Beitragvon Marten Holst » 29. April 2002, 15:25
Moinle Roland,
ja Du hast recht, im spieltheoretischen Sinne gibt eine Strategie für jede denkbare Situation vor, wie zu agieren ist, wenn man diese Definition denn hier wirklich anwenden will. Denn schon in einem "einfachen" Spiel wie Schach (das zum Beispiel im Gegensatz zu diversen Verhandlungs- und Versteigerungsspielen vergleichsweise wenige Möglichkeiten lässt) lässt sich nur eine algorithmische Strategie bestimmen (was natürlich im wesentlichen auch genau das ist, was Schachcomputer machen), keine explizite. Soll heißen: niemensch ist in der Lage, den optimalen Zug zu finden, somit kann man Schach in der Praxis nicht "rational", wie Du es nennst spielen. Abgesehen davon, dass Schach ein Spiel mit nur drei "Nutzen" für Dich ist - 1; 0,5; 0 - und Du daher mehrere gleichwertige Strategien hast...
Aber eine Strategie muss nicht unbedingt explizit sein. Der Dummyspieler bei Vinci ist auch eine Strategie (und zwar eine randomisierte).
Was ich aber eigentlich sagen wollte (endlich komme ich in die Hufe... ;-)[i][/i]) ist folgendes: die Definition aus der Spieltheorie ergibt hier leider keinen Sinn, denn sie ist nicht praktikabel und zielt an der Frage vorbei, die da dann doch lautet, ob ein erfolgversprechender, berechenbarer Algorithmus eher auf konkreten Komponenten der momentanen Spielsituation (Taktikspiel) oder aber auf eher abstrakten Gesamtkonzepten beruhen (im Schach die positionelle Bewertung nach Figurenaktivität, die eher langfristig angelegt ist - Strategiespiel). Natürlich ist auch diese Definition schwammig, denn alle Algorithmen basieren auf dem, was gerade los ist (ggf. inclusive Vergangenheit), und dann ist wieder alles Taktik.
Viele Grüße
Marten (der fürchtet, sich gerade rekordverdächtig unverständlich ausgedrückt zu haben)
> Hallo Hanna,
> hast Du "A beautyful mind" gesehen?
> Die von John Nash mitbegründete "Spieltheorie" bezeichnet
> eine Strategie als einen vollständigen Handlungsplan. Ein
> rationaler Spieler wird vor seinem ersten Zug alle
> alternativen Strategien bedenken und jene Strategie wählen,
> die seinen Erwartungsnutzen maximiert unter der
> Nebenbedingung, dass er davon ausgeht, dass auch alle anderen
> Spieler ihren Erwartungsnutzen maximieren. Eine solche
> wechselseitige Maximierung ist ein Nash-Gleichgewicht. (Im
> Film wurde es leider falsch dargestellt, insbesondere da Nash
> den Nobelpreis nicht für die Gleichgewichtsdefinitition,
> sondern für den Existenzbeweis erhielt und es keinen
> Widerspruch zu Smith gibt.) Für Taktiken bleibt kein Raum,
> weil von Anfang an alles feststeht. Selbst wenn der Zufall
> regiert gilt dieser Satz, wie Harsanyi gezeigt hat, der
> gemeinsam mit Nash den Nobelpreis erhielt.
> Zugegeben die Spiel-Praxis lehrt uns etwas anderes.
> Gleichgewichtige Grüße
> Roland