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Keinen Mut zu Verrissen?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Gerald Rüscher

Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Gerald Rüscher » 29. März 2001, 13:06

Geht es nur mir so, oder haben hier immer weniger Teilnehmer den Mumm mal klipp und klar zu sagen, dass er/sie ein aktuelles(!) Spiel einfach nur schlecht findet? Fast immer liest man nur Attribute wie "ganz nett", "gut" ,"einen zweiten Blick wert", immer ganz p.c., bloß keinem auf den Schlips treten.
Und wenn es mal einer wagt wie Gerhard Koch in seinem "Grauenvoll" Beitrag gibt's gleich Genörgel und den erhobenen Zeigefinger. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele sich einfach nicht trauen, mal deutliche Worte zu finden. Warum eigentlich? Angst um Rezensionsexemplare? Angst vor Konflikten?
Gruß & nice dice
Jerry (findet Evo & Drachengold superklasse und San Marco immer noch öde und aufgewärmt)

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Roman Pelek

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Roman Pelek » 29. März 2001, 13:45

Hi Jerry,
>Geht es nur mir so, oder haben hier immer weniger Teilnehmer den Mumm mal klipp und klar zu sagen, dass er/sie ein aktuelles(!) Spiel einfach nur schlecht findet?<
Es gibt wenige, die ihre negativen Meinungen hier äussern - die einzigen waren Toasti mit Africa und Gerhard mit Isis&Osiris - mehr fällt mir auch nicht dazu ein. Deswegen hatte ich ja auch hier mal angefragt von wegen "Braucht man bzw. das Forum hier Verrisse" - da wollten's aber alle haben ;-)
Ich muss persönlich aber auch dazu sagen, dass ich von meinen Neuerstehungen auch nicht enttäuscht war, da sie ziemlich dem entsprachen, was ich erwartet hatte. Aber vielleicht sollte ich I&O mal erstehen :)
Stellt sich nun die Frage: sind alle so gut informiert, dass sie nix "falsches" kaufen, sind wir so handzahm geworden oder gibt's einfach so viele gute Spiele...? Oder, wahrscheinlich, ein bisschen von allem.
>Fast immer liest man nur Attribute wie "ganz nett", "gut" ,"einen zweiten Blick wert", immer ganz p.c., bloß keinem auf den Schlips treten.<
Ich muss sagen, in die Ecke gepfeffert hab ich in letzter Zeit auch nix aktuelles, da kam kein Spiel unter 5 Partien durch. Meine letzten Enttäuschungen, dafür aber auch billig vom Grabbeltisch waren Topquark und Quivive, Spiele, die die Menschheit nicht brauch'. Aber halt nicht neu.
>Und wenn es mal einer wagt wie Gerhard Koch in seinem "Grauenvoll" Beitrag gibt's gleich Genörgel und den erhobenen Zeigefinger. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele sich einfach nicht trauen, mal deutliche Worte zu finden. Warum eigentlich? Angst um Rezensionsexemplare? Angst vor Konflikten?<
Wer kriegt denn hier alles Rezensionsexemplare? Fast keiner? Insofern glaub ich nicht an das Argument. So oder so: ich fand jedenfalls den Vorwurf der Polemik, gerade auch von Michael, ungerechtfertigt - man kann's doch auch in Ruhe diskutieren, wenn man anderer Meinung ist. So unsachlich war der Beitrag von Gerhard nicht, nur weil er AUCH seine ehrliche subjektive Meinung, nämlich das "grauenvoll" reinschreibt.
>Gruß & nice dice
Jerry (findet Evo & Drachengold superklasse und San Marco immer noch öde und aufgewärmt)<
Den Vorwurf des aufgewärmten kann man aber auch Evo machen, die Spielidee ist doch stark von Ursuppe abgekupfert - Gene kaufen, um dem Wetter zu trotzen - gähn. Und das noch in Dinoverpackung... Doppelgähn. Und dann die Grafik... Trotzdem finde ich auch Evo sehr gelungen, weil's einfach gut funktioniert, Spass macht und die Versteigerung klasse ist. Ähnliches gilt für San Marco, ich mag halt die Ideen von Brücken und den Kartenverteilmechanismus, ansonsten funktioniert das Spiel in meinen Augen prima. So oder so gibt's Leute, die lieber Ursuppe oder El Grande spielen - ich find's hier fast vergleichbar. Nur für Nichtvielspieler finde ich beide letztgenannten angebrachter...
Tja, und Drachengold ist halt Bruno Faidutti. So wie Bruno Faidutti halt Spiele macht: einerseits nett, unterhaltsam, kommunikativ, andererseits mit Tendenz, in unkontrollierbares Chaos auszuarten (spätestens ab den von BF empfohlenen Spielerzahlen) oder zig Sonderkarten reinzuschlawinern. Zu dritt gefällt's mir gut als Sammelspielchen für zwischendurch mit netten Ideen (Unsichtbare Hand), zu fünft find ich's chaotisch und nervig. Zu viert ist's okay. Also kommt im Mittel ein okay raus (das wahrscheinlich wieder zu p.c. ist ;-).
Also irgendwie gibt's schon für viele Spiele, je nach Geschmack und Einsatzzweck auch schon ihre Berechtigung, ich finde auch nur wenige Spiele wirklich grottenschlecht, ausser ich gehe von Vorneherein mit falschen Erwartungen dran - ein halbstündiges Funspielchen kann ich nicht wegen mangelnder Taktik niedermachen, genausowenig wie ich mich bei offenkundig strategischen Spielen über einen Tick längere Bedenkzeiten beschweren kann... (Das mache ich nur, wenn ich keinen Sinn drin sehe, wie z.B. bei Tikal - aber das sehen ja auch genug anders :)
Nuja, ich hab jedenfalls kein Probleme damit, wenn jemand ein Spiel auch mal verreisst, wenn er dazu schreibt, warum - im Gegenteil, das ist gut so, damit wir hier nicht einschlafen oder auf die Idee kommen, wirklich alles toll finden zu müssen.
Ansonsten läuft's aber meistens auf Kritikpunkte im Einzelnen raus, die Spielmechanismen vieler neuerer Spiele, so finde ich, sind eigentlich nicht schlecht.
Ciao,
Roman

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Carsten Wesel

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Carsten Wesel » 29. März 2001, 13:55

Mut schon, aber meist fehlt dann eben die Lust, über ein schlechtes Spiel auch noch viel zu schreiben. Bei einem guten läuft es eben viel flüssiger von der Hand. Wenn ich dann bei dem schlechten auch noch so objektiv sein muß, daß ich haarklein schreibe und begründe, was ich warum völlig daneben finde, dann kann das ein Punkt sein, der davon ab hält, eine lange und negative Rezension zu schreiben. Daher besteht die Menge eher aus positiven Kritiken.
Gruß Carsten (Würde "Doge", "Der weiße Lotus", "Wizzard", "Büro Crazy", "Beutelschneider" und "Lang lebe der König" in die näxte Tonne treten - um nur einige zu nennen)

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S.Gienke

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon S.Gienke » 29. März 2001, 14:18

Ich würde noch Die Siedler in die Tonne von C. Wesel werfen, da es mit Kniffel, Yatzee und Mensch ä.d.n. bereits genug Würfelspiele gibt und gab. Dafür hole ich mir dann Doge aus der Tonne von Carsten, auch wenn es einen Versteigerungmechanismus verwendet, der schon im Spiel TAL DER KÖNIGE vorhanden ist.

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Markus Barnick

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Markus Barnick » 29. März 2001, 14:35

Ein alter Witz sagt, 10 Frauen hätten mindestens 11 Meinungen.
So ist es halt auch im Spiel. Dem einen gefällts, der andere findets zum Kotzen. Mir gefällt RoboRally sehr gut - Michael Knopf mags gar nicht. MK gefällt Giganten - ich finds unausgeglichen, zu unbeeinflussbar und zu glücksabhängig usw...
Das Forum ist zwar ein Anhaltspunkt, aber nur weil Jerry San Marco nicht gefällt, werde ich mich nicht davon aufhalten lassen, es bei Gelegenheit auch mal zu spielen. Andererseits, wenn ich höre, daß I&O ein Abklatsch von Auf Heller und Pfennig sein soll, werd ichs mir halt nicht kaufen.
Jeder beurteilt halt ein bisschen anders. Deshalb haben wir ja das Meinungsforum.

