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Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Sachfremdes
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Frank Jaeger - AMIGO

Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Frank Jaeger - AMIGO » 5. Dezember 2007, 11:54

In unserem Posteingang der Redaktion schlug eine Beschwerde bezüglich "Guillotine" auf. Ich habe in meiner Antwort der Dame versprochen, dass ich ihre Warnung an die Spielerschaft weitergeben werde, was ich hiermit tun möchte.

Zuerst folgt die Email als Original - natürlich ohne Namen und Absender:

Sehr geehrte Damen und Herren.
Der Anlaß meines Schreibens ist leider sehr unerfreulich für sie. Ich möchte Sie alle nämlich dringendst bitten, dieses absolut MENSCHENVERACHTENDE SPIEL AUS DEM VERKEHR ZU ZIEHEN. Und das *umgehend.* Ich bekam es gestern von einer Mutter schulpflichtiger Kinder weitergereicht. Obwohl dieser Mutter sehr viel an einer allumfassenden Schulbildung ihrer Kinder liegt, und die Geschichtsschreibung auch über "adlige" Mitmenschen nicht nur Gutes berichtet, geht IHR GEMEINES UND SCHMUTZIGES SOWIE DISKRIMINIERENDES (IM HÖCHSTEN GRAD diskriminierendes)"">SPIEL ???!!!"< DOCH ÜBER JEDE
WISSENSVERMITTLUNG HINAUS. Aufruf zum MORD, Spaß haben am Mord! Das ist doch wohl das Allerletzte, was sich Menschen in ihrer Geld- und Profitgier ausdenken können.Ich bin zutiefst entsetzt, dass dieses Spiel bei uns in Deutschland auf den Markt kommen konnte und ich werde
alles in meiner Macht stehende tun, bis ihr Verlag entsprechende Konsequenzen zieht. Sie, liebe Dame oder Herr, der dieses Schreiben bearbeiten muß, bitte ich dringend, sich dieses Spiel, für Kinder ab 12 Jahren empfohlen, einmal anzusehen. Sie wissen vielleicht gar nicht, mit welch einem Arbeitgeber Sie es zu tun haben, und Sie machen sich mitschuldig an der Menschheit, besonders an unserer heranwachsenden Jugend (die auch Ihnen dafür zu recht die Köpfe lädiert).
Als Christ habe ich gar keine Wahl. Zu solch zerstörerischem Treiben kann und darf ich nicht schweigen.
Gott hat die Welt SEHR GUT geschaffen. Wir Menschen haben nicht das Recht, alles aus den niedrigsten Beweggründen zu nichte zu machen. Ihnen trotzdem eine gesegnete Adventszeit und im ganze Besonderen wünsche ich Ihnen allen eine persönliche Begegnung mit dem Lebensfürsten Jesus Christus.

Ich bitte Sie um eine baldmöglichste Antwort.


Letzterer Aufforderung bin ich natürlich nachgekommen. Ich vertrete die Auffassung, dass die Spielerschaft ein Anrecht darauf hat, dass Amigo zu den Vorwürfen, mitschuldig an der Menschheit zu sein, Stellung nimmt. Deswegen hier die Antwort:

Sehr geehrte Frau (Name entfernt),

Ich danke Ihnen für Ihre Mail. Gerne möchte ich zu Ihren Aufforderungen direkt Stellung beziehen.

Das Produkt Guillotine ist seit beinahe 10 Jahren in verschiedenen Ländern auf dem Markt und stammt ursprünglich aus den USA. Lizenzgeber ist die Firma Hasbro, ein Unternehmen mit hohen ethischen Ansprüchen und Hauptsitz ebenfalls in den USA, die noch mehr von fundamentalistisch religösen Wirrungen heimgesucht werden als dies in Europa der Fall ist. Doch selbst dort wird erkannt, dass es sich um ein satirisches Produkt handelt, dass keineswegs eine Geschichtsdarstellung übermitteln will. Die Französische Revolution als historisches und politisches Ereignis auf die Guillotine zu reduzieren, verbietet sich für jeden gebildeten Menschen von selbst, und ein entsprechendes Missverständnis darf wohl mit einem verwunderten Kopfschütteln quittiert werden.

