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Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

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Joachim Zischke
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Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

Beitragvon Joachim Zischke » 16. Juli 2004, 10:51

Hallo, liebe Diskutanten,

als Autor und Verleger sind eure Wünsche und Ideen natürlich Musik in meinen Ohren. Die Botschaft hör' ich wohl, allein der Glaube will mir fehlen. Der Glaube daran nämlich, dass derartige "Wunschspiele", würden sie denn veröffentlicht, auch tatsächlich gekauft würden.

Was möchte die breite Masse der Spielekäufer kaufen? Hat sie eine eigene Meinung? Wie artikuliert sie ihre Wünsche, durch Nichtkaufen? Sehen wir es realistisch: Die grossen Verlage produzieren nur noch das, was die breite Masse kaufen soll. Und die Masse kauft das, wozu sie durch das Marketing zum Kaufen aufgefordert wird. Dazu bei trägt z.B. dass Spiele heute angepriesen werden, wie früher nur Bücher: Der neue Grisham, der neue Stephen King, der neue Knizia... Der Name muss ziehen. Der Inhalt, das Thema, im wahrsten Wortsinne: das Spiel, das zählt nicht mehr.

Oder sollte sich jetzt eine Wandlung anbahnen? Haben wir inzwischen gemerkt, dass Thema und Inhalt manch eines Spiels nicht zusammen passen? Dass vieles, aber nicht alles, was da so produziert wurde, eigentlich viel Lärm um Nichts war?

Ich habe vor einigen Monaten aufgrund ähnlicher Überlegungen das Spielbrett Teatro und ein Spielekonzept dazu entwickelt. Teatro ist ein quadratisches, massives Stück Holz, in das 81 Fächer in einer 9 x 9 Matrix eingefräst sind. Das Konzept sieht vor, mit ein und demselben Spielbrett beliebig viele Spiele spielen zu können. In der Beschränkung liegt die Stärke, sagte ich mir. Aber damit nicht genug: Die Basisausstattung eines jeden Spiels ist so angelegt, dass mehrere Spiele mit dem gleichen Material gespielt werden können. So wird aus einem Gesellschaftsspiel für Vier im Handumdrehen ein taktisch-strategisches Spiel für Zwei oder Drei. Das erste dieser Spiele, Landwehr 1438, hat die Lüneburger Stadtgeschichte zum Thema. Und mit diesem Spiel können heute vier gänzlich unterschiedliche Spiele (keine Varianten) gespielt werden.
http://www.terra-authentica.com/teatro/1438/1438-de-0.htm

Was will ich mit diesem Beispiel verdeutlichen? Ein Spiel muss glaubhaft sein. Konzept und Thema müssen eine harmonische Einheit bilden. Ein Spiel sollte für den Spieler authentisch und nachvollziehbar sein. Er sollte auch das Gefühl haben, dass die Welt, in der er im Spiel eintaucht, so und nicht anders existiert.

Ich kann Günter Cornett's Meinung partout nicht zustimmen, neue Themen wären immer schwerer zu finden. Unsere Welt ist voll von spannenden, unterhaltsamen Themen, die sich für Spiele eignen (siehe auch http://www.terra-authentica.com/litera/lit-de-0.htm).

Selbst altbekannte Themen bieten reichlich Spielestoff, wenn sie neuartig aufbereitet, interessant gestaltet und spielerische Herausforderungen bringen. So schwebt mir ein Spiel im Kopf herum, das sich auf zwei mentalen Ebenen abspielt und dabei zwei Geschichten spielerisch gleichzeitig behandelt. Es ist Shakespeare's Drama "Antonius und Cleopatra". Dahinter verbergen sich sowohl der Erorberungsfelzug von Rom gegen Ägypten als auch die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten Antonius und Cleopatra sowie Cäsar. Ob der Spieler da mitspielt?

Ich muss jetzt unterbrechen. It's tea time, now.

Viele Grüsse
Joachim Zischke

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Dirk Piesker
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Beiträge: 950

Re: Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

Beitragvon Dirk Piesker » 16. Juli 2004, 13:48

Hallo Joachim,

ich kann nicht ganz nachvollziehen, wie Du gerade Landwehr als Beispiel
für eine gelungene Synthese von Spielmechanik und Thema angibst.

Viel abstrakter kann ein Spiel doch garnicht sein, und ob da Bardowicker,
Römer oder Ufos gegeneinander spielen, macht wohl keinen grossen
Unterschied.

Product Placement?