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Helmut Lehr

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Helmut Lehr » 29. März 2001, 14:41

>Mut schon, aber meist fehlt dann eben die Lust, über ein schlechtes Spiel auch noch viel zu
schreiben. Bei einem guten läuft es eben viel flüssiger von der Hand. Wenn ich dann bei
dem schlechten auch noch so objektiv sein muß, daß ich haarklein schreibe und begründe,
was ich warum völlig daneben finde, dann kann das ein Punkt sein, der davon ab hält, eine
lange und negative Rezension zu schreiben. Daher besteht die Menge eher aus positiven
Kritiken.<
Völlig richtig! Mut haben hier nur die Anonym-Schreiber nicht.

Gruß Carsten (Würde "Doge", "Der weiße Lotus", "Wizzard", "Büro Crazy",
"Beutelschneider" und "Lang lebe der König" in die näxte Tonne treten - um nur einige zu
nennen)
Habe ich größtenteils im ebay versteigert. "Der weiße Lotus" und "Beutelschneider" sollen noch eine Chance kriegen.
MfG
Helmut
PS: Carsten, denkst Du an Deinen MEDIAN-Zug?

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Wolfgang Ditt

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Wolfgang Ditt » 29. März 2001, 15:16

Für einen Verriss gibt es meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten. Ich kann ein Spiel nicht mögen und einfach nach ein oder zwei Spielen als schlecht abtun. Dann kann ich weder einen amüsanten Bericht erstellen, noch genauer begründen, warum ich das Spiel nicht mag (seltene Ausnahmen bestätigen die Regel).
Ansonsten muss ich einem Spiel weitere Chancen geben, aber nur selten verspüre ich den Wunsch einem Spiel die dritte oder vierte Chance zu geben. Dann lieber keinen Verriss erstellen.
Wolfgang
P.S.: im letzten halben Jahr gab es ein Spiel, bei dem ich genau diesen Werdegang hatte: Doge. In Essen hatte ich das Gefühl, es mit altbekannten und wenig Tiefgang zu tun zu haben. Erst auf Knut's Spielewochenende habe ich es dann richtig kennen und schätzen gelernt. Wenn ich meine Meinung nach dem Spiel in Essen niedergeschrieben hätte, wäre das im Nachhinein nicht so gut gewesen...

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Gerald Rüscher

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Gerald Rüscher » 29. März 2001, 15:38

Carsten meint:
> Wenn ich dann bei dem schlechten auch noch so
> objektiv sein muß, daß ich haarklein schreibe und
> begründe, was ich warum völlig daneben finde [...]
Warum zum Kuckuck denn objektiv?!? Du schreibst *Deine* Meinung und die ist subjektiv und gut ist.
Wenn ich z.B. eine Kritik in der Spielbox lese, dann habe ich vorher ein Bild davon, ob der Kritiker ungefähr meinen Spielegeschmack hat. Falls ja, nehme ich seine/ihre subjektive Meinung dann so hin. Falls nein, mache ich mir selbst ein Bild.

> dann kann das ein Punkt sein, der davon ab hält,
> eine lange und negative Rezension zu schreiben.
Warum denn lang? Wir sind hier doch nicht in der ZEIT oder bei Umberto Eco(sp?). Warum nicht kurz und schmutzig? Mich für meinen Teil ermüden z.B. langatmige Beschreibungen der Regel und ich bewundere Leute, die es schaffen das Spielprizip auf's wesentliche einzudampfen und daran ihren Text auszurichten. Wenn's dann noch mit lockere Schreibe wie z.B. bei Michael Knopf verbunden ist - umso besser. Aber warum muss alles immer lang und detailliert und objektiv sein?
Gruß,
Jerry (der die Rezensionen mancher Autoren schon gar nicht mehr liest weil selten mehr als ein "irgendwie ganz nett" rauskommt)

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Brigitte Ditt

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Brigitte Ditt » 29. März 2001, 15:46

Hier muß ich Carsten bzgl Rezensionen beistimmen, auch wenn ich die Mülltonne mit anderen Spielen füllen würde.
Über Geschmack läßt sich nun mal nicht streiten.
Ich schreibe auch lieber über Spiele, die mir gefallen.
Auch sollte man bevor man ein Spiel verreißt berücksichtigen, ob man überhaupt in die Zielgruppe gehört, für die dieses Spiel gemacht ist.
Oft werden hier Familienspiele verrissen. Haben diejenigen, die sie verreißen, auch einmal mit Kindern gespielt?
Bei einem Familienspiel, das als solches deutlich erkennbar ist, erwarte ich keine großen strategischen Ansprüche, also ist deshalb kein Verriss fällig.
Brigitte