Stattdessen gab es bislang ausschließlich lobende Worte, besonders von Seiten versierter Spielekritiker wie beispielsweise Brigitte und Wolfgang Ditt ob des (Zitat) "schwarz-humorigen Blick(s) auf die französische Revolution. Mit dem weiteren Text weiß der Käufer, was ihn erwartet und die Altersangabe ist gemäß des Themas auf 12 gesetzt. Das ist löblich und ehrlich!" (Ende des Zitats). Auch andere erfahrene Spielekritiker wie Frank Gartner, der es ebenso sah und den Humor des Spiels in einem exzellenten Satz zusammenfasste (Zitat): "Manch einen mag das Thema abschrecken, man sollte jedoch nicht vergessen, dass Guillotine ein Satire-Spiel ist und man ihm eher mit einem gewissen Augenzwinkern begegnen sollte." (Ende des Zitats), oder Heiko Frings, der fragte (Zitat): "Wo zum Beispiel hat man zuletzt ein derart makabres Sujet wie die Hinrichtungsorgien der französischen Revolution so hinreißend respektlos in Szene gesetzt?" (Ende des Zitats), erkannten die Parodie. Sogar Pädagogen des Instituts für Jugendleiter "Juleiqua" bekannten (Zitat): "Der schwarze Humor des ganzen Szenarios überträgt sich schon mal gerne auf die Spielrunde, in der keiner so leicht den Kopf hängen lässt. Eine echte Kaufempfehlung!" (Ende des Zitats).

Ihre Ausführungen sind in ihrer Wortwahl allerdings ein Indiz dafür, dass Sie den satirischen Charakter nicht erkannt haben. Dieses Spiel hat zahlreichen Spielern in Deutschland und vielen meiner Kollegen Freude bereitet. Dies betrachte ich, neben der Möglichkeit für viele Menschen, Ihren Lebensunterhalt rechtschaffen zu verdienen, als die Aufgabe eines Spieleverlags. Deswegen wird die Fortführung des Produktes Guillotine den gleichen wirtschaftlichen Parametern untergeordnet, wie es auch bei allen anderen Produkten der Fall ist. Im nächsten Jahr wird Guillotine ein fester Bestandteil unseres Verlagsprogramms sein. Ich werde allerdings Ihre Warnung gerne an die Spielerszene weitergeben, so dass sich die mündigen Bürger ein Bild machen können und ihre Entscheidung für oder wider das Spiel selbst treffen können.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit und hoffe, dass Sie die Zeit finden, eben dies zu tun und über die Begriffe Toleranz, Respekt und zwischenmenschliche Umgangsformen nachdenken können. Ihrem Wunsch, ich möge Jesus Christus zu begegnen, muss ich aufgrund meiner Überzeugungen allerdings den gleichen Stellenwert beimessen wie einem Treffen mit dem Osterhasen.

Mit freundlichen Grüßen
Frank Jaeger


Also, liebe Spieler, ihr seid gewarnt! Jetzt könnt ihr euch nicht mehr rausreden! :)

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Smuker
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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Smuker » 5. Dezember 2007, 12:23

LOL.. mit was für Schriftverkehr ihr euch manchmal abgeben müsst ist ja unglaublich. Da sieht man mal wieder wie tollerant gläubige Menschen seien können *G*.

Finde es super, dass du die email ohne Namen veröffentlicht hast und werde das Spiel ab heute noch satirischer betrachten ;-)

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Micha A.
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RE: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Micha A. » 5. Dezember 2007, 12:35

Hallo Frank,

Du und Dein menschenverachtender Arbeitgeber - Ihr wart mir schon immer etwas suspekt!

Höchst amüsierte Grüße,
Micha (kann Guillotine durchaus auch mit einem christlichen Weltbild in Einklang bringen)

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Frank -Riemi- Riemenschneider
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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Frank -Riemi- Riemenschneider » 5. Dezember 2007, 12:48

Vielen Dank für diese Warnung. Es ist gut zu wissen, dass es Mitmenschen gibt, die um mein Wohlergehen besorgt sind. Doch leider muss ich bekennen, auch ich habe dieses Spiel schon verschenkt.

