Beitragvon Roman Pelek » 15. April 2002, 21:07
Hi Marc,
Marc Gallus schrieb:
> Geht es Euch auch oft so, dass Ihr ein Spiel gerade neu
> erworben habt und Euch die Regeln angelesen habt und dennoch
> nicht wisst,
> wie Ihr denn nun halbwegs zu agieren habt?
Ja - klar. Aber darin liegt auch ein Reiz: es herauszufinden ;-)
> Beispiel Puerto Rico: Bei unserer ersten Partie haben wir fast
> das Spiel an die Wand gefahren, so dass 2 Mitspieler fast
> keine Lust mehr hatten auf eine zweite Partie(die dann
> wirklich spannend verlief).
Hm, kann passieren - wir haben seinerzeit eine Medina-Partie ordentlich in den Sand gesetzt, aber für mich gehört sowas fast dazu bei etwas anspruchsvolleren Taktik/Strategiespielen.
> Ich denke, dass die Verlage, zumindest bei komplexen Spielen,
> den
> einen oder anderen taktischen Hinweis geben sollten, damit
> auch bei einem "ersten Kennenlernspiel" kein Frust entsteht.
Es ist die Frage, wieweit man Spieler an die Hand nehmen kann. Wenn man ein Spiel erklärt, das man schon kennt, kann man so etwas prima, auch im Spiel, mal unterbringen a la "Ohoh, wenn Du das jetzt machst, wird's böse enden..." :) Viele taktische Hinweise, sofern vorhanden, sind mehr allgemeiner Natur ("Spielen sie gegen den Führenden", "Haushalten sie mit ihrem Geld"...), so dass sie außer Spieleanfängern wenig bringen. Aber ich habe auch die Befürchtung, dass, wenn man mit taktischen Hinweisen anfängt, manchmal kaum ein Ende findet. Ich weiß z. B. nicht, wie man bei "Puerto Rico" eine gelungene Einführung machen könnte, es mag durchaus ausufern und dem Umfang des Regelwerks aufblähen - mit dem Effekt, dass es vielleicht auch keiner mehr lesen mag. Und bei richtig komplexen Spielen gibt's dazu ja teilweise Bulletins o.ä.
> Ich möchte ehrlich gesagt nicht wissen, wieviele "scheinbar"
> schlechte Spiele, die aufgrund eines ersten schlechten Partie
> zur Seite gelegt wurden, doch erheblichen Spielspass bieten.
> Dass
> solche ersten Negativerfahrungen natürlich unter Spielern
> weitergegeben werden, bleibt nicht aus, so dass oftmals ein
> Spiel
> keine zweite Chance bekommt und Mitspieler für eine zweite
> Partie nur mehr schwer zu finden sind.
Deshalb traue ich persönlich ersten Eindrücken, die etwas zur Taktik oder Strategie sagen bzw. ein Spiel wegen (vermeintlichen) Fehlern in der Balance negativ beurteilen, nur sehr bedingt. Mehr als Anhaltspunkte, auf was man achten kann/sollte, sind es meist nicht - und abhalten, ein Spiel doch näher zu begutachten bzw. die Diskussion weiterzuverfolgen würde es mich eben deswegen nicht.
Kurzum: uns geht's bei ersten Partien ganz genauso, aber deswegen hängen wir eigentlich immer eine zweite, evtl. in einer anderen Runde dran, selbst wenn's ganz schlimm lief. Anspruchsvollere Spiele kann man m. E. nicht anders angehen, wenn man die Regeln selbst lesen muss und keinen erfahrenen Spieler in der Runde hat... Aber, wie gesagt, teilweise sehe ich da auch einen Reiz drin, und manchmal zweifle ich auch arg daran, ob solche Tipps, wenn sie was nützen sollen, nicht den Rahmen einer Regel sprengen. Mit drei Seiten taktischer Hinweise kann man evtl. auch Mitspieler gleich beim Lesen vergraulen :-D
Ciao,
Roman