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Rache ist süß

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Blacky

Rache ist süß

Beitragvon Blacky » 25. April 2001, 15:37

Es passiert immer wieder. Ein Spieler fügt einem anderen Spieler Verluste zu, woraufhin dieser für den Rest des Spiels nichts weiter im Kopf hat, als es dem Agressor heim zu zahlen. Dieses Ziel wird auf einmal wichtiger, als das Gewinnen des Spiels. Oft kann dann ein anderer Spieler ungestört dem Sieg entgegen eilen.
Ein solcher Spielverlauf ist meißt recht langweilig.
Ich glaube, es zeichnet einen guten Spieler aus, Attacken nicht persönlich zu nehmen, und immer den Sieg im Auge zu haben. Aber das scheint wohl doch nicht immer so ganz einfach zu sein.

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Angela Schäfer

re: Rache ist süß

Beitragvon Angela Schäfer » 25. April 2001, 16:41

Also ich finde, daß es zum Spielen dazugehört, anderen zu schaden. Entweder um daraus selber Nutzen zu schlagen oder um den Führenden zurückzuwerfen. Ich lebe das beim Spielen so richtig aus und erwarte es auch von meinen Mitspielern. Da kenne ich dann keine Freunde oder Ehemänner. Denn nur so machen Spiele Spaß. Sonst sollte man doch gleich kooperative Spiele spielen.
Attacken sind bei mir nie persönlich gemeint und ich nehme es auch grundsätzlich nicht persönlich, wenn jemand nur mich auf dem Kieker hat. Wenn jemand damit nicht umgehen kann, muß er sich halt einen anderen Mitspieler suchen. Ich mache das auch, wnn ich merke, daß jemand nicht verlieren kann oder nur seine persönlichen Rachegelüste ausleben will.

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Gerald Rüscher

Rache ist sinnvoll! (war: Rache ist süß)

Beitragvon Gerald Rüscher » 25. April 2001, 19:42

Blacky meint:
> Es passiert immer wieder. Ein Spieler fügt
> einem anderen Spieler Verluste zu, woraufhin
> dieser für den Rest des Spiels nichts weiter im
> Kopf hat, als es dem Agressor heim zu zahlen.
> Oft kann dann ein anderer Spieler ungestört
> dem Sieg entgegen eilen.
>
> [... und ...]
>
> Ich glaube, es zeichnet einen guten Spieler aus,
> Attacken nicht persönlich zu nehmen.
Der zweite Punkt ist zweifelsohne richtig, aber über den ersten Punkt lohnt es sich ein wenig nachzudenken. Denn in der Tat ist die in einer konkreten Situation optimale Verhaltensweise (nämlich sich *nicht* zu rächen) auf's ganze gesehen nicht optimal.
Nehmen wir ein Beispiel:
Einem Mann wird am Flughafen kurz vor den Eintritt ins Gate die Brieftasche mit 500 DM gestohlen. Er bemerkt aber den Dieb und muss sich nun blitzschnell entscheiden: soll er den Dieb verfolgen (und seinen Flug verpassen) oder laufen lassen und abfliegen. Verpasst der Mann seinen Flug entgeht ihm ein Geschäft das ihm DM 1000 eingebracht hätte. Was also tun?
Situativ ist die Entscheidung klar: lässt er den Dieb laufen, beträgt sein Verlust DM 500, verfolgt und fasst er ihn, so verliert er DM 1000. Also sollte er den Dieb laufen lassen. Oft reagieren Menschen aber genau nicht so (scheinbar) rational sondern stürzen sich, Adrenalin im Blut, auf den Missetäter.
Die Frage ist jetzt: ist dieses scheinbar irrationale Verhalten sinnlos? Die Antwort lautet: nein, es ist sogar sinnvoll - wenn man es im gesamten Kontext von Handlungen im sozialen Umfeld sieht. Dadurch dass eben so viele Menschen in dieser Weise irrational reagieren, ist das Risikopotential für "Missetäter" insgesamt höher, weil diese nicht damit rechnen können, das aus rationalen Gründen von Verfolgung abgesehen wird. Und das ist dann auf lange Sicht wieder ein Vorteil für die gesamte Gruppe und damit auch für den einzelnen.
Diese Überlegung kann man auch auf's Spielen übertragen. Natürlich darf man nichts persönlich nehmen aber wenn die Mitspieler wissen, dass ich nach Attacken in aller Regel zurückschlage, kann das auf lange Sicht ein Vorteil sein, selbst wenn dieses Verhalten in einer konkreten Situation ein Nachteil.
Man sieht also: Rache ist nicht nur süß sondern (in Maßen) auch nützlich. Und was wäre das Spiel ohne all die kleinen Irrationalitäten.
Gruß & nice dice,
Jerry