Schöne Grüße auch an Frau Name-Entfernt

Riemi
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Warbear

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Warbear » 5. Dezember 2007, 13:00

Das Thema "Guillotine" ist natürlich ganz schlecht.

Vielleicht solltet Ihr beim nächsten mal doch ein anderes Thema wählen, wie z.B.
- Hexenverbrennung
- Ablaßhandel
- Kreuzzüge
- Missionierung von Indios
- etc. etc.

Dann werden zumindest aus der christlichen Richtung eigentlich keine Einwände mehr kommen können ... ;-)

.

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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Spielefreun.de » 5. Dezember 2007, 13:08

Ich habe dieses Spiel übrigens schon in einen Gemeindekreis mitgebracht, wo es mit großer Begeisterung gespielt wurde... :-)

Viele Grüße
Jens B. aus N. an der P. in F.
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Helby
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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Helby » 5. Dezember 2007, 14:14

Danke für die Warnung :-?

Ich habe schon welche verschenkt, hab es selber noch und noch eins da zum verschenken.

Komme ich jetzt in die Spielhölle ?

Da fällt mir doch gleich auch wieder mein Zooloretto ein, was ja auch sehr verachtenswürdig ist.

Dann werde ich mich gleich mal mit 10 Runden Hamburgum geißeln, hoffentlich ist es noch nicht zu spät ;-)

Thomas

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raccoon
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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon raccoon » 5. Dezember 2007, 14:17

Sehr geehrter Herr Jaeger,

OK, angesichts Ihres Familiennamens wird die Affinität zu mordlüsternem Auftreten ohnehin schon ganz unverhohlen zur Schau gestellt, insofern könnte ich mein WIRKLICH DRINGENDES ANLIEGEN vermutlich genausogut gleich in die Tonne kloppen ;) .

Keine Ahnung, ob ich als Christ jetzt konvertieren oder exkommuniziert werden muss, nur weil ich mich mit solch Menschen verachtenden Spielen abgebe. Hoffentlich erzählt der Dame niemand, dass es Spiele wir "Junta" oder "Zombies" gibt. Vielleicht sollte man ihr die Gegenfrage stellen, ob sie schon einmal beim Schach einen Bauern geopfert hat - das fände ich wirklich Menschen verac... pardon, Bauern verachtend. Man mag sich gar nicht ausdenken, wie nützlich die noch für RTL und Konsorten hätten sein können. :D

Sei's drum, da ich noch zu lange warten muss, bis ich beim Osterhasen eine Audienz bekomme, warte ich lieber auf ein paar Rentiere, die demnächst eintreffen sollten... In jedem Fall sei Ihnen gedankt, dass Sie die versammelte Spielerschaft an solchen Episoden, die das Leben schreibt, teilhaben lassen.

Mit satirischen Grüßen :)

racon (Name verfremdet, Anm. d. Red.)

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Pricuricu

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Pricuricu » 5. Dezember 2007, 14:21

Zucker. Ich kann mir vorstellen, dass Ihr euren Spaß in der Redaktion gehabt habt... Leider wird die Dame, wenn sie schon keine Satire kennt, auch eure unterschwelligen Botschaften nicht sehen. Schön, dass sie Dich auch vor Deinem Abreitgeber warnt. Wenn Du nämlich das Kleingedruckte in Deinem Vertrag rückwärts liest, wirst Du wahrscheinlich eine satanische Botschaft erkennen!

Mitfühlende Grüße, Guido

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Andreas Keirat

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Andreas Keirat » 5. Dezember 2007, 15:45

Moin!

Wahrscheinlich zeigt diese Dame auch Leute an, die ihren Tannenbaum "anmachen", weil sie dies als Brandstiftung sieht ;-)

Ciao,

Andreas Keirat
www.spielphase.de

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Richard van Vugt | GAMEPACK.nl
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Beiträge: 557

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Richard van Vugt | GAMEPACK.nl » 5. Dezember 2007, 17:02



Nicht ganz: leider gibt es noch Gläubige mit Humor wie Batteriesäure, aber das ist wohl ein Pleonasmus...

