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Spielekritik Uptown

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Thomas Reh
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Spielekritik Uptown

Beitragvon Thomas Reh » 8. Juli 2009, 21:43

Hallo zusammen,

hier eine Spielekritik zu Uptown:

eine Version mit Fotos:

http://www.spielengehtimmer.de/index.php?option=com_content&view=article&id=136:uptown&catid=44:u-z&Itemid=2

Es gibt Spiele unter denen man sich bei einem ersten Blick sofort etwas vorstellen kann, auch wenn es vielleicht nicht immer das Richtige ist. Dies gilt aber nicht für Uptown von Funagain Games (2007; Autor: Kory Heath). Die Packung regt nicht gerade die Fantasie an und weckt nicht unbedingt das Interesse von potentiellen Käufern. Ist dieses Spiel zurecht so nichtssagend gestaltet worden, oder kann hier trotz des Äußeren ein spielerisches Highlight entdeckt werden?

Das Spielthema:
Uptown ist größtenteils ein abstraktes Legespiel, bei dem es neben Plättchen mit Buchstaben und Zahlen zusätzlich auch noch Plättchen mit Symbolen (Gentlemen, Dame, Diamantring, Champagner, etc.) gibt, die eine thematische Brücke zum Spieltitel (reicher Stadtteil) schlagen.

Das Spielmaterial:
- Spielbrett
- 140 Pappplättchen (je 28 in 5 Spielerfarben)
- 5 Plastik-Ablagebänkchen
- Spielregel

Das Spielziel:
Die Spieler versuchen 24 ihrer Plättchen so auf dem Spielbrett zu platzieren, das möglichst nur eine ununterbrochene Fläche der eigenen Plättchen am Spielende existiert. Eigene Plättchen können entweder vertikal oder horizontal miteinander verbunden sein.

Der Spielablauf:
Die Spieler erhalten alle Plättchen in ihrer Spielfarbe und ein Ablagebänkchen. Dann mischen die Spieler verdeckt ihre Plättchen, ziehen fünf davon und stellen sie auf das Bänkchen, und die Partie beginnt. Im Uhrzeigersinn platzieren die Spieler nun, immer wenn sie an der Reihe sind, ein beliebiges Plättchen von ihrer 5er Auswahl auf das Spielbrett. Danach ziehen sie ein verdecktes Plättchen nach, und stellen es zu den verbleibenden vier Plättchen auf das Ablagebänkchen.

Es gibt drei verschiedene Sorten von Plättchen. Zahlen (1-9) und Buchstaben (A-I) können nur jeweils in die mit der selben Zahl / dem selben Buchstaben am Rand markierten Reihe/Spalte platziert werden. Die Symbolplättchen dürfen nur auf Felder des quadratischen Spielbrett-Gebietes (je 3x3 Felder groß) gelegt werden, die das selbe Symbol wie das Plättchen zeigen. Das Plättchen mit dem Dollarzeichen (in jeder Farbe gibt es ein Exemplar) stellt einen Joker dar, der auf jedes Feld gelegt werden kann.

Für freie Felder gibt es keine weiteren Legeregeln. Prinzipiell können auch bereits belegte Felder mit einem eigenen Plättchen besetzt werden. Hier ist jedoch zu beachten, dass ein gegnerisches Gebiet nicht durch die Wegnahme dieses Plättchens in zwei Gebiete geteilt werden darf, Gegnerische Einzelplättchen dürfen ebenfalls nicht ersetzt werden. In allen anderen Fällen wird das gegnerische Plättchen entfernt und durch das eigene Plättchen ersetzt. Die entfernten gegnerischen Plättchen sammeln die Spieler offen vor sich.

Das Spielende:
Kann auch der letzte Spieler nicht mehr auf fünf Plättchen auffüllen, endet das Spiel. Der Spieler dessen Plättchen jetzt die wenigsten Gebiete bilden, Einzelplättchen zählen als ein eigenes Gebiet, gewinnt das Spiel. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der die geringere Anzahl gegnerische Plättchen ausgetauscht hat.

