Beitragvon Roman Pelek » 20. Juli 2002, 06:56
Hi Helmut,
vorab: diese Antwort geht ein bissl arg über das hinaus, was Du schriebst. Insofern ist es überhaupt nicht persönlich gemeint, aber als Aufhänger war es doch zu verlockend:
Helmut Lehr schrieb:
> Wir gehören auch zu denjenigen, die GOLDLAND sehr gelungen
Hm, pluralis majestatis? ;-) Nein, aber mal im Ernst: uns ging's halt in 12 Partien in unterschiedlichsten Besetzungen umgekehrt: nett, aber nicht mehr. 50% Planung, 50% Glück (im Gegensatz zum Schachteltext), manche fanden das Herumgelaufe eher öde, manche etwas spannender, aber niemand wirklich fesselnd. Das Erreichen des Tempels erscheint mir nach wie vor (zu) dominant, was ich dem Spiel in einem kläglichen Versuch, etwas objektiver zu sein, etwas zur Last lege.
> fanden. Mir unbegreiflich, wie so ein Spiel nicht auf die
> "Liste" kommt! Da waren schon viel schwächere drauf!
Wir haben ca. 300 Spiele pro Jahr, dieses Jahr waren 12 auf der Liste. Der Anspruch der Jury ging in Richtung "einfaches Spiel", die Offensichtlichkeit der Streuung über die verschiedenen Verlage und Autoren angesichts dieses Anspruchs ist eklatant. War denn anderes zu erwarten? Ich empfand die Regel zu "Goldland", ungeachtet des Spielgeschmacks, selbst als "Vielspieler" schon als problematisch, was Länge, Struktur und Eindeutigkeit anbelangt. Da hätte dann auch eine "Piratenbucht" draufgehört (hat, mal schlicht und ehrlich subjektiv, bei uns wie eine Bombe eingeschlagen, wo bei "Goldland" nur müde gegähnt wurde) - zumal Amigo sonst nicht vertreten war. Oder als einfache Spiele mit besserer Regel "Kap bis Kairo" oder "Emerald", beide auch von diesmalig nicht gelisteten Verlagen. Ein "Mexica" oder "Pueblo" von Wolfgang Kramer hätte man genausogut nehmen können.
Um's aber mal - jenseits "Goldland" oder was auch immer - auf den Punkt zu bringen: ich halte die alljährlich wiederkehrenden Diskussionen "Mein Lieblingsspiel ist nicht auf der Liste" oder die allerorten beliebte Kontroverse "die Jury ist inkompetent oder nicht" für schlichtweg redundant und von einer Effizienz nahe Normalnull - oder darunter - beseelt. Außer der Pflege persönlicher Animositäten und Geschmäcker dient dies nichts. Die Spieleszene jammert sich hier um die wesentlichen Belange drumherum. Wir alle müssten uns eher Gedanken machen, wie man mehr (normale und junge) Leute zum Spielen animiert, wie man junge Autoren berät und fördert, wie man die Existenz der Verlage sichert, auf welche Weise man die Güte redaktioneller Arbeit erhält, wie Spielefachhängler ihre Existenz sichern können und Ähnliches.
Wenn wir hier in jämmerlichem Selbstmitleid, verallgemeinerten Geschmacksfragen und gegenseitigen Schuldzuweisungen unser Heim finden, wird dies jedoch nie gelingen. Wir sollten endlich mal aufhören, uns hier öffentlich in einer arg undifferenzierten Melange der Kategorie "67-jähriges Jurymitglied findet etwas toll, was ein anderer 52-jähriger Spielefreak nicht toll findet" zu suhlen. Sowas trübt nur den Blick für's Wesentliche, und das ist ein gemeinsames Interesse: am Brettspiel Spaß zu haben und dies anderen (auch Jüngeren) zu vermitteln.
Ciao,
Roman