Beitragvon Ernst Knauth » 6. Mai 2002, 16:44
Hallo Marten,
> > Ich freue mich, daß in der Spielbox endlich mal ein Spiel wie
> > "War! Age of Imperialism" rezensiert wurde.
>
> ich stimme Dir zu. Als an solchen Spielen interessierter, der
> allerdings aus den bekannten Mangelkrankheiten (Zeit,
> Gelegenheit, Mitspieler, großer Wohnzimmertisch, tbc...) nie
> dazu kommt, derartiges zu spielen, bin ich doch an Kritiken
> interessiert, um dann zu träumen, derartige Spiele auch mal
> zu spielen...
ich habe:
- Interesse an komplexen Spielen (wobei ich War! überhaupt nicht als sonderlich komplex empfinde - und auch nicht als gut)
- öfters mal Gelegenheit
- einen großen Tisch
- Mitspieler (hauptsächlich meine Frau)
- Zeit (bei weitem nicht genug, aber ich nehme sie mir)
Deshalb bin ich natürlich an guten Rezensionen über derartige Spiele interessiert.
> > Ich werte das als
> > ersten Versuch, nach den vielen nichtssagenden Rezensionen
> > über nichtssagende Spiele in den letzten Jahren endlich mal
> > wieder etwas mehr Anspruch in die Spielbox zu bringen. Ich
> > hoffe sehr, daß dieser Weg in Zukunft konsequent
> > weiterverfolgt wird.
>
> Da hingegen stimme ich Dir nicht zu (so, wie ich das
> verstehe, was Du geschrieben hast, aber vielleicht
> missverstehe ich Dich auch). Wenn sich die Spielbox, wie ja
> selbst bekannt gegeben, zuerst an Spieler wendet, dann heißt
> das imho nicht notwendig, dass es sich hierbei um die
> "Extremstrategiehammerverdauer" handelt - statt dessen
> wünsche ich mir auch Rezensionen von "nichtssagenden
> Spielen", die den Markt erreichen, eben um zu erzählen, dass
> und warum es nicht gefällt. Und auch, um mich zu warnen.
Ich sehe mich nicht als extremen, wohl aber als Spieler von anspruchsvollen Spielen (der aber oft auch mal gute kurzweilige Sachen spielt). Solche Spiele gibt es auch im Ausland. Und genau dieses Thema hat die Spielbox bisher ziemlich ausgeklammert. Mein Wunsch war nur, dass das Spektrum der Spielbox diesbezüglich erweitert wird (wirklich komplexe Spiele sind hier nicht gemeint, die sind in der "Manöverkritik" der GHS ausreichend abgedeckt).
Und ich bin der Meinung, dass dies auf Kosten von Rezensionen wie der über Cairo geschehen könnte. Ich brauche nicht zwei Seiten Besprechung, um erkennen zu können, ob ich ein Schnips-Spiel kaufen soll oder nicht ...
> > Michael Knopfs Meinung über die Carcassonne Erweiterung kann
> > ich absolut nicht teilen, und seinen Artikel über Frauen beim
> > Spielen fand ich total daneben. Auf solche Rezensenten kann
> > ich wirklich verzichten.
>
> Ersteres ist eine Meinung, die jeder Kritiker haben darf, und
> ich kann sie nachvollziehen. Die
> Frauen-Männer-Spiel-Geschichte fand ich allerdings auch nicht
> so richtig... dennoch sehe ich hier ein klassisches Problem:
> für eine Zeitschrift sind ein, zwei "Verrisse" ab und an
> notwendig, zum einen, um zu zeigen, dass man objektiv ist und
> die Skala nicht nur von 8 bis 9 reicht, zum anderen kann man
> da auch auflockernd schreiben. Problematisch ist dieses
> allerdings immer für Spieler, die das entsprechende Spiel
> mögen... die müssen dann halt drei Mal trocken schlucken.
Selbstverständlich soll jeder Kritiker seine Meinung äussern, aber er hat auch eine Verantwortung. Ich bezweifle, dass Michael Knopf die Carcassonne-Erweiterung oft genug und mit unterschiedlicher Spielerzahl gespielt hat, um sich so ein Urteil erlauben zu können. Ich selbst spiele Carcassonne meist zu zweit (bisher ca 50 mal), und da kann man die Erweiterung wirklich empfehlen.
Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, ich hätte etwas gegen Verrisse. Im Gegenteil, ich wünsche mir mehr davon, aber sie müssen fundiert sein. Auch hier sollte die Spielbox künftig einen kritischeren Weg einschlagen.
Aber auch ein Verriss muss sich lohnen (siehe oben) ...
Gruss
Ernst