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Gnadenlos - wie findet Ihrs?

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Roman Pelek

Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Roman Pelek » 21. April 2001, 22:17

Hi,
nachdem wir nun Gnadenlos mehrfach gespielt haben, bin ich mir immer noch nicht sicher, was ich von dem Spiel halten soll.
Es ist ein an sich einfaches, thematisch-humorvolles Familienspiel mit einem hohen Glücksanteil. Soweit, so schön und gut.
Aber:
Die verschiedenen, einfachen aber vielfältigen Spielelemente wirken etwas zusammengestückelt, dem Spiel fehlt etwas die Homogenität, das selbstverständlich-logische im Spielverlauf. Ich habe das Gefühl, hier wurde ein vom Konzept her komplexes Spiel zur Familientauglichkeit zusammengestutzt und man merkt es - irgendwie als ungutes Gefühl beim Spielen.
Zudem kann man noch so gut spielen, der enorme Glücksfaktor beim "Zahltag"-Auswürfeln ermöglicht es einem trotzdem, mit nur 3-4 Schuldscheinen mehrfach pleite zu gehen und im Endeffekt mit Abstand letzter zu werden, während andere hirnlos ihre ganze Kartenhand leerballern und nix bezahlen müssen. Und das kommt nicht selten vor.
Mein bisheriges Fazit: für ein einfaches Zocker- oder Familienspiel, bei dem man sein Glück testet, gaukelt das Spiel viel zu viele Handlungs- oder Taktikmöglichkeiten vor und dauert zu lange. Zudem fällt das Spiel nach meinem Eindruck irgendwie in seine Einzelteile auseinander - als würde irgendwo der Kitt oder die einheitliche Idee fehlen.
Dies alles ruiniert mir irgendwie auch das Spielerische dabei - ich habe das Gefühl, dass das, was ich da mache, sinnlos ist.
Mich würde dazu mal der Eindruck von anderen interessieren, die vielleicht das Spiel öfter (10+) gespielt haben. Vielleicht ist das auch ein Spiel, bei dem ich einfach keinen Zugang finde, aus welchem für mich nicht greifbaren Grunde auch immer.
Ciao,
Roman (wartet auf die Bekehrung zum Wild-West-Halunken)

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Michael Andersch

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Michael Andersch » 22. April 2001, 09:31

Hallo Roman,
mir ging's wie Dir, exakt so!
Nachdem Gnadenlos das erste Spiel seit zwei Jahren war, welches mich so angemacht hat dass ich es ohne Testspiel gekauft habe war ich nach mehreren Partien (5+) recht enttäuscht.
Inzwischen ist es wieder verkauft...
Viele Grüße,
Micha (gnadenlos beim Bereinigen des Spieleschranks)

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Klaus Teuber

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Klaus Teuber » 22. April 2001, 16:10

Hallo Roman,
keine Angst, ich möchte Dich jetzt nicht zum Wildwest-Halunken bekehren.
Die bleigeschwängerte Luft von Tuzza City erfreut sicher nicht das Herz jedes Strategen.
Entweder man mag sie oder man mag sie nicht.
Allerdings ist Deine Vermutung, ich hätte ein "komplexes Spiel zur Familientauglichkeit zusammengestutzt" falsch. Sowas würde ich keinem meiner Spiele antun.
Gnadenlos war von Beginn an als nicht komplexes Familienspiel konzipiert und alle wesentlichen Elemente waren schon im ersten Prototyp als einheitliche Spielidee vorhanden:
-Schuldscheine an Abenteurer ausgeben.
-Waage finden zwischen Rücklage von Gold, um Schuldscheine einlösen zu können und Ausgeben von Gold, um zu gewinnen.
-Die richtigen Fähigkeiten der Abenteurer zur rechten Zeit nutzen, um zu neuem Gold zu kommen.
Meine hauptsächliche Entwicklungsarbeit bestand darin, Umständlichkeiten im Spielfluß zu beseitigen und das Spielmaterial zu optimieren.
Ich finde es auf jeden Fall toll, daß Du Dir die Mühe gemacht hast, das Spiel öfter auszuprobieren.
Gruß
Klaus Teuber

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Roman Pelek

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Roman Pelek » 22. April 2001, 19:53