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Gustav der Bär

re: Rache ist süß

Beitragvon Gustav der Bär » 25. April 2001, 21:15

Rache, sagt man, ist eine Delikatesse, die man am besten kalt genießt.
Sicherlich ist es, wie du sehr richtig sagst, so, dass eine vordergründige Ausrichtung der eigenen Spielzüge auf reine Vergeltung dem eigenen Sieg im Wege steht. In einem Spiel, in dem es zum großen Teil um Gebietsgewinne geht, wird man jede Aussicht auf den Sieg verschenken, wenn man sich nur noch darauf konzentriert, einem anderen Spieler Schaden zuzufügen.
Durchaus sinnvoll kann es dagegen sein, einen lokal begrenzten Vergeltungsschlag zu führen, um dem Gegner seine Verletzlichkeit vor Augen zu führen, und anschließend in Verhandlungen mit ihm einzutreten.
Im Spiel wie in der Politik ergibt sich oft die Möglichkeit, einen Gegner über die Betonung gemeinsamer Interessen zumindest zum vorübergehenden Bündnispartner zu machen. Zeigt sich jemand unbelehrbar aggressiv, findet sich bestimmt ein anderer Bündnispartner, denn ein Gegner, der einen Angriff nach dem anderen ausführt stellt oft für die Pläne aller Beteiligten eine Gefahr dar. (Kommt natürlich auch auf das Spiel an.)
Eins kann sich für alle Beteiligten zur Katastrophe auswachsen - ebenfalls im Spiel wie in der Politik: Einen neuen Krieg nur anzufangen, damit die Opfer des letzten nicht vergeblich waren.
Andererseits ... vielleicht macht´s auch mal Spaß, einfach überhaupt nicht rational zu sein.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(a.k.a. Peter Gustav Bartschat)

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Arno C. Hofer
Kennerspieler
Beiträge: 421

re: Rache ist süß

Beitragvon Arno C. Hofer » 26. April 2001, 11:45

Ojemine, ojemine: mit welch tödlicher Präzission wird hier das Leben imitiert. Wenn Spiele so laufen, dann brauch ich gar nicht zu spielen, dann kann ich eh die tagtägliche "Realität" genießen (mit Beschuldigungen, Mobbing, linken und rechten Haken, etc. etc., Strafen und - Bauchweh!):-((. Was ich aber nicht jeden Tag habe, was ich im Spiel vielleicht suche, sind meine Träume, die Befriedigung meiner Abenteuerlust, das Experimentieren mit ganz neuen Wegen und die Reaktion meiner Mitspielenden auf (normalerweise) ganz abstruse Eskarpaden, die ich im Spiel vollkommen gefahrlos ausprobieren kann. Genauso wünsche ich mir von den Mitspielenden "spielerischere Ideen" als sie vielleicht in den Buchstaben der Spielanleitungen stehen. Zwischen deren Zeilen zu lesen, Hintergründe zu dekodieren, Verhaltensmuster aufzuspüren und neue Lösungen zu suchen liegt mir im Spiel mehr am Herzen als "zu gewinnen" bzw. "mich zu rächen":-) Das baut auf. Denn das ist im Alltag nur unter großem Risiko möglich - funktioniert aber dann auch, wenn man es spielend "gelernt hat" - mit einer der berühmten "Als ob-Erfahrungen".
Und das hat überhaupt nichts mit "Weichmacher - Spielverderber - bzw. spielerischem Unernst" zu tun sondern ganz einfach damit, auf allen Tasten seines Klaviers spielen zu wollen (statt auf den schon so maltretierten und abgenützten "Normalen", mit denen ich keine "wachsende Musik" mehr spielen kann).
Und natürlich geht das nicht in der ersten Partie eines Spiels, weil man es da erst kennenlernen muß, aber ab der dritten, vierten Spielrunde ist das "was wir landläufig als das Spiel bezeichnen - der Spielplan, der Mechanismus,etc. - nur mehr Medium - oder auch "der Baum der Erkenntnis".
Solltest Du diesen Paradigmenwechsel mitmachen wollen, wünsche ich Dir ab nun bei jedem Spiel Viel Vergnügen.
Arno

