Beitragvon Roman Pelek » 12. Juni 2002, 01:23
Hi RoGo,
RoGo schrieb:
>
> Hallo Ihr Lieben,
> lang und breit wurden ja bereits Stärken und Schwächen beider
> Kandidaten bezüglich der Eröffnung diskutiert.
> Und Roman verwies an die bösen Spieltheoretiker.
Moment! Ich verwies hinsichtlich der bisherigen Diskussionen auf die Spieltheoretiker, aber vordergründig wertneutral ;-) Es lag mir allerdings auf der Zunge, ein bisschen zu sticheln, da ich mir von dieser Seite mehr Fundiertes erhoffte - und genau das hat sich ja anscheinend gelohnt!
> Also packt man sie von hinten an und spricht von Backward
> Induction oder Teilspielperfektheit.
Das ist im Sinne der Spieltheorie die wünschenswerte Vorgehensweise bei der Analyse eines solchen Spiels: vom Ergebnis auf die Handlungsweise anhand eines Spielbaums zurückzuschließen.
> Zwei Erkenntnisse ergeben sich auf diese Weise sehr schnell
> für mich:
> 1. In PR kann ein ernsthafter Spieler nur Strategien spielen,
> die von einem möglichst frühen Ende ausgehen und er sollte
> selbst dieses Ende ansteuern.
Richtig, deshalb ist es immer meine Lieblingsstrategie, das Ende selbst zu forcieren, aber das ist von der Besetzung abhängig. Gerade zu dritt kann man das Spielende sehr gut steuern, was hier auf die Gebäudestrategie hinweisen mag (da Kolonistenmangel oder Verschiffung zu dritt schwerer zu erreichen sein mögen). Zu fünft sieht es aber anders aus. Es wäre interessant, das zu analysieren, der Ansatz erscheint mir korrekt.
>In TA ist natürlich dieselbe Strategie erfolgreich, da ein provoziertes Ende mit >einem Sieg äquivalent ist.
Also Gleichstand :-D
> 2. Dadurch das bei PR ein Spieler das Ende herbeiführen klann
> ohne selber die geringste Siegchance zu besitzen, ensteht ein
> massives Königsmachersyndrom, das Wolfgang beispielhaft
> belegt hat.
Zustimmung, das Syndrom gibt es bei PR. Aber es ist eine unsinnige Spielweise in diesem Fall. Ich habe einige Partien PR durch zu frühes Ende verloren, ohne dass die Personen, die dies verursachten, davon einen Vorteil hatten - im Gegenteil: sie waren meist abgeschlagen. Im Sinne der Spieltheorie ist damit nicht zu rechnen, da man davon auszugehen hat, dass jeder den für sich optimalen Weg geht.
[TA-Sieg durch Unbeteiligte]
> In TA gibt es natürlich auch Königsmacher, aber sie sind unschuldig,
> ermöglichen bloß dem Beender zu siegen
> ohne ihn zu kennen.
In PR gibt's verdeckte Siegpunkte und viele Neulinge sind so unbedarft, dass ich dazu neigen würde, diesen Aspekt in einem klaren Unentschieden enden zu lassen. Auch bei geübten Spielern fällt's mitunter schwer, abzuschätzen, wer die entscheidenden 2 SPs mehr besitzt.
> Meine hoffnungslos unbedeutende Meinung:
> 2:0 für TA.
Ich bin für ein spieltheoretisches 0:0, da keiner der Kandidaten in meinen Augen wirklich punkten kann.
> (Ballack hätte ruhig ein drittes draufpacken können.)
Warum nicht. Aber dafür gab's als Ausgleich einen spanischen Schiedsrichter, der die eventuellen Gegner Spaniens durch eine Flut von farbigen Karten dezimieren konnte - ein gewisser Faux Pas für eine WM, wie ich meine...
Spieltheoretische Grüße,
Roman