wie es sich dann behauptet. Fuer das Geld, dass sie hier im oertlichen Buchhandel fuer das Spiel haben wollen (>50,- DM) wuerd ich es mir jedoch nicht zulegen, obwohl die Ausstattung sehr schoen ist (Holz, gut gedruckte Karten und stabile Bruecken).
Hoffe dies verschafft Dir einen ersten Eindruch, Roman.
Tschoe,
- Arne -