Variante für 2:
In dieser Besetzung erhalten die beiden Spieler jeweils zwei Farben und zwei Ablagebänkchen. Die beiden Farben werden komplett getrennt voneinander gespielt. In seinem Zug muss sich der aktive Spieler für eine der beiden Farben entscheiden und ein Plättchen der 5er Auswahl platzieren. Dann ist der andere Spieler am Zug. Wenn die Auslage der letzten Farbe nicht mehr auf 5 aufgefüllt werden kann, endet das Spiel. Zur Ermittlung des Siegers werden jeweils die Flächen der beiden Farben zusammengezählt, bei Gleichstand auch die Anzahl der ausgetauschten Plättchen.

Die Spielbewertung:
Wie bereits in der Einleitung geschrieben, ist die Schachtel von Uptown und auch das Spielmaterial unscheinbar gestaltet. Ich finde die Grafik nicht häßlich (so weit würde ich nicht gehen), aber sie verführt potentielle Spieler/Käufer nicht unbedingt zum hinschauen. Gerade bei einem eigentlich abstrakten Legespiel wirkt das Thema so noch austauschbarer, als es sowieso bei abstrakten Spielen der Fall ist. Die Qualität des Materials ist dagegen absolut in Ordnung: die Pappplätchen sind ausreichend dick, die Ablagebänkchen stabil und die Grafiken des Spielplans und der Plättchen lassen sich einigermaßen gut unterscheiden.

Die kurze zweiseitige Regel ist übersichtlich geschrieben und auch in der deutschen Version gut zu verstehen. Da der Regelumfang sehr gering ist und die wenigen Regeln sich schnell einprägen, kann Uptown auch sehr gut von Wenigspielern/Spielunerfahrene aber auch von Kindern (ab 7-8 Jahre) gespielt werden. Trotz dieser sehr geringen Einstiegshürde dauert es gerade bei unerfahreneren Spielern 2-3 Partien, bis das reine Ablegen von Plättchen durch taktischeres Verhalten abgelöst wird.

Da jedes Plättchen nur einmal pro Farbe vorkommt und immer nur fünf Plättchen gleichzeitig zur Verfügung stehen, ist das Glück ein treuer Begleiter in diesem Spiel. Nach mehreren Partien stellt man jedoch fest, dass das Glück in den meisten Fällen nur eine ziemlich kleine Rolle spielt, viel kleiner als man es vielleicht nach der ersten Partie eingeschätzt hat. Da sich das Glück i.d.R. schon in der selben Partie ausgleicht, ist das taktische Geschick der Spieler, die Kontrolle der eigenen bzw. gegnerischen Flächen und das Ausnutzen von Gelegenheiten spielentscheidend. Oft stehen dem Spieler 2-3 von der Legeposition gleichwertige Plättchen zur Verfügung, in diesem Moment ist ein taktisches Abwägen der Möglichkeiten oft sehr wichtig für den Spielverlauf. Immer wieder stellen sich dem Spieler taktischen Fragen.

Wenn sich die Flächen zweier Spieler begegnen, kann man oft den Plan des Gegners antizipieren und ggf. dem Gegner zuvorkommen, z.B. zwei eigene Flächen verbinden und es so dem Gegner unmöglich machen, ein jetzt nicht mehr am Rand liegendes Plättchen zu entfernen. Kann ich verhindern, dass sich ein Gegner meiner Verbindung zweier Flächen in den Weg stellt? Soll ich lieber meine eine Fläche mit aller Kraft vergrößern um dann ggf. zum Schluss mehrere Einzelplättchen legen zu müssen, oder doch lieber eine zweite Fläche anfangen und mir somit mehr Optionen zum Anlegen ermöglichen. Wo soll ich als 4. oder 5. Spieler mein erstes Plättchen legen, rein ins Getümmel da ich hier schon zwei nebeneinander liegende Plättchen zur Verfügung habe, oder doch lieber mit einem Einzelplättchen etwas weiter weg von den Gegnern anfangen? Welche vier Plättchen lege ich nicht? Lieber ein lange Linie (zu empfehlen) oder doch eher ein kompaktes Gebiet? Fragen über Fragen.