Mit freundlichen Grüßen,
Richard van Vugt

www.gamepack.eu

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Jürgen Polenz
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Beiträge: 193

Danke für die Spieleempfehlung

Beitragvon Jürgen Polenz » 5. Dezember 2007, 18:34

Hallo Frank,

vielen Dank für die Spieleempfehlung, auch an die ungenannte Dame. Das Spiel ist mir bisher irgendwie durchgegangen, wird aber jetzt umgehend geordert.

Mein Tipp: Verlinkung dieses Threads ins "Einkauftipps-Forum".

Gruß Jürgen

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Ferdinand Köther
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Beiträge: 1147

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Ferdinand Köther » 5. Dezember 2007, 18:41

Ich habe schon die Sittenpolizei gerufen, um dieses üble Machwerk aus meinem Regal zu entfernen, ich mochte es nicht mehr anfassen und warte lieber auf eine persönliche Begegnung ... der vierten Art!?

:lol: :lol: :lol: Ferdi

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Klaus Knechtskern
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Beiträge: 1660

RE: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Klaus Knechtskern » 5. Dezember 2007, 19:30

Sehr geehrter Herr Jäger,

ich kann mich den Ausführungen der Christin von eben nur anschließen und möchte noch ein weiteres Spiel Ihres, anscheinend lebensverachteten und gewaltverherrlichenden, Verlages hinweisen. Mich als Tierschützer und Veganer in bester Tradition von Franz von Asisi hat es unendlich betrübt als ich aus Ihrem Hause das MACHWERK "Sitting Ducks" in Händen hielt. Gottes eigene Kreaturen arme unschuldige Enten werden schonunglos auf dem Altar der Tötungslust geopfert. Ich kann Sie nur im Namen aller Tierliebhaber auffordern die Augen zu öffnen und zu erkennen welch schmähliches Treiben wider jedweder Grundsätze der GÖTTLICHEN Schöpfung Sie und Ihr Arbeitgeber hier billigen und propagieren. Allein Ihr Name zeigt ja auch eindeutig welch Vaters Kind Sie sind.

Mit empörten Grüßen

Name unbekannt


p.s.: Wie hieß eigentlich gleich wieder der Amigovertriebsmensch der Abends auf der Spielwiesn in München die gar köstliche Gerstenkaltschale, sozusagen des Bayern Manna, zusammen mit Uli Blennemann und mir genoß? ;-)

Klaus

p.p.s: Herzliches Beileid, dass Du auf solch ausgemachten geistigen Unsinn auch noch ernsthaft antworten musst.

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Duchamp

RE: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Duchamp » 6. Dezember 2007, 11:42

Empfehle dringend folgende Spiele zur endgültigen Verrohung der Menschheit:

Frischfleisch von Friedemann Friese
Lunch Money von John Nephew und Charlie Wiedman
Kill Doctor Lucky von James Ernest

Hier eine BGG-Liste mit weiteren interessanten Spielen:

http://www.boardgamegeek.com/geeklist/17194

:-)

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Heinrich Tegethoff

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 6. Dezember 2007, 13:28

Hallo Frank,

da könnt Ihr ja froh sein, dass Ihr nicht die Rechte am "Der Goldene Kompass" habt, so wie es die Kollegen von Kosmos tun.

Ich habe das Buch bzw. die Trilogie in den letzten Wochen gelesen, und da geht es, was christliche Religion und insbesondere "Kirche" angeht, wirklich zur Sache. Es wird dabei nicht "dagegen" gehetzt; die Konfrontation und Ablehnung findet aber sehr wohl im Kopf des Lesers statt.

Da der Film heute in den Kinos anlief, haben die Kino-News auch den heftigen Protest in den USA gegen den Regisseur seitens beider christlichen Kirchen aufgezeigt. Ich möchte nicht wissen, was dann bei Teil 3 (Das Bernstein-Teleskop) los ist...

Also, ganz gelassen bleiben, da drohen [b]Euch[/b] noch keine Mordanschläge.

