Beitragvon Hans-Georg Rausch (G´Ork) » 28. Mai 2001, 13:48
Hallo!
Zunächst einmal: Ich gehöre zu den Denkern, die auch gern mal über einen Spielzug sinnieren. Aber nur, wenn es sinnvoll ist. In allen anderen Fällen hilft eine Sanduhr und kollektiver Druck.
Das genannte Beispiel aus 18xx hat mich fast die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen. Erstens, wir spielen 1830 OHNE Rechnerunterstützung (weil wir es blöde finden, wenn sechs Leute einen Bildschirm angaffen, statt sich zu unterhalten; aber das wäre dann ein anderes Thema). Zweitens, wir nehmen uns Zeit: Wenn man für ein Plättchen mal etwas länger braucht, was solls. Wenn aber bei uns einer daher käme nach dem Motto: "Entweder, du sagst mir jetzt, wieviel Geld du hast, oder ich rechne nach", dann gibt es dazu die passende Antwort: "Okay, du hast zehn Sekunden". Fertig ist die Laube.
Ansonsten gilt bei fast allen Spielen: Es kommt drauf an. Manche Spiele erfordern eben eine gewisse Disziplin der Mitspieler. Andere lassen sich eher aus dem Bauch heraus spielen. Es gibt Spiele, die spielt man, um zu gewinnen (und möchte dann natürlich auch über seine Züge mal länger nachdenken) und es gibt welche, die Spielt man einfach so, aus Spaß, und wenn man dann noch gewinnt, ist das toll. Bei den letzteren müssen solche notorischen Grübler eben von vornherein diszipliniert werden (Sanduhr und kollektiver Druck), will man sie nicht ausgrenzen (was bei einer begrenzten Anzahl an Mitspielern natürlich schwierig ist, die Probleme kennen wir hier halt nicht).
Mit solch lethargischen Spielern Spiele wie LiftOff oder Laguna spielen, die die Komponente "Zeit" bereits in der Spielmechanik verankert haben, halte ich für sehr bedenklich - das macht doch keinen Spaß! Denn dann sind die Grübler doch nur Opfer, aber keine Gegner.
Die genannten Titel gehören deshalb wohl auch nicht zu meinen persönlichen Spielefavoriten, obwohl ich sie beide objektiv gesehen für gute Spiele halte.
Solange das Verstreichen von Zeit nur Auswirkungen auf das Spielergebnis des Grüblers hat, ist das aber alles nicht so schlimm. Problematisch wird es, wenn die verstreichende Zeit auch die anderen Nerven oder Punkte kostet (oder beides). Ich kenne auch Leute, die bei der letzten Outpost-Runde noch bis auf die letzte Ore-Fabrik ausrechenen wollen, ob sie nun mit 58 oder 59 Punkten verloren haben... ;-) - aber wenn sie das für sich tun, während die anderen ihre Züge machen, ist das alles halb so wild.
Deshalb: Jede Spielrunde soll doch so spielen, wie sie mag. Und wenn es in einer Runde einen einzelnen gibt, der Langeweile durch unnötiges Grübeln oder Verzögerungstaktik verursacht, dann sollte derjenige sich vielleicht fragen, ob er in der richtigen Runde spielt. Ich würde eine Ligretto-Runde schließlich auch nicht durch mein Mitspielen einschläfern wollen.
Mit spielerischen Grüßen
G´Ork
(der heute abend wieder einen Spielekreis unsicher machen wird...)