Beitragvon Arno C. Hofer » 5. Februar 2002, 19:48
Lieber Markus,
nach eigenen Erfahrungen vor ein paar Jahren kann ich Dir nachfühlen, wie es Dir auf dieser Messe montags gegangen sein muß. Es war in den meisten Fällen schlicht keine kompetente Person mehr da ... die PressesprecherInnen nicht, auch die sonst zahlreich angereisten Journalisten nicht - alles fährt spätestens Sonntag abend wieder heim. Irgendwie ist es dann wie in einer Geisterstadt ...:seufz:
Dass die Spiele [b]nicht fertig[/b] sind [i]hat Tradition[/i]. Schließlich will man ja doch (in manchen, manchmal in vielen, Fällen) abtesten, ob das Spiel [b]beim Handel !!![/b] ankommt - oder nicht, sprich: ob es jetzt erscheint, später, oder überhaupt nicht (was wir ja auch schon mehrfach erlebt haben - dereinst: obwohl die Journalisten von den Titeln begeistert waren ! Nur: der Handel wollte für diese Spiele nichts tun, hat also wieder einmal Zensur ausgeübt ... bin gespannt, was heuer nicht erscheint ...:wink:
Aber vielleicht hast Du, lieber Markus, einige Kunstwerke schlicht übersehen - oder es konnte sie Dir niemand zeigen ... Ein solches Kunstwerk verspricht auch aus österreichischer Sicht ein wenig Beachtung. Leider konnte ich noch nirgends lesen, dass [i]San Gimignano[/i] bei Piatnik/Venice Connection ein [b]großes Spiel[/b] werden könnte. Ich hatte es Piatnik - ehrlich - nicht zugetraut. Aber mit diesem Spiel ist sicher genauso zu rechnen wie mit [i]Pueblo[/i], dessen Ausgefuchstheit ich bei einer Probepartie mit dem Meister Himself, mit Wolfgang Kramer persönlich, beobachten konnte.
Was mir heuer auffiel war vorallem eines: die Verlage bemühen sich nicht mehr (wie z.B.: beim Song-Contest üblich) mindestens ein Spiel [b]nach dem Geschmack der Jury[/b] zu kochen (oder hat die Jury vielleicht auch keinen einheitlichen Geschmack?), sondern eher auf das Zielpublikum zu schauen. In diesem Sinne sticht der "Kampf der Gladiatoren" deutlich heraus, der auf ein junges, männliches (10 -14-jähriges) Publikum zielt, das derzeit für die Brettspiel-Welt so irgendwie zur [b]lost generation[/b] zählt. Mit diesem Spiel läßt sich dort sicher wieder Fuß fassen, aber nicht nur dort ...
Es wird auch auf den klassischen Familienbereich gesetzt, wobei die [i]Kinderspiele[/i] meines Erachtens - wie sich der Trend im Vorjahr zeigte (auch bei den Juryentscheidungen: Klondike, Rappel Zappel, Hexenrennen, Rüsselbande) -lobenswerter Weise immer weiter zu Familienspielen mutieren und aufgewertet werden: typisches Beispiel gefällig? Der neue Kramer bei HABA, die "Kürbiskopfbande".
Bleiben da noch die Spiele für die "Gelegenheits- bis Vielspieler". Auch da gibt's glaube ich, heuer einiges an "feinen Mehlspeisen" - die sich aber unsere Forums-KollegInnen schon im Thread "Nürnberg" genüßlich auf der Zunge zergehen ließen: Puerto Rico, Dschunke, Magellan, Goldland und, und, und.
Was mich als Ludothekar freut, der Spielkultur unters Volk bringen will ist, dass es heuer weniger "Tascherlzupfer"-Spiele gibt, d.h. Spiele, die die Euros nicht wert sind, die man in sie investiert und: dass auch ungeübte [b]Neueinsteiger[/b] immer leichter sich erschließende Regelwerke[/b] in die Hand bekommen, die die Zäune, Wände, Mauern etc.,[b]die diese Menschen in der Regel als Hindernisse für unüberwindbar halten[/b] heuer überwindbarer aussehen lassen und ganz einfach niederschwelliger sind. [b]Alles im Eimer[/b] von Stefan Dorra besticht da ganz besonders: Tolles Thema, spaßiger und gemeiner Spielverlauf, alles was sich Menschen wünschen, die ein "lustiges Spiel" suchen ...
Ich freue mich auf ein gutes Spielejahr.
Arno (der Nürnberg heuer irgendwie ganz anders als sonst erlebt hat ... auch wegen der anderen Hallen, der neuen Stände, etc., spielerischer: so konnte ich auch [b]Hekla[/b] bei der Holzinsel selbst spielen, das mir sehr gefällt - und in dem noch sehr viel Unentdecktes drinzustecken scheint ...ach ja: und Michael Knopf mischt da bei der Regelgestaltung mit, was auf einen guten Stil und Klarheit hoffen läßt)