Servus,
Heinz (der das Buch gut fand und heute abend den Film sieht)

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Frank Jaeger - AMIGO

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Frank Jaeger - AMIGO » 6. Dezember 2007, 14:47

Hallo Heinrich,

keine Frage, Pullmann hat ein wahrhaftiges lierarisches Meisterstück der Phantastik abgeliefert, das inhaltlich und sprachlich zu überzeugen vermag. Dass es in den englischsprachigen Ländern als Jugendbuch gilt, lässt mich ob der ungewollt aufklärerischen Wirkung natürlich hinterhältig schmunzeln...
Frank.

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Malte Kiesel
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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Malte Kiesel » 6. Dezember 2007, 15:18

Das hört sich eher nach dem Typen an, der den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat, als solche Briefe an Verlage zu schicken und selbige samt der Antworten später als Buch zu veröffentlichen... :-) Ich weiß nicht mehr, wie er heißt, aber seine Bücher hab ich schon mit viel Vergnügen gelesen... :-)

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Jürgen Polenz
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Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Jürgen Polenz » 6. Dezember 2007, 22:26

Hallo Malte,

du meinst sicher die "Briefmacken"-Bücher von Winfried Bornemann. Sind schon witzig.

Gruß
Jürgen

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Heinrich Tegethoff

[OT] Nachtrag: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 7. Dezember 2007, 13:23

Da ich den Film nun gesehen habe, kann ich die Kritik am Regisseur verstehen.

Denn während das Buch "die Kirche" zwar als stärkste und unheilvolle Macht darstellt, aber auch zerstritten und eher religiös-fanatisch, so ist dies im Film eine monolithische Macht, die an faschistische Darstellungen erinnert, also viel weltlicher diktatorisch.

Das Spiel "Der Goldene Kompass" ist da recht harmlos: ohnehin ein (nicht alltägliches) Laufspiel, aber auch nur thematisch "angelehnt".

Servus,
Heinz (wird sich langsam der herausragenden Qualität des Buches bewusst)

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Malte Kiesel
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Beiträge: 450

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Malte Kiesel » 7. Dezember 2007, 19:10

ja, das wars... genau! Und irgendwie erinnert mich dieser Brief sehr stark an den Bornemann... aber manchmal ist die Realität ja leider viel dichter an der Satire...

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Ferdinand Köther
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Beiträge: 1147

Re: [OT] Nachtrag: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Ferdinand Köther » 8. Dezember 2007, 02:17

Heinrich Tegethoff schrieb:
>
> Da ich den Film nun gesehen habe, kann ich die Kritik am
> Regisseur verstehen.
>
> Denn während das Buch "die Kirche" zwar als stärkste und
> unheilvolle Macht darstellt, aber auch zerstritten und eher
> religiös-fanatisch, so ist dies im Film eine monolithische
> Macht, die an faschistische Darstellungen erinnert, also viel
> weltlicher diktatorisch.

Also im Endeffekt gleich, wenn ich das richtig verstehe. So gesehen kann ich die Kritik nicht verstehen, kenne allerdings weder Buch (Interesse) noch Film (etwas größeres Interesse) noch Spiel (geringes Interesse).
Hingabe und "Glaube" an das "Dritte Reich" z. B. unterscheidet sich nicht wirklich von religiösem Fanatismus ...
Religion hat ihren Ursprung im Erklärungsanspruch für zeitgemäß unverständliche Phänomene wie Blitz, Donner, Missernten usw. ... und wurde schon immer als Instrument für weltliche Macht ge-/missbraucht und ist so eng damit verbunden, dass praktisch kein Unterschied besteht, egal ob man sich von dieser oder jener Seite aus nähert. Die (etwas mehr) Wissenden nutzen die Unwissenden für ihre Zwecke aus.

Schade nur für das religiöse "Fußvolk", das oft in gutem "Glauben" und mit Hingabe wohltätig ist und gute Werke vollbringt - das verdient Anerkennung und Bewunderung - aber letztendlich nur instrumentalisiert wird.