Hallo Klaus,
>keine Angst, ich möchte Dich jetzt nicht zum Wildwest-Halunken bekehren.<
Da hätte ich aber eigentlich gar nichts dagegen gehabt ;-) Eigentlich hatte ich mir vom Spiel ein schönes Familienspiel mit Glückselementen erhofft, war aber schockiert, wie man mit Überlegungen völlig baden geht. In jeder unserer 4 Partien gab es einen Spieler, der frustriert war, weil das Glück ihm/ihr übel mitspielte; oftmals war es die Auswürflung der Schuldscheine - ab und an auch das Dilemma, dass jemand keine Handkarten hatte und nur niedrige zur Versteigerung da waren, die ihm keine Chance im Vergleich zu den anderen Spielern liessen (erschossen, Felder zurückgehen im Glücksspiel).
>Die bleigeschwängerte Luft von Tuzza City erfreut sicher nicht das Herz jedes Strategen.
Entweder man mag sie oder man mag sie nicht.<
Es stört mich wenig, dass Gnadenlos kein Strategiespiel ist, das hatten wir auch gar nicht erwartet. Was mich viel mehr störte, ist dass der erhebliche Glücksfaktor im Spiel dazu tendiert, Mitspieler zu frustrieren, die, egal was sie machen, auf keinen grünen Zweig kommen. Und, wie es bei uns der Fall war, eine Dreiviertelstunde dazusitzen und hinten abgeschlagen zu sein, ist nicht sehr erbaulich und auch ein "tödlicher" Aspekt für ein Familienspiel.
>Allerdings ist Deine Vermutung, ich hätte ein "komplexes Spiel zur Familientauglichkeit zusammengestutzt" falsch. Sowas würde ich keinem meiner Spiele antun.<
Mir erschien es so, aber wenn Du das natürlich entkräftest (Dein Text dazu nicht zitiert), war die Vermutung falsch :)
Ich möchte aber im Gegenzug durch dieses Posting auch den Verdacht entkräften, wir als Vielspieler oder Liebhaber strategischer Spiel hätten dem Spiel unrecht getan, indem wir etwas von ihm erwartet hätten, was es nicht leisten kann oder will. Wir haben ein Familienspiel erwartet, für uns sorgte der Glücksfaktor nur leider nicht für ein lockeres Spielerlebnis, dass auch weniger erfahrenen Mitspielern Siegchancen gibt, sondern für das Gegenteil: die "Vernichtung" jeglicher eigener Planung und damit einhergehende Frustration.
Zudem war ja auch mein Posting darauf gemünzt, andere Erfahrungen oder Anregungen zum Spielverlauf zu finden, die uns ein schöneres Spielerlebnis zu bescheren - vielleicht haben wir auch einfach irgendetwas übersehen oder grob falsch gemacht, bislang gab es dazu aber kein Feedback leider.
Wir werden "Gnadenlos" mit Sicherheit noch mit daran Interessierten Spielern weitere Chancen einräumen, ich hege aber bislang noch zuvor geschilderte Bedenken am Spielverlauf und der negativen Aspekte bzgl. des Glücksfaktors, der hier das Spiel nicht "unbeschwerter" macht, sondern leider oftmals frustrierend für mindestens einen Mitspieler.
Ich freue mich natürlich über Deine direkte Antwort - wenn Du noch Tipps zum besseren Spielen von Gnadenlos hast (vielleicht haben wir auch jedesmal taktisch unklug gespielt? Wäre nicht das einzige Spiel, das unter falschen Spielrunden/Erfahrungen zu Unrecht gelitten hätte), halte damit bitte nicht hinterm Berg!
Ciao,
Roman

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Klaus Teuber

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Klaus Teuber » 22. April 2001, 22:39

Hallo Roman,
der von Dir beschriebene Frust kommt vor. Meine Mitspieler und ich konnten damit allerdings gut leben, da es bei 30 bis 45 Minuten Spieldauer eigentlich nur die ungefähr letzten 15 Minuten aussichtslose Situationen für Mitspieler gab.
Ich muß gestehen, daß ich eine gewissen Härte auch zulassen wollte. Schließlich heißt das Spiel Gnadenlos und der wilde Westen ist kein Sanatorium.
Taktische Möglichkeiten gibt es einige, aber da müßte ich nochmal meinen Sohn (16 Jahre)fragen, der gewinnt nämlich 80% der Spiele gegen mich ;-)
Grüße
Klaus

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Roman Pelek

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Roman Pelek » 23. April 2001, 02:13