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Stefan-spielbox

re: Rache ist süß

Beitragvon Stefan-spielbox » 26. April 2001, 13:40

Die größe Genugtung ist es doch sich an seinen Mitspielern zu rächen indem man trotzt deren Attacken gewinnt.
Und alle die meinen sie müssten sich an Mitspielern rächen die gemein zu Ihnen waren, sollte mal Intrige von FX spielen (leider nicht mehr im Handel). Sie werden dann nämlich gnadenlos verlieren.
Gruß Stefan (der im Rahmen der Spielregel gerne gemein ist, aber nur wenn dies den Spielgewinn dient.

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Volker L.

re: Rache ist s

Beitragvon Volker L. » 26. April 2001, 13:45

Ein Freund von mir hatte mal so eine Phase. Da ist
er gewissermaszen von vornherein mit der (offen
erklaerten) Einstellung ins Spiel gegangen: "Der erste,
der mich angreift, den mache ich fertig. Ist mir
sch...egal, wie schlecht ich selbst abschneide, aber
ich sorge mit allen Mitteln dafuer, dass derjenige das
Spiel NICHT gewinnt!". Gar nicht mal aus Rachsucht,
sondern als Strategie (nukleare Abschreckung sozusagen).
Bei Spielen mit eher friedlichem Aufbaucharakter und
nur begrenzter, zwar moeglicher aber nicht zwingend
notwendiger Agression (z.B. Ursuppe) mag das noch
angehen, aber bei Spielen, die nunmal Eroberungsspiele
sind (ich erinnere mich da an eine Partie Chicago), wo
man frueher oder spaeter jemanden angreifen MUSS, finde
ich das unangemessen.
Seine Strategie war auch nur von begrenztem Erfolg,
zwar haben die anderen Spieler oft gezoegert, ihn
anzugreifen, aber oft hatte man auch gar keine andere
Wahl, und dann war fuer ihn selbst ein Sieg auch nicht
mehr moeglich. Er ist dann auch nach nicht allzulanger
Zeit wieder von seinem Rache-Exzess runtergekommen,
obwohl auch heute noch die Tendenz hat, jemanden, der
ihn angreift, zumindest soweit zu schaedigen, dass
der Schaden des anderen etwas hoeher als sein eigener
ist.
Gruss, Volker

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Carsten Wesel

re: Rache ist süß

Beitragvon Carsten Wesel » 26. April 2001, 14:48

)
Hast vergessen.
SCNR, Carsten (der, der Intrige immer wieder gern rausholt)

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Hans-Georg Rausch

re: Rache ist süß

Beitragvon Hans-Georg Rausch » 26. April 2001, 17:33

Gut Holz!
Meiner Meinung nach gehört es zu den essenziellen Strategien jedes Spieles, bei dem es etwas zu "erobern" gilt, agressive Übergriffe anderer Spieler auf dem Spielplan zu ahnden. Wo kämen wir denn da hin, wenn einer einen anderen einfach angreifen könnte, ohne Gefahr zu laufen, durch einen Gegenangriff entsprechend höheren Schaden zu nehmen, nur weil es dem angegriffenen gerade nicht zum Sieg nützt, wenn er zurückschklägt. Derselbige Agressor würde doch fortan (und eventuell auch zukünftigen Partien) nichts anderes zu tun haben, als wieder denjenigen anzugreifen, der sich nicht gewehrt bzw. zurückgeschlagen hat. Ich sehe bei solchen Spielen folgende Prioritäten:
1. Gibt es einen Zug, der mich dem Sieg näherbringt, dann werde ich genau diesen ausführen. Unter halbwegs gleichwertigen Zügen werde ich denjenigen Ausführen, der zum größeren Schaden des Agressors ist, ansonsten die "Rache" auf eine günstige Gelegenheit verschieben.
2. Gibt es keinen Zug, der mich dem Sieg näherbringt, dann werde ich auf jeden Fall den Agressor bekämpfen. Frei nach der bei uns bekannten "Gelhaar´schen Spielstrategie": Nicht nur an den eigenen Vorteil, sondern auch an den Schaden der anderen denken!
Ihr glaubt gar nicht, wieviel SPASS uns solche Partien machen, und darauf kommt es schließlich an. Ich kann mich noch genau erinnern, wie bei einer Partie BUCK ROGERS (Risikovariante von TSR) acht Bomber von fünf Spielern in meinem Orbit auftauchten und meine Fabriken vernichteten, weil ich sie zuvor mit dem Ardala-Charakter (stiehlt Einheiten) zu sehr geärgert habe.
Dies gilt natürlich nur für Eroberungsspiele, wo eine solche Politik durchaus opportun ist. Bei anderen Spielen käme uns ein solcher Rachegedanke gar nicht in den Sinn, sieht man einmal von Spielen wie "Intrige" ab, wo das auch mit dazugehört.
In diesem Sinne:
bortaS blr jablu´Dl´reH QaQqu´ nay´ ;-)