Glaubhafte Grüße
Ferdi

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Tyrfing

[OT] Goldene Kompaß

Beitragvon Tyrfing » 8. Dezember 2007, 13:44

Da du den Film und das Buch gelesen hast, würd ich gerne ein paar Dinge nachfragen:

- In der Regel ist so ein Film natürlich immer auf die spannenden Szenen verkürzt. Mir ist auch klar, dass ein Filmregisseur nur sehr begrenzt Zeit hat, Charaktere zu "entwickeln"/"vorzustellen".
Im Film fand ich das teilweise doch argh kurz. Die Story "prescht" ziemlich schnell nach vorne, so mein Eindruck.
Ist das Buch da gemächlicher und nimmt sich die Zeit, die m.E. dazu nötig wäre, eine solch fremde Welt dem Leser vorzustellen?

- Mir schien der Film irgendwie auch an Szenen gekürzt. Einige Schnitte waren im Vergleich relativ "hart", wie man es sonst nur sieht, wenn etwas im Nachhinein "schnell" geschnitten wurde.
Ich spekuliere auf eine bessere Jugendfreigabe für das Weihnachtsgeschäft, habe ich auch schon gehört, dass das Buch durchaus "brutaler" ist. Ist das so?

Ich hab mir mal den Spaß gegönnt, den Kinowart darauf anzusprechen. Der hat mir nur gesagt, er wüsste nur davon, dass der Film "atheistischer" sei - womit ich gestern noch nichts anfangen konnte. Nach lesen der letzten Postings ist mir die Äußerung nun aber auch klar... ;)

Im übrigen ein ganz netter Film eigentlich - ich überlege ernsthaft mir mal die Bücher anzuschauen, wenn diese etwas "ersthafter" mit dem Thema umgehen, als Hollywood es tut.

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Flo
Spielkind
Beiträge: 10

Re: Warnung vor dem Amigo-Spiel "Guillotine"

Beitragvon Flo » 9. Dezember 2007, 03:47

Ich kann das Anliegen der guten Frau mehr als nachvollziehen. In meiner Kindheit hat die erste Begegnung mit dem "Beat 'em Up" genannt "Mensch ärgere dich nicht" bleibenden Schaden hinterlassen. Keine Spur von Nächstenliebe, von christlich-frommem Zusammensein im Sinne des Grundsatzes, dass man doch niemandem das zufügen solle, was einem selbst nicht angetan werden möchte. Stattdessen herrschte blanker Egoismus, darüber hinaus sogar der Zwang zu Schlagen! Mein Bild meiner heilen, von Gott SEHR GUT geschaffenen Welt bekam Risse so tief wie der Marianengraben und begann zu bröckeln wie so mancher Felsen an der schweizer Gotthard-Autobahn. Und als kurz darauf so manches Männchen allem Anschein nach auch noch reinkarniert wurde, war's bei mir endgültig vorbei mit unbeschwerter Kindheit... Wo waren die BPjM oder die Warnungen dieser guten Frau, als ich sie gebraucht hätte?!

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Heinrich Tegethoff

Re: [OT] Goldene Kompaß

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 10. Dezember 2007, 12:19

Hallo Tyrfing,

Tyrfing schrieb:
> - In der Regel ist so ein Film natürlich immer auf die
> spannenden Szenen verkürzt. Mir ist auch klar, dass ein
> Filmregisseur nur sehr begrenzt Zeit hat, Charaktere zu
> "entwickeln"/"vorzustellen".
> Im Film fand ich das teilweise doch argh kurz. Die Story
> "prescht" ziemlich schnell nach vorne, so mein Eindruck.
> Ist das Buch da gemächlicher und nimmt sich die Zeit, die
> m.E. dazu nötig wäre, eine solch fremde Welt dem Leser
> vorzustellen?

Ja. Die erfundene Welt ist in einigen Beziehungen sehr komplex, da parallel zu unserer, und im Grunde hat der Autor sich auch überlegt, wie deren Evolution dann ausgesehen hat. Charaktere werden entsprechend langsam eingeführt; die Daemonen z.B. Schritt-für-Schritt erklärt.

