Beitragvon Thomas Rosanski » 7. April 2001, 17:19
Eins vorweg: Ich habe "Garten des Sonnenkönigs" erst einmal gespielt, da es aber anscheinend nur sehr wenig Rezensionen darüber gibt (kenne nur die eine auf startspieler.de, siehe Link unten), will ich dir trotzdem schon mal meinen ersten Eindruck schildern:
Der Spielplan ist in 24 Felder unterteilt und beinhaltet mehrere "Projekte" (oder Gebiete). Ein Projekt geht über mehrere dieser Felder und jedes Feld wird von mehreren Projekten benutzt. Auf jedem Feld liegen Glassteine, die es zu ersteigern gilt. Das ausgeklügelte an dem Versteigerungsmechanismus: Mit dem Gebot wird auch gleichzeitig bestimmt, welches Feld als nächstes versteigert wird. Und sobald ein Projekt fertig geworden ist, d.h. alle zu dem Projekt gehörigen Felder versteigern wurden, wird gewertet. Jedes Feld wird nur einmal versteigert, es enthällt aber mehrere Glassteine. Den ersten Glasstein erhält man direkt beim ersteigern des Feldes, weitere Glassteine erhält man immer dann, wenn eines der Projekte, die mit diesem Feld zusammenhängen, fertig werden. Es gibt Glassteine mit verschiedenen Werten. Man sollte möglichst früh die zu seinen ersteigerten Feldern gehörenden Projekte fertigstellen, damit man die Glassteine möglichst früh erhält. Bekommt man doch bei jeder Wertung immer wieder Geld in Höhe aller seiner Glassteine. Andererseits muss man versuchen, zu kooperieren, d.h. man muss andere Spieler dazu bringen, an der Fertigstellung derjenigen Projekte mitzuwirken, an denen man selber beteiligt ist. Es nützt also nichts, drei Felder zu besitzen, die alle zu einem Projekt aus vier Feldern gehören, weil kein Mitspieler mehr Interesse an dem vierte Feld dieses Projektes hat und so dieses Projekt wahrscheinlich erst sehr spät oder gar nicht mehr fertig wird.
Beim Versteigern muss man auch überlegen, welche weiteren Konsequenzen ein Gebot einer bestimmten Höhe hat und an welchen Feldern wer mitverdient und was die Mitspieler bieten könnten (das kann man manchmal sogar ganz gut einschätzen, weil durch die Höhe des Gebots auch die Lage des nächsten zu versteigernden Feldes bestimmt wird - und egal wer dieses nächste Feld ersteigert, wenn es wird ja auf jeden Fall "an den Mann gebracht" und ein damit zusammenhängendes Projekt eventuell dadurch fertiggestellt. Die Kopplung von Gebot und Bestimmen des nächsten Versteigerungsfeldes empfand ich einen sehr interessanten Spielmechanismus, der sicherlich eine menge taktischer Überlegungen mit einfliessen lässt
Ich kann das Spiel jetzt nicht mit Ra vergleichen, da ich Ra nicht kenne. Aber es ist m.E. nicht so sehr auf Gelegenheitsspieler ausgelegt, wie Canaletto, was ja eine stark vereinfachte Version dieses Spiels sein soll. Canaletto hat mir überhaupt nicht zugesagt, Der Garten des Sonnenkönigs würde ich gerne nochmal spielen, da hinter dem Versteigerungsmechanismus meines Erachtens mehr steckt, als ich beim ersten mal anwenden konnte. Auch gibt es bei Garten des Sonnenkönigs keinen Würfel und keine Karten, so dass der Spielverlauf nicht vom Zufall abhängt.
Was mir bei dem Garten des Sonnenkönigs nicht so gefallen hat, war die Gestaltung des Spielbretts. Zwar ist die Grafik an sich sehr schön, aber die Gebiete der einzelnen Projekte lassen sich nicht auf einen Blick erkennen. Aber wenn man sich nach ein paar Spielen daran gewöhnt hat, kann man darüber sicher hinwegsehen.
Da ich das Spiel bisher nur einmal gespielt habe, möchte ich jetzt noch keine explizite Kaufempfehlung aussprechen. Ich denke aber, dass es auf jeden Fall einen positiven Eindruck hinterlassen hat, und hoffe, dass ich demnächst nochmal dazu komme, es weiter auszuprobieren. Und lass dich nicht von dem Verlag abschrecken, bei dem man eher lockere und leichte Kinder- und Familienspiele erwarten würde.