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Gerald Rüscher

Verreissen oder nicht verreissen, das ist hier die Frage

Beitragvon Gerald Rüscher » 29. März 2001, 15:54

Wolfgang schreibt:
> Ich kann ein Spiel nicht mögen und einfach nach
> ein oder zwei Spielen als schlecht abtun.
> [...]
> aber nur selten verspüre ich den Wunsch einem
> schlechten Spiel die dritte oder vierte Chance
> zu geben.
Du sagst also:
1) Nur ein Spiel was >=3 mal gespielt wurde kann besprochen werden.
2) Schlechte Spiele werden <3 mal gespielt.
Nach den Gesetzen der Logik folgt:
Wenn von W.Ditt keine Rezension kommt, dann findet er das Spiel schlecht oder kennt es nicht. Also sozusagen ein sprachloser Verriss (Verriss ohne Tränen) :-)
Schmunzelnde *.matiker-Grüße,
Jerry (Der Verrisse als das Salz in der Suppe empfindet)

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Michael Andersch

re: Keinen Mut zu Verrissen?

Beitragvon Michael Andersch » 29. März 2001, 16:12

Hi Jerry,
ganz im Gegenteil. Ich persönlich bin ein großer Freund von Verrissen. Allerdings nur dann, wen die "Ausgangssituation" auch stimmt, d.h. wenn das, weswegen verrissen wird, vom Spiel auch erwartet werden kann.
So kann ich beispielsweise von "Tabu" keinen taktischen Tiefgang erwarten, es folglich auch nicht mangles diesem verreissen, genausowenig wie ich ein offensichtlich abstrakt, schnörkellos und taktisch daherkommendes Spiel wegen der fehlenden Kommunikation verreissen kann, oder ein Kinderspiel weil es mich intellektuell wenig fordert (was bei mir aber - ganz nebenbei gesagt - eher noch die Frage ist ;-).
Gerhards Kritik an I&O empfand ich _aus_diesem_Grund_ als unpassend. Ich habe aber natürlich nichts dagegen, dass ihm I&O nicht liegt und er dies ganz allgemein äußert.
Ebenfalls nicht ganz so gelungen fand ich dann seinen pauschalen Rundumschlag gegen Michael Schacht. Allerdings hat er hier nur gesagt, dass er viele seiner Spiele schlecht findet, und das sei ihm unbenommen (mir geht's beispielsweise so mit fast allen Spielen von Reinhold Wittig die ich bisher kennengelernt habe, aber das nur nebenbei...).
Gruß,
Micha

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Wolfgang Ditt

re: Verreissen oder nicht verreissen, das ist hier die Frage

Beitragvon Wolfgang Ditt » 29. März 2001, 16:19

Hallo Jerry,
zu einem Teil ist das, was du schreibst, richtig. Es gibt zwei Faktoren, die deine schöne mathemtische Form zerstören. Zum einen brauche in Mitspieler und ein Spiel, was mir gefällt, muss bei den Mitspielern nicht so hoch im Kurs liegen. Zum anderen ist die "3" nicht immer eine "3".
Wolfgang

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Carsten Wesel

re: Alle erkennbaren Familenspiele sind gut

Beitragvon Carsten Wesel » 29. März 2001, 16:20

> Bei einem Familienspiel, das als solches deutlich
> erkennbar ist, erwarte ich keine großen strategischen
> Ansprüche, also ist deshalb kein Verriss fällig.
Ich habe die Überschrift mal aus meiner Logic geschlossen. Andere Meinungen?
Gruß Carsten (staunt, was man mit Logic alles bewirken kann)

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Brigitte Ditt

re: Alle erkennbaren Familenspiele sind gut

Beitragvon Brigitte Ditt » 30. März 2001, 09:04

Ich habe leider den zweiten Satzteil nicht vollständig getippt, nur gedacht. Ich werde eben alt. Ich wollte eigentlich sagen:
Bei einem Familienspiel, das als solches deutlich erkennbar ist, erwarte ich keine großen strategischen Ansprüche, also ist deshalb kein Verriss wegen fehlender Strategie fällig.
Näturlich kann man Familienspiele verreißen, wenn sie dem Anspruch Familenespiel nicht genügen.
Brigitte


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