Moin, moin, allerseits!
Manchmal hat es doch 'was Gutes, wenn man krank im Bett liegt und mit Lesematerial versorgt wird, das man sonst eher nicht liest:
Es gibt sie doch, Spiele außerhalb von (Spiele-)Fachzeitschriften! In der diesmonatigen "Schöner Wohnen" (11/2001) gibt es in der Rubrik "Journal Weihnachten" nach Artikeln zu Deko-Tips, Zinnfiguren etc. auch sechs Seiten zu Spielen. Der Artikel heißt "Einer wird gewinnen", Redaktion Wolfram Kawlath, Fotos Sven Thormann, und es werden insgesamt 14 Spiele und Spielzeuge vorgestellt. Es ist eine bunte Mischung: von Lego ("Lego Steven Spielberg Movie Set") und Game-Boy zu Kinderspielen (Activity Kinder, Mensch Ärger Dich Nicht Sendung mit der Maus) zu abstrakteren Spielen (Desert Dice, Vier Gewinnt Flip, Hamsterrolle) bis hin zu "echten" Brettspielen (Zauberberg, Pythago, Odysseus).
Eine interessante Auswahl: während zwar keine der hier im Forum breit diskutierten Spiele in dem Artikel auftauchen (außer vielleicht Odysseus), geht es ebensowenig nur um allseits bekannte (moderne) "Klassiker", kein Tabu, keine Siedler, kein Jenga. Von bekannteren Spielen werden wenn, dann neue oder abgewandelte Varianten vorgestellt ("Mensch Ärger Dich Nicht Sendung mit der Maus", eine Farbwürfel/Kindervariante; "Mühle Loriot", Mühle mit Loriot's Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheid, "Vier Gewinnt Flip", ein um 180° drehbares Vier Gewinnt das ganz interessant aussieht...)
Gerade im Hinblick auf die beiden älteren Threads zu Spielen und Spielewerbung in den Medien ( http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=27037&t=26948&v=f & http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=27050&t=27050&v=f ) überraschten mich diese Spiele in einer Zeitschrift wie "Schöner Wohnen" sehr. Anscheinend gibt es doch, zumindest vor Weihnachten, ein Publikum für Informationen über neue(re) Spiele!
In der Hoffnung mehr solche Artikel in Zeitschriften zu entdecken,
Gruß,
Hanna (im Kräuterteewahn)
Hier noch einige Zitate aus den damaligen Threads:
Antje Graf schrieb damals in Bezug auf Spielewerbung in Zeitschriften:
"es lohnt sich also nicht, ein einzelnes Spiel zu bewerben, da der Umsatz an diesem einen Spiel nicht hoch genug ist. Auch werden Anzeigen dort geschaltet, wo man potentielle Kaufer vermutet, und zwar so viele, dass die Anzeige sich rechnet. Um es platt zu sagen: es gibt einfach nicht genug Brigitte-Leser, die sich Die Siedler kaufen würden."
- aber anscheinend genug "Schöner Wohnen" Leser die vor Weihnachten auch mal an Spielen interessiert sind, von denen einige wohl auch als "Designobjekte" interessant sein könnten (z. B. Hamsterrolle oder auch Imago, das aber nach der Kurzbeschreibung eigentlich kein richtiges Spiel ist...)
Berthold Heß schrieb:
"Entscheidend ist dann, ob die Zeitungs-/TV-/Radioredaktionen das Thema übernehmen. Das ist aber nur zögerlich der Fall, weil Spiel einfach kein Begriff ist in den Köpfen der Redakteure. Deswegen ist es auch so schwierig, Spielerezensionen in den Medien unterzubringen. Buch-/Theaterkolumnen sind Prestigeobjekte (Man hat eben Kultur zu haben), Kino-/TV-/CD-Kolumnen sind selbstverständlich. Spielekolumnen sind da etwas ganz seltsames, unvertrautes. Zitat: "Ja was wollen Sie denn da überhaupt schreiben? Gibt es überhaupt neue Spiele? Mensch ärgere Dich nicht, Monopoly, aber sonst? Und das interessiert niemanden. Ich kenne keinen, der spielt. Und gefragt hat auch noch niemand danach.""
- umso schöner, daß sich anscheinend mal ein mutiger (oder spielender?) Redakteur gefunden hat!
Roman Pelek schrieb:
"Antje Graf schrieb:
> Was man bräuchte wäre Werbung für das Spielen sich,
> entweder als Marketing durch mehrere Verlage, um die
> Kosten aufzufangen oder, besser noch, als Reportage auf
> Angebote aus der Szene hin. Auch werden Anzeigen dort
> geschaltet, wo man potentielle Kaufer vermutet, und zwar
> so viele, dass die Anzeige sich rechnet. Um es platt zu
> sagen: es gibt einfach nicht genug Brigitte-Leser, die sich
> Die Siedler kaufen würden.<
Ja - aber es gibt genug Erwachsene, die sich eines oder mehrere der vielen Brettspiele kaufen würden, wüssten sie, dass Spielen ihnen gefällt und welches für sie in Frage käme. Es geht m.E. mehr um "Basisarbeit" und Werbung fürs Spielen als für bestimmte Produkte. Anderes macht wenig Sinn, maximal das SdJ wäre vielleicht vor Weihnachten noch gut einzeln zu bewerben.
Man kann nicht voraussetzen, dass Redakteure selbst ausgerechnet aufs Spielen stossen. Insofern wären Initiativen aus der Szene dringend notwendig. Ein paar mehr Reportagen über das Hobby Brettspiel in Fernsehen sowie Printmedien sind dringend notwendig und auch realistisch. In unserer lokalen Zeitung (Allgemeine Zeitung Mainz) hier haben wir immerhin am Wochenende immer eine vernünftige Spielerezi oder Berichte aus der Spieleszene, aber das ist bei weitem nicht überall so - und vor allem in den globaleren Medien fehlt so etwas weitestgehend."
- gut, ob "Schöner Wohnen" nun unbedingt ein "globaleres Medium" ist... ;-)
aber auf alle Fälle handelt es sich um einen Artikel, der viele verschiedene Spiele und Spielarten vorstellt, somit wird wahrscheinlich versucht "für jeden etwas" zu bieten, was ja gleichzeitig auch für's Spielen generell wirbt. Können wir also nur hoffen, daß dadurch irgendjemand einfach mal wieder auf die Idee kommt, daß man zu Weihnachten auch Spiele verschenken kann und das Spiele nicht nur etwas für Kinder sind.
Arno C. Hofer schrieb:
"Insofern würde ich meinen, wir müssten in "intellektuellen" Zeitschriften und Magazinen schauen, ob es dort irgendwie möglich wäre, das "Medium Spiel" als "Kulturgut" zu verkaufen."
- oder, wie hier zumindest teilweise, als "Designobjekte"...