Es ist viel drin im Film, und entsprechend kam es mir auch "voranpreschend" vor, um alles wesentliche einzuführen und noch Zeit für die FX-Gimmicks zu haben. Als Beispiel sei Lord Faa aufgezeigt, der im Film auf einen bärbeißigen Kriegschef reduziert ist, obwohl sein Charakter (und sein Daemon) auf Weisheit basieren. Oder Lyras Charaktereigenschaften, die im Buch verwoben sind, werden im Film kurz plakativ gezeigt (sie lügt; sie rennt über Dächer), aber daraus ergibt sich nirgends "warum Lyra?".

> - Mir schien der Film irgendwie auch an Szenen gekürzt.

Ja. Die Frage hatte ich auch schon im Vorfeld gestellt, als es "FSK 12" hiess. Wäre das Buch realistischer umgesetzt worden, so bekämen die Protagonisten einen ganz anderen, vielschichtigeren Charakter, aber in unserem Sinne auch einen viel brutaleren. Die Fiesheit von Nicole Kidman (Mrs Coulter) kommt noch gar nicht durch.

Ich habe mich nach dem Film gefragt, ob - wie beim Herr der Ringe - eine Extended Version geplant ist. Aber dem steht gegenüber, dass sehr viel drin ist, aber häufig über andere Rollen und in anderer zeitlicher Reihenfolge. Das lässt sich schwer auffüllen.

> Einige Schnitte waren im Vergleich relativ "hart", wie man es
> sonst nur sieht, wenn etwas im Nachhinein "schnell"
> geschnitten wurde.

Das glaube ich eher nicht. Aber der Film ist inhaltlich auf FSK-12 / PG-13 gestutzt. Da fließt kein Tropfen Blut; im Buch ist des Eis auch einmal matschig-rot.

> Ich spekuliere auf eine bessere Jugendfreigabe für das
> Weihnachtsgeschäft, habe ich auch schon gehört, dass das Buch
> durchaus "brutaler" ist. Ist das so?

Ja! Ich würde das Buch auch nicht für Jugendliche unter 14 Jahren empfehlen. Ein Punkt, den es von z.B. vom Herr der Ringe unterscheidet, ist der, dass Personen nicht von Hause aus gut oder böse sind, sondern vielschichtiger und teils sehr böse bis "Spaß am Foltern", dann aber liebevolle Mutter. Im Buch wird fleißig gestorben. Im Film starben nur die Bösen. Das Buch ist damit realistischer in einer grausamen Welt. Und es ist grausamer, nicht nur und einfach blutrünstiger, z.B. in der Darstellung der Seelen-geschnitten Kinder.

> Ich hab mir mal den Spaß gegönnt, den Kinowart darauf
> anzusprechen. Der hat mir nur gesagt, er wüsste nur davon,
> dass der Film "atheistischer" sei - womit ich gestern noch
> nichts anfangen konnte. Nach lesen der letzten Postings ist
> mir die Äußerung nun aber auch klar... ;)

Religion, insbesondere alttestamentarisches Christentum, wird nicht per se verdammt. Aber was Menschen, insbesondere Machtmenschen, damit anfangen, wird bloßgestellt und aufgeklärt. So manches hat die Kirche schon längst abgestellt, aber das fanatische Denken findet sich überall wieder. Das Buch sieht eher Überzeugungstäter, die von ihrer Gutheit selbst überzeugt sind. Das ist nicht atheistisch. Aber Naturreligionen, der gesunde (und dann auch konsequent grausame) Umgang mit der Natur steht sehr positiv dar.

> Im übrigen ein ganz netter Film eigentlich - ich überlege
> ernsthaft mir mal die Bücher anzuschauen, wenn diese etwas
> "ersthafter" mit dem Thema umgehen, als Hollywood es tut.

Ja, tue das! Ich habe die Bücher nur gelesen, weil es das Spiel gab und ich den Trailer gesehen hatte. Zudem wusste ich, dass Pullman sein Werk als Gegenentwurf zu den "Chroniken von Narnia" sieht, die ich als kitschig empfand; und das Ganze doch als eigenständiges Werk neben dem HdR steht (alles Oxford-Professoren).

Servus,
Heinz


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