Beitragvon Steffen S. » 16. Juni 2004, 13:49
Hallo Peer,
ich hatte beim Spielewochenende auf der Alb, das Klaus Palesch Jahr für Jahr organisiert, die Gelegenheit, Käse-Mäuse-Chaos zu spielen. Mir wurde auch die "Ehre" zuteil, die Regel lesen zu dürfen, sowie Runden zu erklären, die das Spiel ausprobieren wollten.Eine kurze Zusammenfassung, die immerhin auf 8 Personen beruht.
1. Das Material: Traumhaft, vielleicht das Aufwändigste, was mir persönlich je unter die Spielerfinger gekommen ist. Kuriosum: Die Käsestücke, die in der Mitte auf dem Tisch liegen, sind sogar reine Dekoration!
2. Zur Regel: Die Regel ist relativ kurz gehalten - zu kurz. Zum einen sind Teile des erlaubten Zugmöglichkeiten nur nach dem Prinzip "was nicht verboten ist, ist erlaubt" abzuleiten, zum anderen sind manche Formulierungen sehr schwammig. Was sind "liegende" Stuhlbeine? Aufliegende? Alle Stuhlbeine eines liegenden Stuhls? Oder bezieht sich das nur auf die Querverstrebungen, wie der Großteil des übrigen Textes? Zudem kommt, dass die Regel weitestgehend im Blocktext geschrieben ist, also wenig strukturiert. Das Auffinden bestimmter Erklärungen wird dadurch erhebnlich erschwert. Größtes Manko dürften die fehlenden Beispiele sein: Einige Bilder mit Spielsituationen+Erläuterungen wären ein Segen gewesen.
3. Zum Spiel selbst: Es geht darum, Mäuse der eigenen (verdeckt gezogenen) Farbe, ins eigene Versteck zu bekommen. Dieses hat man vor sich im Eck, und es nimmt 4 Mäuse auf. Eine Maus sitzt zu Spielbeginn bereits darin - ihre Farbe ist allerdings bis zum Ende unbekannt (kann man nur an der Unterseite sehen). Ist man am Zug, muss man einen Käsehalter (das sind 6 kuchenstückförmige Abdeckunge, die zu Spielbeginn in der Mitte auf dem Tisch stehen) aufdecken. Die Zahl, die in diesem aufgedruckt ist, gibt an, wie weit ich den Käsehalter bewegen darf. Auch die nachfolgende Bewegung einer Maus erfolgt nach dieser Zahlenangabe. Fange ich mit einem Käsehalter eine Maus (drüber stülpen), darf ich sie mir verdeckt anschauen (Farbe auf der Unterseite). So erschließt sich langsam, welche zu mir gehören. Das sollte ich mir tunlichst merken!
Außerdem dürfen auch Katzen und Stühle bewegt werden. Katzen jagen Mäuse zurück unter den mittigen Tisch, Stühle blockieren u.U. die Laufwege von Tier und Käsehaltern. Die Details dazu lass ich mal aus.
Habe ich 4 Mäuse in meinem Versteck, decke ich diese auf. Dabei kann es passieren, dass Mäuse anderer Spieler ins Versteck getrieben wurden. Diese muss ich dem Betreffenden weitergeben. Ggf. kann passieren, dass dadurch schlagartig ein anderes Versteck gefüllt wird, wo dann erneut aufgedeckt wird. Sollte ein Spieler alle 4 Mäuse seiner Farbe aufdecken, hat er gewonnen.
4. Wie kam es an? Zum einen muss erkannt werden: Das Spiel hat einen erheblichen Memory-Effekt. Käsehalter-Werte und v.a. Mäusefarben sollten gemerkt werden. Wird eine Maus durch den Käsehalter, den man bewegen möchte, verdeckt, darf man sich auch diese bei Zugbeginn anschauen - also sollte man sich auch diese Situationen merken. Vielleicht lag es an meiner Abneigung gegen solche Memory-Effekte, aber irgendwie fiel das Spiel bei uns total durch. Zum einen ist das Chaos wirklich groß, zum anderen ist das Umverteilungs-Spielende eher unbefriedigend. Wer zufällig die Maus seiner eigenen Farbe im Versteck sitzen hat (1 sitzt zu Beginn ja schon drin, s.o.), hat schon einen Vorteil. Das ganze Hin- und Hergejage der Mäuse wirkt eher abwechslungsarm, dazu kommen permanente Regelproblemchen. Mitunter ist ein Spieler völlig blockiert, weil die Gegnerschaft einen Ring aus umgelegten Stühlen um sein Versteck (oder seine Maus) gezogen hat. Und das Spielende gleicht einer Wundertüte: Irgendwann erbarmt sich eben ein Spieler, ein Versteck zu füllen. Dann beginnt das große Daumen drücken, welche Farbe(n) der Spieler aufdeckt. Das Verlierrisiko (Mausweitergabe!) bei Spielende führt gerne dazu, dass die Spieler die Mäuse lange Zeit unmotiviert in der Gegend herumschieben, und nur die seltenen Gelegenheiten nutzen, wenn eine eigene Spielerfarbe ins Versteck bugsierbar ist. So weit ist das noch verständlich.Einen Vorteil hat daher in jedem Fall, wer früh seine eigenen Mäuse per Käsehalter erwischt. Wer jedoch zu offensichtlich eine Maus nach vorne pusht riskiert, dass diese zugeordnet und völlig blockiert wird. Also doch eher belanglos agieren???
So schiebt man die Mäuse und Halter duch die Gegend, hofft auf freie Bahn, blockiert mit Stühlen, und hat doch nie den Eindruck, irgend etwas Entscheidendes tun zu können. Fakt war: 3 Runden gespielt, 3mal durchgefallen. Immerhin: Als Zierde fürs Regal taugt das Spiel dank dem Material auf jeden Fall. Ob das für 35 € Anschaffungspreis entschädigt....?
Gruß,
Steffen