Beitragvon Andreas Last » 2. März 2007, 12:05
Moin Hans-Peter,
der Grund liegt vielleicht darin, dass PC-Umsetzungen von Gesellschaftsspielen den Originalen einfach nicht das Wasser reichen können. Mich jedenfalls kannst du mit sowas jagen. Wenn ich am PC zocke, dann will ich auch die Möglichkeiten meines PCs ausnutzen, sprich, ein für den PC entwickeltes Spiel spielen. Und offensichtlich bin ich mit dieser meinung nicht allein, denn sonst würden mehr solcher Umsetzungen gekauft werden, was den Markt dafür vergrößern würde und mehr solcher Umsetzungen zur Folge hätte.
PC-Umsetzungen von Gesellschaftsspielen können meines Erachtens schon deshalb nicht so gut sein, wie ihre Originale, weil einfach die Gesellschaft fehlt. Onlinefähigkeit ist dafür kein Ersatz. Interessant dazu ist Peers Artikel "Wii jetzt?" auf http://www.spielbar.at/
In den Kommentaren wird zwar deutlich, dass ich mit Peer nicht in allem zu 100% übereinstimme, die Kernaussagen treffen es aber ganz gut, finde ich.
Ich denke, Gesellschaftsspielumsetzungen von PC-Spielen haben da eine bessere Chance. Nimm WoW als Beispiel. Warum ist das so? Ganz einfach. Man kann ein typisches PC-Spiel nicht 1:1 als Gesellschaftsspiel umsetzen. Das ist einfach nicht möglich. Und wenn doch, würde es niemand spielen wollen, weil die Regelflut erdrückend wäre. Aber warum ist das jetzt ein Vorteil für eine Gesellschaftsspielumsetzung eines PC-Spiels? Dadurch, dass man ein PC-Spiel nicht 1:1 als Gesellschaftsspiel umsetzen kann, [b]muss[/b] zwangsläufig etwas Neues egschaffen werden. Der/Die Entwickler sind gezwungen, die im Gesellschaftsspiel umsetzbaren Elemente herauszuarbeiten und in das zu entstehende Spiel einzubauen, damit es ausreichend Ähnlichkeit mit dem Original hat. Die entstandenen Regellücken müssen zwangsläufig mit gesellschaftsspielfähigen Mechanismen ausgefüllt werden, damit das Spiel lauffähig ist. So entsteht dann ein Ableger, der an das Original für den PC erinnert, trotzdem aber als Gesellschaftsspiel spielbar ist. Es werden also die besten Eigenschaften beider Seiten vereint.
Andersrum, also wenn eine PC-Version eines Gesellschaftsspiels geplant ist, ist eine 1:1 Umsetzung möglich. Man kann das komplette Regelwerk eines Gesellschaftsspiels als Computerprogramm realisieren. Das führt dazu, dass die meisten Anbieter dies auch tun, um das ursprüngliche Spiel so exakt wie möglich auf den PC zu bringen. Außerdem spart es jede Menge Geld und Entwicklungszeit. Die individuellen Stärken udn Schwächen des PCs werden dann aber außer acht gelassen, sodass am Ende nur eine billige Kopie des womöglich guten Originals entsteht.
Andreas (für dessen Diplomarbeit genau solche Fragen interessant sind)