Beitragvon Marten Holst » 19. August 2002, 13:40
Moinle Jörg und Michael,
Ihr habt ja beide recht (IMHO). Natürlich ist es schön, wenn man jemandem wie 2F oder Cwali, die Spaß an einer Sache haben, an der wir auch Spaß haben, etwas "mehr" unter die Arme greifen kann, gerade weil hier vielleicht wirklich der einzelne Euro mehr zählt als bei "Großkotz Spiele GmbH & Co. KG".
Dennoch - und ich möchte das jetzt nicht als Diskussionspunkt nehmen, sondern nur als Beispiel - fällt mir schon bei der ganzen mp3-Diskussion auf, dass Kunden oft der Meinung sind, "abstraktere" Arbeit sei weniger Wert. "Ich brenne mir meine CDs, weil das ganze Geld sowieso nicht an die Gruppe geht, und ich will doch nicht das ganze Musikbusiness finanzieren." Wie schon gesagt, ich will hier nicht über selbstgebrannte Musikraubkopien diskutieren, auch nicht über die überhöhten CD-Preise. Aber ja: ich will das gesamte Musikbusiness finanzieren. Ich will, dass es einen Menschen im Studio gibt, der die Musik aufnimmt, einen Designer für das Booklet, einen Werbemenschen, der mich darauf aufmerksam macht, dass die CD existiert und jemanden, der die CD nach Hamburg schafft, damit ich nicht selber nach Amsterdam fahren muss, sie abzuholen.
Nicht nur der Mensch, der das direkt baut, was wir haben wollen, verdient es, Geld zu bekommen, sondern auch alle anderen, die in der Struktur drin stecken. Und mal ganz im Ernst: wie viele von denen, die "Herstellernah" argumentieren stehen selber an der Drehbank und schleifen dort ein Auto zusammen - und wie viele arbeiten in Personal-, Vertriebs-, Beratungs- oder sonstigen Abteilungen und haben dabei nicht das Gefühl, dass es "weniger wichtige" Arbeit sei.
Ich gebe allerdings zu: würde ich dieses Jahr nach Essen kommen, dann wäre es doch der Friedemannstand, an dem ich seine Spiele erwürbe, und zwar auch deshalb, weil die Klein(st)verlage, aber auch einige etwas größere, durchaus die Athmosphäre vermitteln "das ist ein entfernter Bekannter aus meiner 'Clique'" - und ich gehe ja auch zu den Theateraufführungen meiner Nichten, da ich sie kenne. Und die Spiele kaufe ich sogar freiwillig und gerne...
Heute mal oberlehrerhafte Grüße
Marten (arbeitet nicht in der Musikindustrie und ist auch kein Beamter)