Beitragvon Guido Gottheil » 1. Dezember 2006, 01:50
Hallo Jan,
ich habe das Spiel auf der Messe in Stuttgart einmal gespielt. Zu zweit. Man hat es mir mit den Worten "außen Monopoly, innen Dame" vorgestellt. Und das trifft es tatsächlich auch ganz gut. Denn im Prinzip hat man es mit zwei verschiedenen Spielen in einem zu tun. Aber das Ergebnis ist erstaunlich gefällig.
Leider erinnere ich mich nicht mehr so gut an die Regeln, aber soviel ist noch hängen geblieben:
Man würfelt mit zwei Würfeln. Einer ist für die Aussenbahn, die um das Rasterfeld in der Mitte verläuft. Man setzt sein Männeken entsprechend der Augenzahl vor. Grenzt das Feld an ein Haus/ Gebäudekomplex des Gegners, muss man Miete zahlen, wobei die Miete von der Größe der vom Gegner gebauten Häuserreihe abhängt. Kommt man auf ein Eckfeld, zieht man eine Aktionskarte und muss diese auch sofort ausführen. Das Ergebnis kann schlecht oder gut sein.
Der andere Würfel bestimmt, wie weit man einen schwarzen Mann im Rasterfeld versetzen darf. Ich nenne ihn mal "den Polier", denn er bestimmt dann, wo man eines seiner Häuser bauen bzw. eines des Gegners wieder abreißen kann. Man darf ihn nur senkrecht oder waagerecht versetzen und muß noch ein paar Kleinigkeiten beachten, so dass es trotz des Würfels recht taktisch ausgeht. Man muss ein Auge für geschickte Züge entwickeln. Leider habe ich vergessen, wie das nun im Einzelnen aussah.
Spaß bringt natürtlich der Monopolyanteil, der vorallem in Schadenfreude besteht. Der hohe Glücksanteil in Form von Würfel und (!) Karten kann aber ebenso auch Frust bedeuten. Viel interessanter fand ich den taktischen Mittelteil. Er ist keineswegs banal, trotz des Würfels. Der Mechanismus ist ganz pfiffig. Und man kann den Gegener mit schönen Zügen überraschen. Ich hatte mich so auf darauf konzentriert, dass ich regelmäßig das Setzen auf der Außenbahn vergessen habe. Auch relativiert sich mit fortgeschrittener Spieldauer der Glücksfaktor des Würfels im Bauspiel, denn der Mechanismus stabilisiert bestimmte "Fronten" im Spiel. Daher muss man aufpassen, wie man baut, um gegen Ende des Spiels nicht hoffnungslos unterzugehen.
Insgesamt ein amüsantes Spielchen. Auf die Monopolyvariante könnte ich persönlich verzichten und mich nur der "innere Dame" widmen. Das Bauen an sich ist schon eine schöne Beschäftigung. Aber es ist klar, dass das Miete zahlen die Bautaktik beeinflusst und so den Charakter des (inneren) Spiels etwas verändert. Auch kann ich mir vorstellen, dass das Spiel für Kinder ohne Monopolyvariante zu trocken ist. Und ich muss zugeben, dass es gerade wegen des hohen Glücksfaktors auf der Außenbahn viel Spaß machen kann, vorausgesetzt, man begreift das Spiel dann auch als Ärgerspiel. Wen sowas stört, der sollte sich nur auf die goldene Mitte konzentrieren. Aber dann ist es vielleicht wieder etwas zu wenig Spiel (für's Geld).
Anmerken möchte ich, dass das Material sehr schön ist, aber imho doch irgendwie nicht so ganz zum Thema passt (oder das Thema nicht zum Material?). Es sind sehr bunte, runde Bauklötze. Man braucht da etwas Phantasie, um sich darin Häuser vorzustellen. Ich persönlich hätte (wenigstens) eckige Klötze vorgezogen, die erinnern da doch mehr an Hochäuser. Wie dem auch sei. Es ist ein schönes Spielchen. Ich kann mir vorstellen, dass gerade Kinder oder "Wenigspieler" sehr viel Spaß mit diesem Spiel haben, denn das Spiel ist nach kurzer Zeit sehr eingängig. Vielleicht so ein typisches "Oma und Enkel" -Spiel und damit ein Familienspiel in Reinform. Wenn ich wieder zum Bau einer Skyline aufgefordert würde, würde ich ja sagen. Aber auf Dauer gibt es da doch andere Spiele, die ich vorziehen würde. Somit nur der schwache Tipp, das Spiel selbst auszuprobieren.
Gruß
Guido