Durch das Entfernen der gegnerischen Plättchen und dem möglichen Setzen von Einzelplättchen kommt auch eine kleine Prise Ärgerpotential ins Spiel. Immer wieder stöhnt der eine oder andere Spieler auf, wenn z.B. kurz vor der Verbindung zweier eigener Gebiete ein Plättchen am Rande eines Gebietes entfernt wird, und dieser Spieler jetzt wieder zwei Plättchen benötigt. Dieses Ärgern ist oft jedoch nur Beiwerk, da gezieltes Ärgern ggf. auch die eigene Position verschlechtern kann (Tiebreaker - Anzahl der entfernten Plättchen - wird oft herangezogen, Einzelplättchen zählen jeweils als ein Gebiet).

Da den Spielern nicht immer mehrere gleichwertige Optionen zur Verfügung stehen und die Möglichkeiten auf dem Spielbrett immer gut zu überschauen sind, dauern auch bei Grübblern nur wenige Züge wirklich länger (Extrem-Grübbler ausgenommen). Natürlich kann man Uptown auch komplett aus dem Bauch heraus spielen. Meine bisherigen Mitspieler haben zumeist immer eine Kombination aus "Kopf und Hirn" eingesetzt. Zum Start des Spiels entwickelten sich die Gebiete sehr schnell, erst im späteren Spielverlauf kam es dann in wenigen Situationen zu kurzen Denkpausen. Die Spielzeit überschritt deshalb auch in keiner der Partiennennenswert die angegebenen 40 Minuten.

Das Spiel zu zweit ist nicht so mein Fall, zwar entsteht bei dieser Version mit zwei Farben pro Spieler eine ähnliche Enge auf dem Spielbrett wie in größerer Besetzung, trotzdem fühlt sich das 2er Spiel wie eine Behelfslösung an. Zu fünft wird es auf dem Spielbrett sehr eng. Bis man wieder am Zug ist, kann sich die gesamte Situation in einer Region des Spielplans komplett geändert haben, dadurch verringern sich die taktischen Einflußmöglickeiten im größeren Maße. Am besten gefällt mir Uptown zu dritt oder zu viert, da hier für mich die beste Balance zwischen Enge auf dem Spielbrett und taktischen Möglichkeiten gegeben ist.

Uptown ist so ein typischer Vertreter von, eigentlich ist es ja nichts besonderes, aber trotzdem gefällt es mir richtig gut. Ein schnelles taktisches Legespiel bei dem das Glück zwar vorhanden ist, aber keine dominante Rolle spielt. Ein spielerisches Highlight - so weit gehe ich nicht, da hierfür dann doch noch etwas fehlt. Aber es ist ein kleines Spiel, das wenn ich es denn mal in unserer Spielesammlung wahrnehme, sehr oft in den Spielesack packe. Fans von Legespielen kann ich Uptown uneingeschränkt empfehlen, allen anderen Spielern kann ich zumindestens einen Blick auf dieses bisher zu Unrecht kaum beachtete unscheinbare Spiel nahe legen. Von mir erhält Uptown 3,5 Sterne.

(5 Sterne: absolutes Highlight; 4 Sterne: sehr gutes Spiel; 3 Sterne: gutes Spiel (schlage ich selber vor); 2 Sterne: Spiel ist OK (würde ich immer mitspielen); 1 Stern: geht so (würde ich zur Not mitspielen); 0 Sterne: geht gar nicht)

Übersicht:
Spiel: Uptown
Verlag: Funagain Games
Autor: Kory Heath
Erscheinungsjahr: 2007
Sprache: deutsch, englisch
Spieleranzahl: 2 - 5
angegebene Spielzeit: ca. 30-40 Minuten
empfohlenes Mindesalter: ab 8 Jahren


Gruss
Thomas

www.spielen-geht-immer.de

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Thomas Reh
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Fehlerteufel

Beitragvon Thomas Reh » 10. Juli 2009, 00:29

Da ist doch glatt ein falscher Satz reingerutscht, der das Spiel doch ein wenig ändern würde. :-)

"Gegnerische Einzelplättchen dürfen ebenfalls nicht ersetzt werden".

=> es muß heißen: Gegnerische Einzelplättchen dürfen dagegen ersetzt werden.

Gruss
Thomas

PS: Danke an Fabian, manchmal liest man einen Text 5x Korrektur und überliest doch immer die selbe Stelle.


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