Beitragvon Michael Weber » 16. August 2002, 09:03
Reinhard Pichler schrieb:
> Michael Weber schrieb:
> > Jetzt kommt es: Beide haben auch unterschiedliche
> > Zielgruppen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
>
> Bevor Du noch die Rufzeichen Taste durch die Tischplatte
> drückst, erkläre mir doch bitte welche unterschiedlichen
> Zielgruppen das wären?
Das hat Roland bereits (mal wieder) ziemlich treffend gesagt: Die einen (Jury) wollen die absoluten Massenkäufer erreichen, die anderen sind per Definaition bereits an eine mindestens minimal fachkundige Leserschaft gerichtet. Minimal fachkunbdig deshalb, weil sich die Spielbox als Magazin für Spieler versteht (ja ja, alle, die spielen, sind Spieler) und aufgrund ihrer Erreichbarkeit vermutlich den größten teil der Leser aus "Vielspielern" rekrutieren dürfte. Außer an Bahnhofskiosken gibt es die Spielbox im Abo und im Spiele-Fachhandel. Und ich wage mal zu behaupten, wer es bis in den Spiele-Fachhandel (ich meine keine gut sortierte Kaufhaus-Abteilung) geschafft hat, hat mehr als minimale Spielkenntnisse. Die, die es ohne Kenntnisse bis dahin eschafft haben, werden kaum die Spielbox von dort mitnehmen, sondern sich beraten lassen, was man dem von Roland zitierten Enkel schenken kann.
So richtet sich die Jury an das Massenpublikum der Monopoly- und Siedler-Spieler, die Spielbox an "Freaks", die zum Beispiel Puerto Rico und Medina vorziehen (und viele anderen tolle Spiele im Schrank haben).
> > Das einzige, was hier transparent ist, ist der sunjektive
> > Bericht.
>
> So fern ich nicht ganz blind bin, gibt es neben dem
> subjektiven Bericht auch Noten von anderen Kritikern.
Ja, aber sind die Noten besser erklärt als die Auswahl der Jury?
> Meine Präferenzen sind ganz einfach. Ich will mir, aus
> verschiedenen Gründen, die Zeit, für die Vorselektion der
> Spiele die ich kaufen möchte, verkürzen. Darum greife ich auf
> Empfehlungen und Kritiken zurück. Aus diesem so entstandenen
> Rest, entscheide ich mich.
Das ist gut, nur darfst du keinerlei Objektivität erwarten. Wenn ein Spiel nicht funktioniert, ist der Verriss vorprogrammiert, aber das gleiche Spiel kann vom gleichen Rezensenten in unterschiedlichen Besetzungen (Anzahl und Zusammensetzung der Mitspieler) völlig anders erlebt werden. Spontan fällt mir da Die Mauer von Zoch ein, die in unseren tests einmal ganz furchtbar lief und dann wieder ganz hervorragend. Was nicht am Spielmechanismus lag, sondern an den Vorlieben der Spieler. So kann eine lobende Besprechung eines Spiels nach einem Kauf für den Käufer das Gegenteil bringen: Frust. Grundsätzlich ist eine Information eher über den Spielmechanismus mögliche, was häufig enorm weiter helfen dürfte. Die Bewertung in einer Besprechung ist für den Leser für sich selbst eher als eine Tendenz zu lesen. (Ich darf das sagen, ich schreibe selbst Rezensionen ;-) )
> Das mag schon sein. Es geht darum warum beide Seite nicht ein
> schlechtes Spiel erkennen können und als Erklärung für die
> unterschiedlichen Bewertungen dafür einfach der Deckmantel
> Subjektivität immer wieder verwendet wird.
Die Jury will ein schlecxhtes Spiel gar nicht erkennen. Sie will gut funktionierende erkennen. Gibt es ein Spiel auf der Auswahlliste, das nicht funktioniert oder objektiv schlecht ist (ich betone, dass ich nicht an Objektivität von Bewertungen glaube)? Das die Auswahlliste aus anderen Gründen immer wieder diskussionswürdig ist, ist eine völlig andere Sache.
> Trotzdem gibt es Kriterien, die bei der Beurteilung eines
> Spiels helfen: Hat es eine neue Idee oder verknüpft es
> wenigstens vorhandene Elemente zu einem neuen Erlebnis? Wurde
> die Idee so umgesetzt, dass das Spiel fesseln kann? Wirkt es
> organisch, rund, oder künstlich und konstruiert? Ist die
> Regel sinnvoll aufgebaut, übersichtlich, verständlich, ohne
> Lücken, Widersprüche und Fehler? Entspricht das Material
> seiner Funktion, ist es solide und haltbar? Spricht die
> Gestaltung an, sind Schachtel, Spielplan, Regel und Material
> aufeinander abgestimmt?
Das dürfte auf ca. 60-80 % der Neuerscheinungen mehr oder weniger stark zutreffen. Als negatives Beispiel sei hier an die im Forum diskutierte Aufnahem von Atlantic Star erinnert.
> Daraus ergibt sich sehrwohl ein Anforderungskatalog der auf
> jedes zu bewertende Spiel angewendet werden kann.
Schön, was hilft es, wenn die Anforderungen - meiner Meinung nach - so niedrig sind? Bis auf Age Of Aventinus erfüllt so ziemlich jedes Spiel diese Anforderungen, wenn man mal von Ideenklau absieht.
> Bei Deiner Metapher mit der Bohrmaschine fehlen mir aber noch
> die Bohrer? ;)
Ja, genau. Die Spieler. Und die kaufen inder Masse ganz anders als die Leute, die sich hier im Forum tummeln.
Michael