Hallo Klaus,
>der von Dir beschriebene Frust kommt vor. Meine Mitspieler und ich konnten damit allerdings gut leben, da es bei 30 bis 45 Minuten Spieldauer eigentlich nur die ungefähr letzten 15 Minuten aussichtslose Situationen für Mitspieler gab.<
Bei uns wars leider eher umgekehrt - nach den ersten 15 Minuten war für eine Person meist noch 30 Minuten Frust angesagt, der nicht selbstverschuldet war, was eben uns als Missverhältnis erschien. Bin mal gespannt, was andere Spieler hier noch dazu zu sagen haben, vielleicht waren alle unsere Partien unglücklich - selten, aber im Bereich des Möglichen. Im übrigen hatten wir auch schon Mitspieler, die "Gnadenlos" richtig gut fanden - aber das waren dann die Gelegenheitsspieler, die gerade die aktuelle Partie gewonnen hatten ;-) Also das wohlbekannte Phänomen: Leute, die wenig spielen, finden immer die Spiele gut, die sie gewinnen. Deshalb betrachte ich diese Äusserungen so mit Vorbehalt, da ich unsicher bin, ob sie bei diesen Personen so bestehen bleiben würden, wenn sie einmal "Gnadenlos" gnadenlos verlieren...
>Ich muß gestehen, daß ich eine gewissen Härte auch zulassen wollte. Schließlich heißt das Spiel Gnadenlos und der wilde Westen ist kein Sanatorium.<
Dagegen ist im Prinzip ja nichts einzuwenden, ich geh auch selbst gerne mal beim Spielen "richtig baden" - nur dann möchte ich mir gerne selbst die Schuld geben können oder klar wissen, dass ich ein Glücksspiel gespielt habe. Da war mir, wie bereits geschildert, Gnadenlos einen Tick zu lang bisher bzw. einen Tick zu taktisch angehaucht vom äusseren Eindruck her.
>Taktische Möglichkeiten gibt es einige, aber da müßte ich nochmal meinen Sohn (16 Jahre)fragen, der gewinnt nämlich 80% der Spiele gegen mich ;-)<
Hm, wäre sicher keine schlechte Idee... Tipps werden gerne angenommen. Und wir spielen's sicher noch ein paar Mal, bevor ich eine abschliessende Meinung dazu habe - ausserdem wird's ja sicher noch andere Stimmen hierzu geben, die vielleicht Neues offenbaren.
Ansonsten stehen bei uns noch ein paar Partien Deiner "Neuen Entdecker" auf dem Plan, mit dem ich mich so langsam richtig anfreunde, und das auch durchweg in unseren Familienrunden sehr gut ankommt. Da habe ich dann auch mehr Spielraum als momentan bei "Gnadenlos"...
Ciao,
Roman

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Carsten Wesel

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Carsten Wesel » 23. April 2001, 09:00

> Zudem kann man noch so gut spielen, der enorme
> Glücksfaktor beim "Zahltag"-Auswürfeln
Es ist ja ein Glücksspiel und dieser Teil war es nicht, der mit den Frust bereitete. Aber wenn man mal keine Abenteurer mehr auf der Hand hat, dann baut sich Frust auf. Die anderen haben genug Abenteurer, so daß kaum neue angeboten werden. Wenn ich wieder dran bin, dann werfe ich zwar neue auf den Markt, doch kann ich dann nicht steuern, welchen Abenteurer ich bekomme. In der näxten Runde muß ich ihn auf jeden Fall einsetzen und mit Glück habe ich ihn dann noch weiter auf der Hand - aber eher nicht. Entweder wird er erschossen oder er gewinnt bei einer der anderen 3 Karten - und schwups, bin ich ihn los und das Ohne-Karten-Dilemma hat mich wieder.
Ansonsten fehlt mir auch etwas der Zusammenhang. Mal 'n Goldfund, mal 'ne Schießerei - aber alles sind einzelne Aktionen, die nicht in einer Grundgeschichte Highlights darstellen, sondern sich einfach nur aneinander reihen.
Gruß Carsten (hat in Oberhof gnadenlos im Schnee gespielt)

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Volker L.

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Volker L. » 23. April 2001, 14:00

> Allerdings ist Deine Vermutung, ich hätte ein
> "komplexes Spiel zur Familientauglichkeit
> zusammengestutzt" falsch. Sowas würde ich keinem
> meiner Spiele antun.
Hm, wirklich nicht? Ich meine, irgendwo gelesen zu
haben, dass in der urspruenglichen Version DSvC schon
die beweglichen Ritter hatte, die erst spaeter (auf
Geheiss des Verlages?) durch Ritterkarten ersetzt
wurden.
Gruss, Volker (der gerne siedelt, aber nur mit
mindestens einer der beiden Erweiterungen (Seefahrer/S&R)

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Helmut

re: Gnadenlos - wie findet Ihrs?

Beitragvon Helmut » 27. April 2001, 19:31

Mensch, das ging aber schnell mit dem Verkaufen. Habe es eben erst gekriegt!
Gruß
Helmut


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