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Ralf Arnemann
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Beiträge: 2447

re: Rache ist sinnvoll - aber alles mit Maß

Beitragvon Ralf Arnemann » 27. April 2001, 13:04

Gerald hat das völlig richtig dargestellt: Mit einem generellen Verzicht auf Rache lädt man ja die Mitspieler geradezu dazu ein, aggressiv zu werden.
Wobei es schon auf die Umstände ankommt. Nicht jede gegen einen gerichtete Aktion ist ja "Rachewürdig".
Wenn jemand bei Siedler eine Ortschaft dahin baut, wohin man selber gerne expandiet wäre - völlig ok.
Irgendwohin muß auch der Räuber gesetzt werden. Das muß man schlucken, und höchstens mit einem Zurücksetzen des Räubers reagieren - aber nicht mit sonstigen Maßnahmen.
Generell muß jeder, der führt, mit Bremsaktionen der übrigen Mitspieler rechnen, ohne sich beklagen zu dürfen.
Wo aber "Rache bis zum Untergang" wirklich nötig ist, das ist bei Vertragsbruch. Den darf man sich nie bieten lassen, ohne maximal zu reagieren.

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Stefan-spielbox

re: Rache ist süß

Beitragvon Stefan-spielbox » 27. April 2001, 13:14

Stimmt
Viele Grüße von Stefan, mit dem fast keiner mehr Intrige spielt (wieso nur ?)

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Volker L.

re: Rache ist sinnvoll - aber alles mit Ma

Beitragvon Volker L. » 27. April 2001, 13:25

> Wo aber "Rache bis zum Untergang" wirklich nötig ist,
> das ist bei Vertragsbruch. Den darf man sich nie
> bieten lassen, ohne maximal zu reagieren.
Kommt drauf an. Es gibt einige wenige Spiele, wo selbst
das erlaubt, manchmal sogar zwingend noetig ist, z.B.
Junta, Intrige, Putsch oder Africa 1888.
In einer Partie Intrige waren ein Freund und ich mal
sehr ehrlich zu einander. Die Folge: niemand hat uns
groessere Summen fuer gute Plaetze geboten, weil klar
war, dass wir den jeweils anderen nicht in die Pfanne
hauen (und seinen hochbezahlten Berater rauswerfen)
wuerde. Folge: wir beide belegten abgeschlagen die
Plaetze 4 und 5.
Aber grundsaetzlich gebe ich Dir recht. In "normalen"
Spielen (selbst Eroberungsspielen) sollte man sich
wirklich an Absprachen halten und Wortbruechige heftig
(und eventuell gemeinsam) niedermachen.
> Wenn jemand bei Siedler eine Ortschaft dahin baut,
> wohin man selber gerne expandiet wäre - völlig ok.
Ich habe auch schon erlebt, dass Leute selbst sowas
veruebelt und dann dem Uebeltateter mittels Raeuber
heftig gschadet haben (immer wieder bei diesem klauen,
auch wenn man die einzige Rohstoffkarte, die er hat,
gar nicht gebrauchen kann, sein wichtigstes Feld
blockieren, auch wenn man den fuehreneden Spieler
viel wirksamer treffen koennte).
Andererseits gibt es aber auch bei Siedler Situationen,
wo einem ein anderer Spieler in einem Bereich, wo er
gar keine Siedlung bauen will, mit Strassen den Weg
abschneidet, NUR um die Expansion des Gegners zu
verhindern. In solchem Fall sind (begrenzte, nicht
exzessive!!!) Vergeltungsmasznahmen durchaus angebracht.
Gruss, Volker (der eigentlich nur 'ne ganz kurze
Antwort schreiben wollte, aber das Thema ist einfach
zu vielschichtig)


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