Beitragvon Lutz » 2. Januar 2003, 12:25
Preis, Image, Preis
Alle Jahr wieder wird über den Preis von Brettspielen gesprochen.
Spiele sind zu teuer!
Warum?
Am Wochenende war ich im Kino, Harry Potter 2, mittlere Kategorie kostet € 8,50 pro Person.
Für € 5,-- bekomme ich Zahlenlabyrinth von Uhl. Zwei Personen zahlen € 17,--, dafür bekomme ich ein 2-Personen-Spiel von Kosmos (stellvertretend Babel) oder Carcasonne von HiG. Mit vier Personen komme ich auf € 34,-- und dafür kann ich mir locker Puerto Rico kaufen. Diese Rechnung verbessert sich enorm, zugunsten des Spiels, wenn ich es mehr als einmal spiele!
Spiele sind zu teuer?
Zahlenlabyrinth, Babel, Carcasonne oder Puerto Rico!
Sind das schlechte Spiele?
Natürlich nicht!
Brettspiele „Made in Germany“ sind ein Qualitätssiegel, aber außer einer kleinen Gruppe von Insidern (z. B. die Leser dieser Seite), weiss dies in Deutschland keiner!
Außerhalb Deutschlands wissen das scheinbar mehr Menschen, als in Deutschland selbst.
Sind Spiele wirklich zu teuer?
Nein, Spiele sind nicht zu teuer, Spiele haben, im Verhältnis zu ihrer Qualität, nur kein gutes Image!
Über den Film Harry-Potter 2 kann ich mit den meisten Menschen sprechen, egal ob sie positiv oder negativ reagieren, ich habe ein akzeptiertes Thema.
Erzähle ich von Brettspielen, erlebe ich immer wieder eine ähnliche Reaktion, für so etwas haben sie, meine Gesprächspartner, leider keine Zeit. Brettspiele sind kein akzeptiertes Thema!
Ein Film, egal wie gut er ist, ist ein Thema, ein Brettspiel nicht!
Nicht der Preis für Spiele ist zu hoch, das Image der Brettspiele ist zu niedrig.
In den 80er Jahren entstanden eine Vielzahl an Verlagen, damit wurde eine breite Basis für kreative Entwickler geschaffen.
In den 90er gelang es mit den „Siedlern“ eine Vielzahl von neuen Spielern zu gewinnen, aber auch das Verschwinden einer Vielzahl an Verlagen.
Qualität ohne Image hat keinen Preis!
Was hat ein Film, was ein Spiel nicht hat?
Präsenz in den Medien!
Eine hervorragende Möglichkeit für Präsenz in den Medien zu sorgen wäre die Verleihung von Preisen auf einer großen Bühne, zum richtigen Zeitpunkt!
Was wäre eine große Bühne?
Die Spielwarenmesse in Nürnberg!
Alle sind da, Verlage, Einkäufer, Presse, Interessenten und nicht nur aus Deutschland, nein, aus der ganzen Welt.
Wäre Ende Januar ein guter Zeitpunkt?
Ende Januar wäre der beste Zeitpunkt.
Im Vorjahr wurden die Spiele vorgestellt, im Oktober die Nominierungsliste bekannt gegeben und dann werden die besten Spiele am Anfang des Jahres, bei einer großen Veranstaltung, ausgezeichnet. Das Interesse für diese Spiele würde noch einmal geweckt werden.
Es fehlt nicht an guten Spielen, es fehlt nicht an guten Spielebesprechungen, es fehlt nicht an engagierten Spielern, es fehlt nicht an einem anerkannten Preis, woran es fehlt ist das Interesse der Öffentlichkeit, daran fehlt es!
Doch wem fehlt es?
Es fehlt nicht unbedingt den großen Verlagen, vielmehr fehlt es den kleinen und mittleren Verlagen, deren Überleben es sichern würde.
Es fehlt den Autoren, sicher nicht den vier, fünf Erfolgsautoren, aber sicher den vielen kreativen Spieleerfinder, die nur den Insidern bekannt sind.
Es fehlt den Journalisten, die über Spiele schreiben und um jede Zeile bei ihrem Redakteur kämpfen müssen.
Und es fehlt den „richtigen“ Spielern, das Mitfiebern vor dem Fernseher, ob der eigene Favorit gewinnt und das Gespräch darüber mit Bekannten, nicht nur das Gespräch mit Insidern.
Wer hat kein Interesse an einer solchen Veranstaltung?
Den großen Verlagen ist es egal, die Sorgen für öffentliches Interesse mit Fernsehwerbung.
Den Kaufhäusern und Ketten ist ein Preis kurz vor dem Weihnachtsgeschäft lieber, wenn möglich auch nur ein Spiel, damit niemand durcheinander kommt, beim Bestellen und vor allem beim Kaufen.
Habe ich jemand vergessen?
Bleibt die Frage, ob die Spielwarenmesse in Nürnberg ein Interesse an einer solchen Veranstaltung hätte?
Viele Fragen! Aber auch die richtigen Antworten?