Viele Grüße,
Dirk

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Peter Gustav Bartschat

Re: Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 16. Juli 2004, 14:15

Joachim Zischke schrieb:
> [...] Dazu bei trägt z.B. dass Spiele
> heute angepriesen werden, wie früher nur Bücher: Der neue
> Grisham, der neue Stephen King, der neue Knizia... Der Name
> muss ziehen. Der Inhalt, das Thema, im wahrsten Wortsinne:
> das Spiel, das zählt nicht mehr.

Hierzu sei mir die kritische Anmerkung gestattet, dass Grisham, King und Knizia alle erst eine ganze Reihe von Werken veröffentlichen ´mussten, die durch ihre Qualiät (oder meinetwegen durch das Treffen des Publikumsgeschmacks - für diejenigen, die darauf beharren möchten, dass das ein Unterschied ist) überzeugten, statt durch den Namen des Autors.

Niemand würde den Namen King kennen, wenn sich niemals jemand ein King-Buch gekauft hätte, ohne den Namen zu kennen. Erst wenn eine Reihe von Büchern eines Autors erfolgreich sind, dann wird der Name zum Verkaufsargument.

Das heißt: Dass der eigene Name dem Publikum etwas sagt, muss ein Autor sich erst mal im Schweiße seines Angesichts verdienen - und wie anders sollte das gehen, als dadurch, dass eben Inhalt und Thema überzeugen!

Das Werk selbst kommt also, sei der Autor bekannt oder nicht, immer an erster Stelle.

In der Spiele-Branche gilt das sogar in stärkerem Maße als bei Büchern, da Buchautoren durchaus einem großen Teil des Publikums geläufig sind, während Spieleautoren sich als Individuen grade erst langsam ihren Platz im Bewusstsein der Käufer erobern. Wirklich bekannt sind ihre Namen nur einem kleinen Kreis von Fans. Man beachte dazu die Schriftgröße, die Autoren-Namen im Verhältnis zum Titeln auf Buch-Covern und auf Spielschachteln haben, um zu sehen, womit da in welcher Branche tatsächlich angepriesen wird.

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Joachim Zischke
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Re: Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

Beitragvon Joachim Zischke » 16. Juli 2004, 14:41

Dirk Piesker schrieb:

>
> Viel abstrakter kann ein Spiel doch garnicht sein, und ob da
> Bardowicker,
> Römer oder Ufos gegeneinander spielen, macht wohl keinen
> grossen
> Unterschied.

Verzeihung, aber wo spielen Bardowicker und Römer in meinem Spiel? Ist das nicht etwas quer über die Seite gelesen?

Wer natürlich bunte Bilder in diesem Spiel erwartet, findet in Landwehr 1438 sicherlich nicht das richtige Umfeld. Aber abstrakt? Das Lexikon sagt dazu: "abstrakt [lateinisch, „abgezogen”], unanschaulich, rein gedanklich, theoretisch". Sehr grafisch würde ich sagen. Aber ich mache daraus kein Politikum.

> Product Placement?

Nein, nur ein Beispiel, das mir gerade gut gefiel.

Gruss
Joachim

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Joachim Zischke
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Re: Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

Beitragvon Joachim Zischke » 16. Juli 2004, 14:45

Peter Gustav Bartschat schrieb:

> In der Spiele-Branche gilt das sogar in stärkerem Maße als
> bei Büchern, da Buchautoren durchaus einem großen Teil des
> Publikums geläufig sind, während Spieleautoren sich als
> Individuen grade erst langsam ihren Platz im Bewusstsein der
> Käufer erobern. Wirklich bekannt sind ihre Namen nur einem
> kleinen Kreis von Fans. Man beachte dazu die Schriftgröße,
> die Autoren-Namen im Verhältnis zum Titeln auf Buch-Covern
> und auf Spielschachteln haben, um zu sehen, womit da in
> welcher Branche tatsächlich angepriesen wird.

Das Problem, so scheint mir ist, dass das Spiel noch immer nicht als Kulturgut in der Bevölkerung wahrgenommen wird. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Meine Bemerkung bezog sich auf die Ankündigung von Amun Re wo ausschliesslich der Name des Autors erschien, als wäre das allein Garant für ein tolles Spiel.

Viele Grüsse
Joachim

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Jana S.

Re: Spiele-Themen + Spiele-Inhalte

Beitragvon Jana S. » 19. Juli 2004, 14:01

Knizia ist meistens "Garant für ein tolles Spiel".


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