Beitragvon Roman Pelek » 13. August 2004, 21:47
Hi Jeff,
Jeff Widderich schrieb:
>
> Hallo Frank,
>
> Verkaufszahlen sind direkt abhängig von der Ausstattung und
> die Produktionsnumbern. Ein bessere Ausstattung sollte mehr
> Spiele verkaufen? Oder ist der Preis im Moment wichtiger als
> die Ausstattung ? Ich hoffe nicht. Diese Entscheidundungen
> müssen irgendwie gemessen und geplannt werden ?
Sicher werden diese Entscheidung sorgfältig geplant, und man kann hier (Preis) oder dort (Ausstattung) etwas mehr den Schwerpunkt setzen. Ich denke aber, dass es momentan beim Käufer eine (vielleicht derzeit etwas niedrigere) Schmerzgrenze gibt, was er bereit ist, zu zahlen, egal wie schön ein Spiel ausgestattet ist. Bei einem Brettspiel sehe ich diese Grenze momentan (persönlich geschätzt) bei etwa <=25 Euro, was den Massenmarkt angeht - außer es hat wirklich außergewöhnliche Anreize, die es von der Masse abheben und auf den ersten Blick für den Käufer einen höheren Preis rechtfertigen. Nur muss man solche Vorzüge dann sehr offensiv nach außen tragen, d. h. man muss einen Blickfang im Geschäft haben.
> Es geht wirklich darum Spiele darzustellen damit sich das
> Thema reizvoll entwickelt. Deine Anmerkungen das man sich
> überlegen muss wo man die Produktions kosten investieren
> soll, sind 100 % richtig. Dieser "Balance" ist aber so
> gefährlich wenn man zu viel sparrt. Wunderschöne Spiele
> sollten nicht viel mehr kosten wenn mann die Vorbereitung
> richtig anstellt.
Zuviel sparen wird in meinen Augen dann problematisch, wenn man die Spielbarkeit eines Spieles ruiniert oder die äußere Erscheinung im Laden in Mitleidenschaft zieht. Sicher leidet auch der Spielspaß unter einer einfacheren Ausstattung, ich halte aber die ersten beiden Kritierien für den Verkauf für wichtiger. Und derzeit geht es vielerorten (in Deutschland) um Absatz bei der Masse, und nicht darum, in Schönheit zu sterben. Ich privat als Spieler hoffe auch, dass wir uns wieder mehr Luxus leisten können und kann Deine Worte mit ganzem Herzen nachvollziehen, möchte aber beileibe keine unrealistischen Zielsetzungen propagieren, die uns als Spieleszene unter dem Strich mehr Nach- als Vorteile bringen.
> Die Herrstellung eines Spieles sollte eine Artform sein. Man
> muss unbedingt sein Herz benutzen um es darzustellen, aber
> wenn es produziert wird dann muss man wirklich den Buchhalter
> bei der Production dabei haben. Schade!
Natürlich ist das schade, und man weint innerlich manchem eine Träne nach. Und es mag auch sein, dass jemand im Einzelfall das Glück hat, mit einem (teureren) Kunstwerk den Durchbruch zu erlangen und den Trend zu durchbrechen. Nur dafür scheitern 99 andere daran, die ihren Dachboden mit unverkauften Spielen vollstehen haben und sich überlegen, wie sie ihren privaten Finanzhaushalt wieder in Ordnung bekommen. Und das wünscht man auch keinem, der zu unserem Hobby etwas beitragen möchte.
> Die Zukunft meiner Meinung nach ist wirklich in wunderschöne
> Spiele die Intelligent produziert werden, um das Publikum
> etwas ausgezeichnetes für einen guten Preis anzubieten. Ist
> es Möglich? Ja wenn das Publikum die Verlage belohnen die
> sich bemühen etwas schönes herrzustellen. es ist der
> Endkäufer der die Qualität bestimmt. Nicht die Verlage.
Ja, der Markt bestimmt das Verhalten der Verlage, manchmal sicher auch zu sehr, weil ein gewisses langfristiges Denken gerne durch aktuelle Verkaufszahlen überlagert wird. Aber ich sehe in Deutschland derzeit nicht den Spielraum für Verlage, sonderlich extravagant bzgl. Ausstattung und Preis zu werden, weil es ein zu großes Risiko ist.
Andersherum gesagt: ich freue mich über jedes extravagante und gut ausgestattete Spiel (oder auch spielfördernde Prestigeaktionen anderer Art), das sich Verlage leisten können, weil sie sich andernorts ein finanzielles Polster für solcherlei Dinge geschaffen haben. Aber wie viele kaufen sich so etwas? Ich wäge da auch immer ab, auch wenn ich sicherlich viel davon erwerbe, weil es meine Leidenschaft ist.
> Geiz ist nicht nur Geil sondern auch sehr gefährlich. Geiz
> hilft nur die Länder die Arbeiter haben die ein Dollar die
> Stunde verdienen.
Das ist in der Tat richtig und die Kehrseite der Medaille. Irgendwo muss das Geld ja eingespart werden, und letzten Endes fließt es in Billiglohnländer oder es wird eben an der Qualität der Ausstattung gespart (bzw. an der redaktionellen Bearbeitung, am Grafiker oder den Konditionen für den Autor). Bzw. an allem wird ein bißchen gespart. Ich wüsste jedoch niemanden, der einen Königsweg parat hätte, um diesem unangenehmen Dilemma zu entkommen.
Ich hoffe jedoch, dass sich Dein Engagement für Dich lohnt und würde mich über ein persönliches Gespräch (gerne auch in Englisch) mit Dir über diese Themen und Deine Spiele sehr freuen. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit in Essen, Du kannst mich gerne persönlich per E-Mail kontaktieren.
Ciao,
Roman