Beitragvon Gustav der Bär » 8. Dezember 2001, 09:20
Um es einmal ganz knapp zusammenzufassen, lieber Markus - und wirklich GANZ knapp! - gibt es einige grundsätzliche Strategien im Kartenspiel, die darauf zielen, den Gegner "auszubremsen", in dem man alle Siedlungen oder alle Städte selbst baut, ehe der andere dazu kommt.
Andere lassen den Gegner 11 oder 12 Siegpunkte bauen - und bauen dann in einem einzigen Zug selbst 11 Punkte, mit denen sie (zusammen mit den beiden Start-Punkten) dann gesiegt haben.
Der Screenshot allein sagt nicht besonders viel über den Grund deiner Niederlage - abgesehen davon, dass ich sebst kein besonderer Freund von Verdopplern bin: Es ist effektiver, den Gegner Verdoppler bauen zu lassen und ihm dann mit Aktionskarten, Handelsvorteil und Bankhaus die Rohstoffe abzunehmen. Hier nur zwei kurze Anmerkungen (ohne Anspruch auf wirklichen strategischen Tiefgang):
I. Ich vermute, die Siedlung ganz links war deine 3 Siedlung (also die erste, die du nach der Grundaufstellung gebaut hast). Wenn das stimmt, dann hast du dir wahrscheinlich mit dem Kundschafter einen Wald und ein Lehmfeld ausgesucht, damit deine Verdoppler wirken. Wenn man schon einen Kundschafter einsetzt, ist es oft besser, sich zwei Karten von ein und der selben Landschaft zu holen. Holst du dir zum Beispiel zwei Lehmfelder, hast du deinen Gegner von Anfang an in seiner Expansion gebremst, weil ja nur zwei im Stapel liegen.
II. Durch deinen Kommentar zum Screenshot vermute ich, dass du versucht hast, Handelsvorteil und Größte Rittermacht gleichzeitig zu besitzen. Das klingt zwar recht verlockend, ist aber gleichzeitig auch eine Schwäche. Wenn du dir die beiden Besitzsteine einmal als die "Flanken" deiner Aufstellung vorstellst, dann sind beide Flanken notwendiger Weise nur schwach gedeckt: Ein Gegner, der sich auf eine von beiden Möglichkeiten spezialisiert, wird nur eine deiner Flanken angreifen (und besiegen, da er in diesem Bereich mehr Karten hat) und die andere ignorieren. Damit ist dann deine gesamte Flankendeckung vergeblich gewesen: Bei der einen Flanke ist der Gegner stärker, die andere wird überhaupt nicht ins Gefecht geführt.
Besser konzentriert man sich nur auf eins von beiden und unterstützt diesen Weg dann durch entsprechende Aktionskarten.
Zum Beispiel: Den Handelsvorteil unbedingt durch ein früh gebautes Handelskontor stärken, unterstützt Gewürzkarawanen, Handelsmonopol, Anton den Bankier und natürlich das Bankhaus.
Oder: Die stärkste Rittermacht durch die Ordensburg sichern, durch die Schmiede stärken, dann durch die Aktionskarte Grenzkonflikt und Ereigniskarten wie Überfall und Konflikt ausnützen.
Das ganze Feld der Strategiemöglichkeiten ist wirklich komplex.
Falls du dich da ein bisschen einlesen möchtest, dann schau doch mal beim Forum von www.siedeln.de in den Unterbereich "Decks für das Kartenspiel". Allerdings verstehe zumindest ich inzwischen manchmal nicht mehr, wovon die da eigentlich reden - ich glaube, das ist im Laufe des Jahres eher etwas für Mathematiker geworden.
Da gibts jetzt sogar ein Simulationsprogramm, mit dem du bei einem neu zusammengestellten Kartendeck die Rohstoffausbeute und die Geschwindigkeit, mit der du Siegpunkte baust, überprüfen kannst.
Ich finde das alles ganz schön faszinierend - aber am besten finde ich eigentlich, dass man alle diese Überlegungen auch komplett ignorieren kann und einfach aus dem Bauch heraus spielt - wenn man dann eben auch akzeptieren muss, dass man keine Chance auf eine Spitzenposition in der Catan-Weltrangliste hat. Egal: Hauptsache, der "Bärwurz" geht nicht aus.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär