Beitragvon Gead » 9. Februar 2011, 09:18
Christof T. schrieb:
>
> Was sind denn die bestehenden Vorurteile? Ich habe nicht das
> Gefühl, dass die Verlage generell oder gar die Redakteure
> geneigt sind dem Autor seine Leistung abzusprechen.
Das Vorurteil eben, das Autoren nur den Strukturbaum liefern und das große Ganze aber vom Verlag kommt. Nur daran habe ich mich in dem ZEIT-Artikel gestört.
Ich schließe anhand dieser Aussage auch keineswegs auf alle Redakteure (und auf die jeweils dahinter stehenden Verlage). Wie könnte ich auch, habe ich persönlich noch mit längst nicht allen direkt zu tun gehabt. Und zumeist waren diese Erfahrungen auch positiv.
Ich verweise aber gerne auf die Verlagsübersicht (siehe hier: http://www.spieleautorenzunft.de/tl_files/files/Blickpunkt/Blickpunkt_Verlagsuebersicht%202010-06-07.pdf) auf den Seiten der Spiele-Autoren-Zunft, die zumindest aufzeigt, dass die "Wertschätzung" gegenüber den Autoren nicht überall gleich (gut) ist. Wie mit Autoren (und ihren Prototypen) verfahren wird, die es NICHT (oder noch nicht) zu einer oder mehrerer Veröffentlichungen geschafft haben - das steht dann nochmals auf einem ganz anderen Blatt. Ich denke (und weiß aus eigener Erfahrung), dass hier die Unterschiede zwischen den Verlagen (!) noch weitaus größer sind.
Wenn es so ist wie Matthias Cramer weiter oben ausführt, dass die Autoren mehr und mehr redaktionelle Vorarbeit leisten - was sicherlich auch an der wachsenden Erfahrung liegen kann, von Autoren, die bereits auf mehrere Verlagsveröffentlichungen zurückblicken können -, dann ist so eine Aussage, wie die von Herrn Hemme, umso kritischer zu bewerten. Wenn der Autor das Thema liefert, dies in Bildern auszudrücken versteht, diese an den richtigen Stellen im Spiel platziert, mit den passenden Spielmechanismen übersetzt, dazu noch den späteren Titel vorweg nimmt und zu alledem noch mit ansprechender Grafik zu gefallen weiß - ist das dann tatsächlich nur ein "Strukturbaum"?
Hier mag aber auch noch die jeweilige Firmenphilosophie und damit verbunden das -image eine Rolle spielen. Bei einigen v. a. den traditionsreichen Verlagen dominiert zweifelsohne das äußere Erscheinungsbild. Und Ravensburger hat eben einen sehr großen Wiedererkennungs- und damit Marktwert. Deren Markencharakter ist stark genug - die können es sich (noch) leisten, so aufzutreten. Das ändert aber an der Sache nichts, dass eben solche Aussagen (= Vorurteile) dem Anliegen der Autorenschaft (und aller sonst an der Entstehung eines Spiels Beteiligten), nämlich auf leistungsgerechte Darstellung (bzw. Namensnennung) und Vergütung, nicht dienlich sind.
Vorurteilsfreie Grüße
Gead
PS: Ich habe auch nichts gegen "ein gutes Spiel" und, dass "das an möglichst viele Spieler zu bringen". Und das sogar in allergrößter Bescheidenheit. Wohl dem Autor, der nicht mehr "will". Und über grenzlos altruistische Autoren freut sich sicher jeder (!) Verlag. Wer wollte ihnen das auch verübeln?