Beitragvon Roman Pelek » 15. Oktober 2001, 02:33
Hi Bert,
> Natürlich kam die Meldung über dpa. M.E. setzt das Problem in
> den Redaktionen an. "Spiel des Jahres" wird u.a. auch über
> die Agenturen (dpa, ddp usw.) verbreitet, zusammen mit Fotos,
> Pressemappen usw. "Pilz" und "Spiel" haben damit gleiche
> Startchancen.
Nuja, gleiche Agenturmeldungen, aber beileibe nicht gleiche Startchancen, sofern man, wie Du weiter unten, die "Schere" im Kopf der Redakteure nimmst:
> Entscheidend ist dann, ob die Zeitungs-/TV-/Radioredaktionen
> das Thema übernehmen. Das ist aber nur zögerlich der Fall,
> weil Spiel einfach kein Begriff ist in den Köpfen der
> Redakteure. Deswegen ist es auch so schwierig,
> Spielerezensionen in den Medien unterzubringen.
Das glaube ich gerne, nur wie können wir das ändern? Umschläge mit dem Aufdruck "Vorsicht: Spiel des Jahres" und Plättchen drin verschicken? Aber makabren Scherz beiseite und zurück zum Thema:
> Buch-/Theaterkolumnen sind Prestigeobjekte (Man hat eben
> Kultur zu haben), Kino-/TV-/CD-Kolumnen sind
> selbstverständlich. Spielekolumnen sind da etwas ganz
> seltsames, unvertrautes. Zitat: "Ja was wollen Sie denn da
Eben: Spielen ist in den Augen der meisten nicht Kultur. Nur was hat dazu geführt bzw. was wurde unterlassen, dass die so gesehen wird? Weniger "kulturell" als ein 08/15-Hollywoodstreifen oder eine viel gewürdigte Theateraufführung vom Format eines Komödienstadels ist das Spielen beileibe nicht.
> überhaupt schreiben? Gibt es überhaupt neue Spiele? Mensch
> ärgere Dich nicht, Monopoly, aber sonst? Und das interessiert
> niemanden. Ich kenne keinen, der spielt. Und gefragt hat auch
> noch niemand danach."
Exakt das ist die Erfahrung, die ich hier auch immer wieder mache, wenn ich mit Nochnichtspielern rede. Und die werden dann einfach mal zu einem Spielchen eingeladen (mit dem Versprechen, dass alkoholische Getränke, Smalltalk, DVD oder Ausgehoption auch noch verfügbar sind) - und siehe da: sie haben Spass am Spielen! Manchmal mehr, als man denkt. Heute abend haben wir zwei dieser Sorte sogar einen Prototypen aufgenötigt - Reaktion: sie wollten dieses improvisierte, unansehnliche, zwischendurch noch variierte Machwerk gleich nochmal spielen und drüber diskutieren, was man denn alles besser, anders, schöner machen kann. Da ging's dann heiss her a la "Man könnte doch..." oder "Schöner wäre..." und "Lass uns einfach mal ausprobieren, ob..." Und solche Erlebnisse machen einfach riesig viel Spass und zeigen, dass die meisten Menschen durchaus Zugang zum Spielen finden, wenn man ihnen es halt einmal "frei Haus" und ohne Zwang serviert.
Was das mit Medien zu tun hat? Ganz einfach: der Zugang fehlt, aber er ist sicher vermittelbar.
> Gibt es Abhilfe? Ja, aber keine schnelle. Wer einen
> Spieletreff hat, mache den auch den Medien interessant. Die
Ja, Spieletreffs brauchen Werbung, sei's durch Auslage beim lokalen Spielwarenhändler, Anzeigen oder auch, noch besser, irgendwelche Aktionen vor Ort. Spieletreffs müssen sich präsentieren. Am besten, indem man Menschen unvermittelt zum Spiel zieht, wenn sie gar nicht darauf gefasst sind. Eine Anzeige "Spieletreff sucht Mitspieler" im lokalen Apothekerblättchen weckt kein Interesse. Da gehört ein Artikel dazu, notfalls selbstverfasst und eingereicht. Oder ein Stand auf dem Dorffest, das spontane Ansprechen von Leuten im Spieleladen (obwohl das natürlich diffizil ist, da man dort häufig, selbst bei subtilem Vorgehen, den Verkäufern den Rang abläuft *seufz*).
> vielen Print-/TV-/Radio-Lokalredaktionen brauchen immer
> Material. Und ganz simpel: Schreibt Leserbriefe! Verlangt
> Spielerezensionen! Einige wenige Briefe können da schon etwas
> in Bewegung bringen.
Ja, das ist richtig. Leider oder zum Glück haben wir hier schon eine vernünftige Spielerezi-Rubrik in der Wochenendausgabe, und für reine "Weiter so"-Mails ist man natürlich immer zu müde... Und Kritik a la "Rezi vom 26.08.1999 war misslungen, weil..." wäre unangebracht, weil sie Fehler noch fokussiert und kontroproduktiv ist. Ein Dilemma.
> Bert (der gerne beim "Pils des Jahres" mitwählen würde)
Können wir machen: ich nominiere "Bitburger", "Jever" und "Flensburger" zum PdJ.
Ciao,
Roman (der wenigstens mal eine "Weiter so"-Mail an die lokale Zeitung schreiben muss)