Beitragvon Roman Pelek » 1. Juli 2006, 05:25
Moin Volker,
VolkiDU schrieb:
>
> Roman Pelek schrieb:
> > hochgradig interessante Frage, die Ihr da aufwerft. Das
> > Problem ist natürlich: wer hat die solide Datenbasis und die
> > Zustimmung der teilnehmenden Personen, sowas auszuwerten?
> > Schließlich sind das ziemlich sensible, persönliche Daten,
> > die man dafür bekommen muss.
>
> Hallo Roman,
>
> und die Auswertung wäre sehr umfangreich. Das wäre doch mal
> eine Thema für eine Dissertation.
Jo - und wer meldet sich zu Wort und macht das jetzt ernsthaft? Das wäre mal 'ne wirklich schöne Sache. Im Gegensatz zur Yogurette würde ich dafür sogar nachts mal aufstehen, um mitzumachen (okay: Nacht ist bei mir manchmal ein relativer Begriff, wie Norman schon treffend anmerkte. Andererseits hat Walter Moers die Nacht in "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubar" mal sehr schön als Idee ins Spiel gebracht: "Wissen ist Nacht". Nächtens hat man wenigstens die Ruhe, zu reflektieren.)
> > Wie sagte ein Spieler aus meiner
> > Runde erst jüngst nach einer extrem knappen Niederlage im
> > Affekt recht direkt zu mir: "Du bist eine echte Drecksau beim
> > Spielen." Das war sicher keine sonderlich diplomatische
> > Aussage, aber möglicherweise trifft es ja einen denkbaren
> > Kern der Sache. Zumindest für einige spielende Männer, und
> > vermutlich auch für meine Person. Womit wir den Kreisschluss
> > geschafft hätten und wieder am Anfang stehen: um hartnäckige
> > Klischees zu bestätigen oder zu widerlegen, bräuchte es
> > aussagekräftige Studien.
>
> Das mit der Drecksau beim Spielen sehe ich als Kompliment. In
Ja, natürlich - es gibt kaum ein größeres Kompliment, dass einem ein engagierter Mitspieler machen kann. Es zeigt, dass es Spaß gemacht hat, alle voll dabei waren und Emotionen wirklich ausgelebt werden.
> meinem Bekanntenkreis und Freundeskreis gibt es auch
> Klischees. Der Robert läßt alles über sich ergehen und
> meckert nicht. Seine Frau Tanja spielt, als wenn's um Leben
> oder Tod gehen würde, alles wird auf die Waagschale gelegt,
> um jede Regelunklarheit wird gekämpft. Kein Millimeter
> nachgegeben. Dagegen ist Uwe sehr tolerant, sehr beinflußt
> von seiner Frau Gudrun. Brigitte meint, mit mir könnte man
> nicht spielen, aber alle freuen sich, wenn ich dabei bin,
> Brigitte ganz besonders.
Das interessanteste lebende Paradoxon, dem ich bisher begegnet bin, ist meine Schwiegermutter. Wenn man mit der ein Spiel mit direkter Interaktion vorlegt, fängt die an, richtig biestig und zickig zu werden. Die ist sogar bereit, einen realen Streit ("Wenn ihr weiter so gegen mich spielt, gehe ich lieber bügeln") vom Zaun zu brechen, nur um die Harmonie im Spiel zu wahren. Andererseits ist das natürlich ein gefundenes Fressen für mich. Wenn ich Claudia beim Spielen aufziehen will, muss ich lediglich ganz, ganz beiläufig einstreuen: "Du hast anscheinend irgendwie irgendwas von Deiner Mutter geerbt" - "Gar nicht wahr!" - "Siehste mal, und sofort wirst Du unentspannt, also habe ich anscheinend doch Recht".
Ansonsten muss ehrlich eingestehen, dass ich meine noch vorhandenen Spielegruppen (der Rest ist zum Vorteil beider Parteien längst geflüchtet) ziemlich liebe. Die bringen so schön trockene Kommentare wie: "Na, welch blödes Stöckchen hat uns unser Kritikerhund mal wieder vor die Tür geschleppt? Hat er das schon angesabbert oder ist das noch frisch?".
Ciao,
Roman (den bei weitem schönsten Kommentar hat beim "public viewing" allerdings heute Abend eine Arbeitskollegin gebracht: "Seit drei Jahren schätze ich Dich als ruhigen und nachdenklichen Kollegen, aber erst die Emotionen, die ich heute Abend bei Dir gesehen habe, machen dich liebenswert." Ach, Frauen.was macht der kritische deutsche Mann nur mit ihnen? Sie einfach zu mögen ist vermutlich das Unkomplizierteste, auch auf die Gefahr hin, dass Alice Schwarzer das jetzt trotzdem für eine verwerfliche männliche Eigenschaft hält. Und wieso fällt mir jetzt bloß "Wenn alle Männer Mädchen wären, dann wär' die Welt perfekt" von Farin Urlaub ein?)